Erstellt am 06. November 2015, 17:13

Putin ordnet Aussetzung aller Flüge nach Ägypten an. Knapp eine Woche nach dem Flugzeugabsturz im Sinai mit 224 Toten hat der russische Präsident Wladimir Putin die Aussetzung aller Flüge von Russland nach Ägypten angeordnet.

 |  NOEN, APA (AFP)

Putin habe eine entsprechende Empfehlung des Inlandsgeheimdienstes FSB angenommen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut der amtlichen Nachrichtenagentur RIA-Nowosti am Freitag in Moskau.

Zuvor hatte FSB-Chef Alexander Bortnikow die Suspendierung aller Ägypten-Flüge empfohlen, bis die Ursache für den Absturz der Passagiermaschine auf dem Sinai mit 224 Toten am vergangenen Samstag geklärt sei.

Er halte es für "notwendig, die Flüge russischer Gesellschaften nach Ägypten auszusetzen, bis wir die wahren Gründe für die Geschehnisse herausgefunden haben", sagte Bortnikow am Freitag laut Fernsehberichten.

Die Geheimdienste der USA und Großbritanniens gehen laut Medienberichten davon aus, dass eine an Bord geschmuggelte Bombe den Airbus-Absturz auf dem Sinai verursacht hat. Ein Passagier oder ein Flughafenmitarbeiter habe den Sprengsatz in der Maschine deponiert, berichtete die britische Zeitung "The Times" unter Berufung auf abgefangene Gespräche zwischen Jihadisten des Islamischen Staats (IS).

Nach der britischen Regierung hat auch US-Präsident Barack Obama einen Bombenanschlag als mögliche Ursache für den Absturz des russischen Passagierflugzeugs auf der Sinai-Halbinsel nicht ausgeschlossen. Er blieb in seiner Einschätzung aber deutlich vorsichtiger als London. Washington dringt indes offenbar als Konsequenz aus dem Absturz auf strengere Kontrollen an ausländischen Flughäfen.

"Ich denke, es gibt eine Möglichkeit, dass eine Bombe an Bord war", sagte Obama am Donnerstag. Premierminister David Cameron hatte zuvor gesagt, es sei "mehr als wahrscheinlich", dass der Airbus von einer Bombe zerstört worden sei. Cameron berief sich auf "Geheimdienstinformationen".

Großbritannien hatte wegen des Verdachts, im ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh sei ein Sprengsatz an Bord der Maschine geschmuggelt worden, am Mittwoch alle Flüge dorthin gestoppt. Ab Freitag, nach einer Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen, sollen die bis zu 20.000 festsitzenden britischen Touristen zurückgeholt werden. Die Reisenden dürfen allerdings nur Handgepäck mitführen. Die Koffer müssen gesondert reisen.

Der ägyptische IS-Ableger hatte am Mittwoch erneut erklärt, er habe die Maschine zum Absturz gebracht. Bisher hatten ägyptische und russische Behörden dies bezweifelt.

Der russische Zivilschutzchef Wladimir Putschkow sagte, Helfer hätten am Absturzort alle notwendigen Proben von Trümmerteilen gesammelt und für eine Prüfung nach Moskau geschickt. "Die Proben stammen von allen Elementen, an denen Spuren von Sprengstoff sein könnten", sagte er.

Es gebe bisher keine Reisewarnung für russische Urlauber, teilte die Tourismusbehörde in Moskau mit. "So etwas kann nur das Außenministerium erlassen", sagte Leiter Oleg Safonow.

Die Maschine der russischen Fluggesellschaft Metrojet war am vergangenen Samstag kurz nach dem Start im ägyptischen Sharm el-Sheikh abgestürzt; alle 224 Insassen starben. Die Auswertung des Flugschreibers der in Ägypten abgestürzten russischen Passagiermaschine hat laut Moskauer Medien nicht die erhofften Fortschritte gebracht.

Die Aufzeichnungen hätten gezeigt, dass alle Systeme des Airbus A321 bis zum "Ereignis" intakt gewesen seien, sagte ein namentlich nicht genannter Experte der russischen Tageszeitung "Kommersant" (Freitag). Etwa 20 Minuten nach dem Start sei die Aufzeichnung abrupt abgebrochen. Möglicherweise seien bei der Abtrennung des Hecks alle Kabel abgerissen worden, die die "black box" mit Sensoren verbinden.

Fraglich sei, ob der Stimmenrekorder hilfreicher sein könne bei der Suche nach der Ursache des schwersten Unglücks in der Geschichte der russischen Luftfahrt, sagte der Experte. Falls das Flugzeug der sibirischen Gesellschaft Kolavia in wenigen Sekunden zerstört worden sei, hätten die Piloten vermutlich nicht reagieren können. Zudem sei der Stimmenrekorder am Absturzort auf der Sinai-Halbinsel beschädigt geborgen worden. Das Abhören könne daher länger dauern.