Erstellt am 18. Juni 2014, 05:46

Putin beriet mit Poroschenko Waffenruhe. Der russische Präsident Wladimir Putin und sein ukrainischer Kollege Petro Poroschenko haben per Telefon Beratungen über eine mögliche Waffenruhe im der Ukraine aufgenommen.

Die beiden hätten über einen "möglichen Waffenstillstand im Südosten der Ukraine" gesprochen, teilte der Kreml am Dienstag mit. Schwere Gefechte und die Explosion einer Pipeline erschwerten die Friedensbemühungen allerdings. Unterdessen wurde bekannt, dass am Dienstag ein zweiter russischer TV-Journalist bei Kämpfen in der Ostukraine getötet wurde. Der erste war am Dienstag nahe der Rebellenhochburg Lugansk (Luhansk) unter Beschuss geraten und schwer verletzt worden. Er wurde bewusstlos ins Krankenhaus der Stadt gebracht und starb nach Ärzte-Angaben auf dem Weg in den Operationssaal.

Russland steht im Verdacht, die Unruhe in der Ostukraine durch die Unterstützung der prorussischen Separatisten anzuheizen. In dem Gespräch mit Poroschenko habe sich Putin besorgt über den Tod der beiden Journalisten geäußert, teilte der Kreml weiter mit. Er habe gefordert, die Sicherheit von Reportern in der Region müsse sichergestellt werden. Poroschenko habe eine Untersuchung zugesagt, hieß es weiter. Das Verhältnis der beiden Länder wird auch von einem Gasstreit belastet.

Erneut zahlreiche Menschen bei Kämpfen getötet

Der ukrainische Außenminister Andrej Deschtschiza bedauerte den Tod der Reporter, der wohl von den ukrainischen Sicherheitskräften verursacht worden war. Die Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates forderten eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls.

Erneut kamen am Dienstag zahlreiche Menschen bei Kämpfen zwischen Regierungseinheiten und Separatisten im Osten des Landes ums Leben. Am Rande der Kämpfe kam es zu einer Explosion an einer Leitung für den Export von russischem Gas Richtung Westen.

Augenzeugen in der Region Poltawa sprachen von einer rund 200 Meter hohen Flamme, die aus dem Rohr geschossen sei. Dem Leitungsbetreiber Ukrtransgaz zufolge hat der Zwischenfall aber keine Auswirkungen auf den Gasfluss in die EU, da es eine Ersatz-Pipeline gebe. Naftogaz kündigte an, alle Teile des Transportsystems verstärkt zu kontrollieren. "Die Lage ist bedenklich", sagte Chef Andrej Kobolew.

Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow sagte in Kiew, es gebe Hinweise auf einen terroristischen Akt. Er warf Russland vor, mit Manipulation an der Urengoi-Pomary-Uschgorod-Pipeline "die Ukraine diskreditieren" zu wollen. Beweise nannte er zunächst nicht.

Militär und Aufständische erlitten am Dienstag Verluste. Wie Armeesprecher Wladislaw Selesnjow mitteilte, wurden im Raum Kramatorsk sechs Aufständische erschossen. Im Gebiet Donezk seien mehr als 30 Angehörige der Regierungstruppen verletzt worden. Die militanten Gruppen berichteten vom Abschuss eines Kampfflugzeugs. Der Pilot habe sich per Schleudersitz gerettet.

Die Vorfälle belasten die Umsetzung des Friedensplans von Präsident Poroschenko. Damit betraut wurde Irina Geraschtschenko als Sonderbeauftragte für die Krisenregionen Donezk und Lugansk. Sie solle den Dialog mit den Aufständischen vor allem in der selbst ernannten "Volksrepublik Donezk" suchen, die wie die "Volksrepublik Lugansk" nach Unabhängigkeit strebt. Geraschtschenko ist Parteigenossin des Ex-Boxers und Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko.

Bei einem Telefonat stellte Poroschenko seinen Friedensplan auch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel vor. Dazu gehöre eine zehn Kilometer breite Pufferzone entlang der Grenze zu Russland, um Nachschub für militante Gruppen zu verhindern, hieß es. Die Separatisten erklärten sich grundsätzlich zu Gesprächen bereit, verlangten aber, dass Vermittler Russlands oder internationaler Organisationen hinzugezogen würden.