Erstellt am 27. August 2014, 16:00

von APA/Red

Rapid vor HJK-Rückspiel am Scheideweg. Das 1:2 im Hinspiel war unglücklich, die Zuversicht bei Rapid ist vor dem Rückspiel gegen HJK Helsinki am Donnerstag (20.30 Uhr) im Happel-Stadion umso größer.

"Wir sind in richtig guter Form", sagte Trainer Zoran Barisic am Tag vor dem "sehr, sehr wichtigen Spiel", mit dem man den Einzug in die Gruppenphase der Europa League perfekt und den Saison-Stotterstart vergessen machen will.

Europa-League-Gruppenphase oder ein eher grauer Bundesliga-Herbst in einem zu großen Heimstadion. Rapid steht vor dem Duell mit dem finnischen Tabellenführer am Scheideweg. "Es ist die letzte Chance, dass wir etwas Großes erreichen können", erklärte Barisic, der vor einem nominell blassen Gegner einmal mehr warnte. "Mir kommt vor, dass gewisse Dinge schon selbstverständlich geworden sind, da fehlt vielleicht auch ein bisschen der Respekt", meinte der Wiener angesichts von vier EL-Gruppenphasenteilnahmen Rapids in den jüngsten fünf Jahren.

"Wir sind eine lebende Mannschaft"

Statistisch gesehen kann unter Berücksichtigung der jüngeren Vergangenheit auch heuer quasi nichts schief gehen. Schon 2012 waren die Hütteldorfer in der Europa-League-Quali nach 1:2-Auswärtsniederlagen gegen Vojvodina Novi Sad und PAOK Saloniki weitergekommen. "Wir haben einen Rückstand schon öfters aufgeholt", betonte Innenverteidiger Mario Sonnleitner auch unter Verweis auf das 2:2 am vergangenen Sonntag im Wiener Derby. Da hatte man sich zweimal zurückgekämpft. "Wir haben gegen die Austria gesehen, dass wir eine lebende Mannschaft sind", sagte der 27-jährige Routinier im Team.

Während die Hütteldorfer das 2:2 dank Aufholjagd zumindest als Teilerfolg werten durften, kassierte HJK im Spitzenspiel bei Seinäjoen eine 0:2-Pleite. Geschuldet war das aber wohl auch der Rotation, die Trainer Mika Lehkosuo seiner Truppe verordnet hatte: Im Vergleich zum 2:1 gegen Rapid war das Team beim Anpfiff an neun Positionen verändert. Und verändert werden sich die Finnen möglicherweise auch am Donnerstag präsentieren. Kehren doch der finnische Teamspieler Teemu Tainio und sein Kollege im zentralen Mittelfeld, Rasmus Schüller, wieder zurück. "Man kann vielleicht sagen, dass sie jetzt besser aufgestellt sind", meinte Barisic über "eine Mannschaft, die über viel Erfahrung verfügt".

"Wir wollen angriffslustig sein"

Erfahrung, die am Donnerstag aber "egal" sein müsse, wie der Coach betonte. Der Auftrag an sein Team ist klar. "Wir werden nicht kopflos nach vorne stürmen. Aber wir wollen agieren, angriffslustig sein", erklärte Barisic, dessen Team dank des Auswärtstreffers von Louis Schaub ein 1:0 schon reichen würde. Ein Sieg - der erst dritte in dieser Saison (inkl. Cup) bzw. der erste seit über einem Monat (1:0 gegen Ried am 26. Juli) - ist aber in jedem Fall vonnöten. Bitter, dass man zuletzt stets die mangelhafte Chancenauswertung als größtes Manko identifizierte.

Für Sonnleitner ist ein Sieg freilich alles andere als ein Ding der Unmöglichkeit. "Wir haben gesehen, dass wir HJK schlagen können. Es war nicht so schlecht, wie es dargestellt wurde", erinnerte er sich an die unnötige Auswärtsniederlage in der Vorwoche. "Wir haben das Spiel im Griff gehabt, aus drei Unachtsamkeiten haben wir zwei Tore bekommen."

Im Idealfall startet man ähnlich überfallsartig wie die Austria mit dem 1:0 im Derby nach nur 17 Sekunden. "Wir hoffen auf ein schnelles Führungstor, es kann aber natürlich ein Geduldsspiel werden", gab Barisic zu Protokoll. Der Optimismus ist trotz nur sechs Punkten aus ebenso vielen Bundesligaspielen groß. "Die Mannschaft ist in richtig guter Form. Der Assist von Schaub für Beric und die Flanke Schrammels zum 2:2 durch Schwab sind Dinge, die uns Mut machen."

"Der Druck ist immer da"

Zudem habe man gut regeneriert. "Wir werden ziemlich frisch in das Spiel gehen", sagte der Trainer, der aller Voraussicht nach auf Kapitän Steffen Hofmann zählen darf: "Er hat einige Schläge und Tritte abbekommen, wir gehen aber davon aus, dass er dabei ist." Wie schon im Derby nicht aus geht es sich hingegen für Christopher Dibon, der nach seiner im HJK-Hinspiel erlittenen Hüftprellung in der Innenverteidigung wohl wieder durch Maximilian Hofmann vertreten werden dürfte.

Druck will Barisic nicht mehr als sonst verspüren. "Der Druck ist immer da, den macht sich die Mannschaft selbst", erklärte er. Ob auch auf den Rängen des Happel-Ovals Druck gemacht wird, bleibt für die Mannschaft nur zu hoffen. Bis Donnerstagmittag waren rund 12.700 Karten abgesetzt, der Club rechnet mit 16.000 bis 17.000 Zuschauern.

So viele werden am Sonntag beim Heimspiel gegen den Tabellendritten Grödig wohl nicht kommen, die Woche könnte aber mit dem EL-Aufstieg und einem Sprung auf Platz drei der Bundesliga eine Krönung erfahren. Es ist das Platzen des Knotens, den mancher Rapid-Fan schon hoffnungsfroh vernimmt. Selbst im angegrauten Happel-Stadion hätte der Herbst dann wieder Charme.