Erstellt am 11. November 2015, 16:26

Rauball erwartet kein schnelles Ende in DFB-Krise. DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball erwartet kein schnelles Ende der aktuellen Krise des Deutschen Fußball-Bundes.

 |  NOEN, APA (AFP)

"Der DFB befindet sich derzeit in einer höchst problematischen Situation. Im Sinne unseres Sports gilt es daher, gemeinsam anzupacken", sagte der 68-jährige Ligapräsident der "Bild"-Zeitung (Mittwoch) und ergänzte: "Dafür wird deutlich mehr Zeit nötig sein, als erwartet wird."

Nach dem Rücktritt Wolfgang Niersbachs führt DFB-Vize Rauball gemeinsam mit seinem Kollegen Rainer Koch interimsmäßig den DFB. Als künftiger Verbandschef aber steht der Präsident des Bundesligisten Borussia Dortmund nicht zur Verfügung.

Aktuell gelten Koch und DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel als aussichtsreichste Bewerber um das vakante Amt in der Frankfurter Verbandszentrale. Dort verabschiedete sich am Mittwoch Niersbach zwei Tage nach seinem Rücktritt nach Informationen von in einer "hoch emotionalen Rede" von seinen Mitarbeitern.

Niersbach hatte die "politische Verantwortung" für den Skandal um die Vergabe der WM 2006 an Deutschland übernommen und am Montag seinen Rücktritt erklärt. Im Zusammenhang mit der Affäre und nach Berichten über eine mögliche Verwicklung Maltas untersuchte die Polizei laut Medien die Büros des Fußballverbands der Mittelmeerinsel.

Generalsekretär Bjorn Vassallo sagte der "Times of Malta" (Mittwoch), Beamte einer Einheit für Wirtschaftskriminalität hätten bereits am Montag die Archive nach Dokumenten durchforstet, die zur Aufklärung beitragen könnten.

Die britische Zeitung "The Mail on Sunday" hatte berichtet, sie habe Dokumente, die bewiesen, dass ein lukrativer TV-Deal während eines geheimen Treffens des früheren Verbandspräsidenten Joe Mifsud mit dem damaligen Bayern-Präsidenten Franz Beckenbauer im Jahr 2000 besiegelt wurde. Dabei ging es um die Fernsehrechte für ein Freundschaftsspiel zwischen Malta und den Bayern 2001.

Mifsud sagte, er könne sich nicht daran erinnern, ob Beckenbauer wirklich dabei war, als der TV-Vertrag zwischen dem maltesischen Verband und der Schweizer TV-Rechte-Agentur CWL im Juni 2000 in seinem Haus unterschrieben wurde. Mifsud soll beim FIFA-Votum für die Vergabe der WM an Deutschland gestimmt haben. Beckenbauer war damals Bayern-Präsident und zugleich Chef des Bewerbungskomitees.

Der ehemalige FIFA-Vizepräsident Jack Warner hat eine vertragliche Vereinbarung mit Franz Beckenbauer oder dem WM-OK vor der Vergabe der Fußball-WM 2006 dementiert. "Ich hatte mit niemandem aus Deutschlands Organisationskomitee für die WM 2006 irgendeine Vereinbarung", wurde Warner am Mittwoch bei Sport1 zitiert.

Tags zuvor hatte der Deutsche Fußball-Bund mitgeteilt, dass Franz Beckenbauer vier Tage vor Vergabe der WM 2006 eine vertragliche Vereinbarung mit dem Funktionär aus Trinidad und Tobago unterschrieben habe. In diesem Dokument seien der Konföderation des damals stimmberechtigten Exekutivmitglieds "diverse Leistungen" von deutscher Seite zugesagt worden wie Vereinbarungen über Spiele, Unterstützung von Trainern beim Kontinentalverband CONCACAF oder Ticketzusagen für WM-Spiele an Warner selbst.

Beckenbauer hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert, die Führung des DFB erwartet nun Aufklärung. "Man musste bislang den Eindruck gewinnen, dass er hätte mehr sagen können, als er getan hat", sagte DFB-Vizepräsident Peter Frymuth der "Rheinischen Post" (Mittwoch).

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef von Meister Bayern München, hat den DFB für dessen Umgang mit Beckenbauer getadelt. "Wenn ein Freund in schwierigen Zeiten steht, muss man ihm zur Seite stehen", sagte Rummenigge. "Ich verstehe, dass der DFB größtes Interesse haben muss, dass die ganze Angelegenheit aufgeklärt werden muss. Aber ich würde mir einen etwas sensibleren Umgang mit der Person Franz Beckenbauer wünschen, weil ich glaube, dass auch der DFB durchaus der Person viel zu verdanken hat", meinte der Bayern-Boss am Mittwoch.