Erstellt am 03. Juni 2015, 14:49

von APA Red

Rätselraten über Rücktritts-Motive von Blatter. Die Fußball-Welt rätselt weiter über die Rücktritts-Motive von FIFA-Präsident Joseph Blatter. Die UEFA zeigt sich von der überraschenden Ankündigung jedenfalls kalt erwischt.

 |  NOEN, APA (epa)

Mehrere mögliche Nachfolger bringen sich bereits in Stellung, UEFA-Präsident Michel Platini spielt auf Zeit. Blatter selbst arbeitet inzwischen weiter und wurde in der FIFA-Zentrale mit freundlichem Applaus bedacht.

DFB-Boss will "Prozess beschleunigen"

Die Mitglieder der Europäischen Fußball-Union werden sich nun doch nicht am Wochenende zu einer Sondersitzung in Berlin treffen.

"In den nächsten Wochen wird es weitere Gelegenheiten geben, sich zu treffen - und hoffentlich wird sich die Angelegenheit bis dahin erhellen", erklärte der Franzose und kündigte eine gemeinsame Position an. Ursprünglich hatten die Verbände der Europäischen Fußball-Union am Freitag oder Samstag in Berlin ihre Strategie beraten wollen.

Dabei sollte es auch um die Frage gehen, ob DFB-Chef Wolfgang Niersbach und andere europäische Funktionäre ihre Sitze im FIFA-Exekutivkomitee einnehmen sollen. Dass es bis zur Wahl eines Nachfolgers noch voraussichtlich bis zum Frühjahr dauern werde, sieht Niersbach als "äußerst problematisch": "Ich würde ganz klar dafür eintreten, diesen Prozess zu beschleunigen."

"Blick": "Liegt gegen ihn etwas Belastendes vor?"

Nachdem Blatter sich immer jeglicher Kritik widersetzt, sämtliche Krisen überstanden und am vergangenen Freitag die Wahl zum Chef des Weltverbandes erneut gewonnen hat, sind die Beweggründe für den freiwilligen Abschied unklar.

"Liegt gegen ihn etwas Belastendes vor? Oder reicht ihm die Wiederwahl von letzter Woche für sein Vermächtnis?", fragte das Blatter oft freundlich gesonnene Boulevardblatt "Blick" aus dessen Schweizer Heimat. Die Zeitung "New York Times" und der Sender ABC mutmaßen, dass der 79 Jahre alte Schweizer auf juristischen Druck - und eventuell sogar in einer Kurzschlussreaktion - agiert haben könnte.

Das FBI soll auch gegen ihn ermittelt haben, wie die "New York Times" unter Berufung auf Ermittler am Dienstag berichtet hatte. Die Zeitung hatte in der Vorwoche die Verhaftungen führender Fußball-Funktionäre als erste publik gemacht und den Anstoß zur Eskalation der massiven FIFA-Glaubwürdigkeitskrise kurz vor Blatters dennoch geglückter Wiederwahl am Freitag gegeben.

Auch der US-Fernsehsender ABC hat die - sofern korrekt - für Blatter verheerenden Informationen und beruft sich auf Personen, die mit dem Fall vertraut seien. Einzelheiten, was die Ermittlungen ergeben haben oder ob sie andauern, wurden nicht bekannt.

Blatter selbst nannte "tiefe Fürsorge für die FIFA"

Doch sogar aus dem Blatter-Umfeld kommen Andeutungen. Die amerikanische Nachrichtenagentur AP zitierte dessen langjährigen Freund, Walter Gagg: "Ich hatte ein sehr gutes Treffen mit ihm heute Früh. Dann kamen die anderen Informationen aus den USA mit diesem und jenem."

Blatter selbst hatte seine Demission so begründet: "Meine tiefe Fürsorge für die FIFA und ihre Interessen, die mir sehr am Herzen liegen, haben mich zu dieser Entscheidung bewegt." Seine Tochter Corinne gab sich beim britischen Sender BBC als treibende Kraft für die Meinungsänderung aus, um den Vater vor sich selbst zu schützen.

Blatter hat am Mittwoch wie gewöhnlich in der FIFA-Zentrale in Zürich gearbeitet. Bei einem Belegschaftstreffen wurde er von den Mitarbeitern mit freundlichem Applaus bedacht. Die Geschäfte liefen normal weiter, hieß es am Mittwoch aus Zürich. Der Präsident arbeite in seinem Büro. Medienvertreter hatten keinen Zutritt zum Gebäude auf dem Zürichberg. "Die Arbeit geht normal weiter. Die Vorbereitungen für die Frauen-WM und die WM-Auslosung laufen", hieß es.

An Blatters Reiseplänen habe sich nichts geändert, sagte Mediendirektor Walter de Gregorio. Der scheidende FIFA-Chef werde in den kommenden 15 Tagen nicht ins Ausland reisen. Dies war auch schon vor seiner Rücktrittsankündigung am Dienstagabend so geplant. Als Termine stehen für Blatter die Reisen zu den Endspielen der U20-WM in Neuseeland (20. Juni) und der Frauen-WM (5. Juli) in Kanada an.