Erstellt am 23. September 2014, 14:18

RBI droht 2014 eine halbe Milliarde Verlust. Die Raiffeisen Bank International (RBI) wird heuer erstmals in der Geschichte mit Verlust abschließen.

Bankchef Karl Sevelda nannte am Dienstag vor Journalisten eine sehr weite Bandbreite zwischen 50 und 500 Millionen Euro. Der Verlust werde aber "sicher nicht über 500 Millionen sein." Die genaue Höhe sei derzeit sehr schwer zu beziffern. Treiber sind die Ukraine und Ungarn.

Anleger geschockt

Die Verlustprognose von heute Nacht hat die Anleger geschockt, der Kurs brach zum Handelsstart zweistellig ein. Gegen 13.45 Uhr notierte die Aktie bei 17,5 Euro, ein Minus von 11,4 Prozent. Mitte August, als die Bank ihre Halbjahreszahlen vorlegte, war von einem Verlust 2014 noch keine Rede gewesen. Im September habe sich die Lage um Russland/Ukraine verschärft, so der Vorstand heute. Und aus Ungarn liegen jetzt die strengen Interpretationen der neuen Kreditgesetze vor.

Die Krise um die Ukraine lässt dort heuer die Kreditwertberichtigungen um gleich mehrere hundert Millionen in die Höhe schnellen. Im ersten halben Jahr hatte die RBI insgesamt erst knapp 600 Millionen für Kreditverluste gebucht. Wäre alles so weitergelaufen, wären es im Gesamtjahr 1,2 Mrd. Euro geworden. Nun sind im Gesamtjahr allerdings Vorsorgen und Abschreibungen auf faule Kredite - zusätzlich vornehmlich in der Ukraine - von bis zu 1,7 Mrd. Euro nötig. In der Ukraine blüht zudem eine Abschreibung der Marke Aval Bank und des dortigen Kundenstocks, was weitere rund 60 Mio. Euro kosten dürfte.

In Ungarn zwingt die dortige Regierung die Banken - darunter Raiffeisen - den Fremdwährungskreditnehmern Zinsen und Gebühren rückwirkend zu senken. Zigtausende Kreditfälle müssen laut RBI-Risikovorstand Johann Strobl neu berechnet werden. Für diese Kreditgesetze muss Raiffeisen heuer 240 Mio. Euro zurückstellen, rund hundert Millionen mehr als bisher angenommen.

Vorstandschef Sevelda glaubt indes, dass in Ungarn mittlerweile das Schlimmste vorbei ist. Mit der Übernahme der MKB von der Bayerischen Landesbank (BayernLB) sei mittlerweile mehr als die Hälfte des Bankensektors des Landes in ungarischer Hand.

Die heurige Verlustsituation kann nach Bankangaben noch dazu führen, dass latente Steuerforderungen in Österreich - die mit 197 Mio. Euro beziffert wurden - zumindest teilweise wertberichtigt werden müssen.

Zusammen mit erwarteten Abschreibungen auf Leasingaktivitäten in den Problemländern und anderen Einzelposten könnte so aus einem Konzerngewinn von 344 Mio. Euro vom ersten Halbjahr 2014 ein Verlust von bis zu einer halben Milliarde Euro im Gesamtjahr 2014 werden. Der Vorstand spricht dabei von Einmaleffekten, Druck von der EZB bzw. den Bilanzchecks und Stresstests wurde bestritten. 2015 sollte wieder ein Gewinn in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe drin sein, der aber ebenfalls noch von einer Normalsituation entfernt bleiben dürfte.

Im trotz der Sanktionen profitablen Bankgeschäft in Russland ist Raiffeisen etwas zurückgenommen unterwegs, so lange die politischen Unsicherheiten anhalten. Russland werde auch weiter einen sehr signifikanten Ergebnisbeitrag liefern, sagte Sevelda. Die Kreditvorsorgen werden dort zwar ansteigen, aber nicht dramatisch. Ein Grund dafür ist die Konjunkturabschwächung in dem großen Markt. Er wolle nicht sagen, dass die Sanktionen Raiffeisen gar nicht treffen würden, meinte Sevelda, die Auswirkungen seien bisher aber nur sehr gering. Lokal hat Raiffeisen in Russland rund 10,3 Mrd. Euro an Krediten verborgt.

Sevelda sieht seinen Konzern in den meisten Märkten in Osteuropa grundsätzlich sehr solide und diversifiziert aufgestellt. Die strategischen Pläne müssten nicht ad acta gelegt werden. Ungarn und die Ukraine waren schon voriges Jahr nicht mehr als Kernmärkte definiert. Dass die Russland/Ukraine-Krise, wenn sie anhält, die ganze Region in Mitleidenschaft ziehen könnte, schlägt sich in der RBI in der Rücknahme der mittelfristigen Renditeziele um einen Prozentpunkt nieder.

1.600 Jobs gestrichen

Die heurigen hohen Kreditverluste schlagen - ebenso wie die Währungsabwertungen in der Ukraine - auf das Kapital durch. Der Vorstand verteidigte trotzdem die jüngste Rückzahlung des Staatskapitals. Es wäre wegen der eingeschränkten Anrechenbarkeit immer weniger wert und im übrigen auch immer teurer geworden. Das Management ist auch überzeugt, den europäischen Stresstest zu bestehen. Spekulationen, wonach das laufende 600 Mio. Euro schwere Sparprogramm noch einmal verschärft werden muss, wurden heute nicht bestätigt. Das läge zwar auf der Hand, hieß es, aber man habe das mehrjährige Programm in den letzten Monaten bereits nach oben geschraubt. "Natürlich geht es weiter." Im ersten Halbjahr wurden konzernweit 1.600 Jobs gestrichen.

Kommt von der Aufsicht Grünes Licht für die Einstufung als "Kreditinstitutsgruppe", hilft das beim regulatorischen Kapital. Im wesentlichen hieße das, dass sich die RZB einen größeren Anteil am Kapital der Tochter RBI anrechnen lassen kann, was sich laut Insidern in einem Milliardenbetrag niederschlagen könnte. Den Verlust der RBI bekommen - durchgerechnet - die RZB-Aktionäre jedenfalls zu spüren. Die größte der Landesbanken, die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, hat heute ihre Anleiheinvestoren schon auf ein schlechteres Ergebnis eingestellt. Ebenso die Landesbank der Steiermark.