Erstellt am 03. Oktober 2014, 18:02

von APA/Red

Quartiersituation unverändert angespannt. Trotz aller Beteuerungen von Ländern und auch kirchlichen Einrichtungen hat sich die Quartier-Situation für Asylwerber nicht entspannt.

 Ganz im Gegenteil öffnet sich die Schere zwischen Asylanträgen und Übernahmen durch die Länder weiter, berichtet ein Sprecher des Innenministeriums auf Anfrage. 

So wurden etwa am Mittwoch 107 Ansuchen auf Asyl eingebracht, tags darauf wurden aber nur 43 Flüchtlinge von den Ländern in Quartiere übernommen. Dies sei kein Einzelfall, erklärt dazu Ministeriumssprecher Karlheinz Grundböck. Es sei praktisch täglich so, dass mehr als doppelt so viele Anträge eingehen, als von den Ländern Asylwerber in Quartiere übernommen werden.

Immerhin hört sich durch die Eröffnung eines Großquartiers in Wien-Erdberg zumindest fürs Erste die Unterbringung von Flüchtlingen in Polizei-Turnsälen auf. Jene in Salzburg und Villach werden nach Auskunft des Innenressorts schon jetzt nicht mehr benötigt. In Eisenstadt und Linz sind derzeit noch 30 bzw. 35 Personen einquartiert.

Das soll sich dann Anfang kommender Woche ändern. Denn da soll auch das zweite große Wiener Übergangsquartier bezugsfertig sein. Derzeit sind im ehemaligen Universitätsgebäude in der Althan-Straße noch letzte Adaptierungsarbeiten im Gang. Ab Montag oder Dienstag dürfte dann mit dem Einzug begonnen werden. Insgesamt werden dort 250 Flüchtlinge unterkommen.

Trotz der zusätzlichen Quartiere in der Bundeshauptstadt weiter sehr stark belegt ist die Erstaufnahmestelle Traiskirchen. Hier werden aktuell rund 1.500 Bewohnen registriert und damit in etwa so viele wie vor Bereitstellung der neuen Unterkünfte in Wien.

Kärntens Landeshauptmann und Flüchtlingsreferent Peter Kaiser (SPÖ) und der Kärntner Gemeindebundpräsident Ferdinand Vouk (SPÖ) haben bei einem Treffen am Freitag vereinbart, bis Jänner 300 neue Betreuungsplätze für Asylwerber zu schaffen, damit Kärnten die Quote erfüllt. Aktuell werden in 29 von 132 Kärntner Gemeinden Flüchtlinge beherbergt.

Tirol nimmt 400 zusätzliche Flüchtlinge bis Jahresende auf, gab das Land am Freitagnachmittag nach einer gemeinsamen Besprechung der acht Bezirkshauptleute mit Vertretern der 36 gemeindeübergreifenden Planungsverbände, sowie der Stadt Innsbruck bekannt. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) verwies auf die derzeit schon betreuten 1.979 Flüchtlinge. Die Festlegung einer Flüchtlingsquote für jeden Bezirk sei die erste Maßnahme, um ausgewogene Strukturen zu schaffen. Als "Negativbeispiel" wurde Thiersee bezeichnet, wo der Bund 45 Flüchtlinge "verordnet" habe. Die nun vereinbarte Höhe dieses Richtwertes orientiere sich an der Einwohnerzahl des Bezirkes.

Niederösterreichs zuständige Landesrätin Elisabeth Kaufmann-Bruckberger (Team NÖ) sieht die Quartiersuche für Asylwerber zur Entlastung des - überfüllten - Erstaufnahmezentrums Traiskirchen auf gutem Weg: Innerhalb einer Woche sei es - auch dank der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung - gelungen, gemeinsam mit der Fachabteilung 300 zusätzliche Plätze zu organisieren.

Die Landesrätin zeigte sich zuversichtlich, das angepeilte Ziel von 700 neuen Betten bis Jahresende zu erreichen. Sie hatte sich Mitte September angesichts der zunehmenden Flüchtlingsströme an die Bürgermeister der 573 Gemeinden im Bundesland gewandt mit der Bitte, "eine Wohnung für vier Personen zur Verfügung" zu stellen. Das Echo sei sehr groß gewesen, hieß es dazu am Freitag aus ihrem Büro: Auch Private, Vereine und Pfarren hätten Plätze angeboten.