Erstellt am 27. September 2015, 12:30

von APA/Red

Osttiroler Gall holte in Richmond Rad-Junioren-WM-Gold. Erstmals in der Radsport-Geschichte hat Österreich einen Straßen-Weltmeister. Der Osttiroler Felix Gall gewann am Samstag bei den Titelkämpfen in Richmond/Virginia das Straßenrennen der Junioren.

Der Lienzer setzte sich im Zielsprint durch  |  NOEN, APA (epa)

Er setzte sich nach acht Runden zu je 16,2 km bzw. insgesamt 129,8 Kilometern im Dauerregen im Sprint vor dem Franzosen Clement Betouigt-Suire und eine Sekunde vor dem Dänen Rasmus Pedersen durch.

Gall hatte sich schon rund zwölf Kilometer vor dem Ziel abgesetzt. "Es wollte einfach keiner fahren", sagte er lapidar nach der Siegerehrung. "Das Tempo war nicht hoch und keiner wollte das Ruder übernehmen. Da habe ich mir gedacht, ich probiere es." Das große ÖRV-Talent löste sich, wurde aber vor dem Ziel wieder eingeholt. Doch der 17-Jährige suchte ein zweites Mal seine Chance.

"Auch wenn es nur ein paar Zentimeter waren - ich habe es ins Ziel gebracht. Das Rennen hätte nicht viel länger sein dürfen", meinte der EM-4. und WM-34. im Zeitfahren. Nach der Siegerehrung und den Interviews realisierte Gall langsam, was er geschafft hatte: "Die Siegerehrung war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich war so angespannt und konnte nicht einmal ordentlich lachen. Aber schön langsam geht es wieder."

ÖRV-Junioren-Nationalcoach Jure Pavlic war begeistert. "Felix Gall hatte weder Glück noch Pech - er ist ein super-starker Fahrer und hat das gezeigt, was er kann. Die Freude ist riesengroß nach diesem WM-Titel. Die letzten fünf Kilometer dauerten für uns wie zwei Stunden. Das Rennen war hoch kompliziert und geprägt von einem Moment: Erwischt du den, passt es. Verpasst du ihn, ist es vorbei. Felix ist ein wahnsinniges Talent."

IAM-Profi Stefan Denifl weiß Galls Erfolg besonders gut einzuschätzen: "Brutal! Weltmeister zu werden ist etwas Geniales, davon träumt jeder. Es ist kein Wunder, dass so viele Österreicher den Sprung in internationale Teams heuer geschafft haben." Ex-Österreich-Rundfahrt-Sieger Thomas Rohregger: "Das war eine unglaubliche Leistung. Felix erinnert mich stark an Georg Totschnig. Das wird ein ganz Großer."

ÖRV-Präsident Otto Flum sah das Verbandskonzept der verstärkten Nachwuchsförderung bestätigt: "Das heute überstrahlt alles. Und das Geniale: Felix ist erst im ersten Junioren-Jahr. Eigentlich geht er nächstes Jahr im WM-Trikot an den Start." Gall ist Hobby-Triathlet und erst heuer voll in den Rad-Rennsport eingestiegen. Er kommt aus Nussdorf/Debant bei Lienz. Auch Mountainbike-Marathon-Weltmeister Albin Lakata ist Lienzer.

Die Britin Elizabeth Armitstead hat in Richmond/Virginia den Straßenrad-WM-Titel bei den Frauen gewonnen. Die Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele 2012 in London setzte sich in einem neunköpfigen Sprint vor der Niederländerin Anna van der Breggen und der US-Amerikanerin Megan Guarnier durch. Die Österreicherinnen Martina Ritter und Sarah Rijkes gaben auf.

Die 27-jährige Armitstead war eine der Top-Favoritinnen in diesem Rennen. Sie wiederholte in dieser Saison ihren Sieg im Gesamtweltcup aus dem Vorjahr. Die französische Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prevot landete auf dem sechsten Platz. Beachtlich hielt sich Mountainbike-Spezialistin Jolanda Neff, die Schweizerin landete am Ende des Spitzenpulks wie drei Wochen davor im Cross-Country-WM-Rennen auf Platz neun.