Erstellt am 24. August 2016, 12:35

Zahlungsmoral in Österreich noch weiter verbessert. Österreicher zahlen im internationalen Vergleich sehr schnell und die Zahlungsmoral hat sich zuletzt sogar noch weiter verbessert.

 |  APA (dpa)

Vor allem Privatpersonen begleichen ihre Rechnungen rasch, aber auch die öffentliche Hand überzieht ihr Zahlungsziel nur geringfügig, zeigt die Trendstudie zum Zahlungsverhalten des KSV1870, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Auch ist die Zufriedenheit der Unternehmen mit der Zahlungsmoral ihrer Kunden zuletzt noch gestiegen, zeigen die Ergebnisse der Umfrage unter 2.000 Firmen. Dennoch bleiben in Einzelfällen Zahlungsverzögerungen ein Problem, das manchmal auch existenzbedrohend sein kann. Die Erfahrung zeige auch, dass die Wahrscheinlichkeit, sein Geld zu sehen, mit jedem Tag nach der Fälligkeit rapide sinkt. Am Ende wird ein Viertel (28 Prozent) der überständigen Rechnungen zur Eintreibung an externe Spezialisten, insbesondere Inkassobüros oder Rechtsanwälte, übergeben. Obwohl Verzugszinsen vorgesehen sind, verzichten die Unternehmen bei zwei Drittel ihrer Forderungen darauf.

Privatpersonen haben im Schnitt ein Zahlungsziel von nur 14 Tagen und begleichen ihre Rechnungen im Schnitt nach 17 Tagen. 84,4 Prozent der Privatkunden zahlen pünktlich. Firmen gewähren einander hingegen 24 Tage Zeit und erhalten das Geld im Schnitt nach 29 Tagen, also fünf Tage zu spät. Fristgerecht kommt das Geld nur in drei von vier Fällen (76,1 Prozent).

Die öffentliche Hand hat grundsätzlich ein längeres Zahlungsziel, nämlich 28 Tage für Gemeinden und 32 Tage für Länder und Bund. Die Gemeinden zahlen nicht nur 82,1 Prozent ihrer Rechnungen pünktlich, sie überziehen auch nur um vier Tage und kommen daher mit einer Zahlungszeit von 32 Tage schon fast auf die Vorgabe des Bundesvergabegesetzes, dass die öffentliche Hand ihre Rechnungen innerhalb von 30 Tagen begleichen sollte. Länder (78,9 Prozent der Rechnungen pünktlich) und Bund (80,2 Prozent pünktlich) überziehen ihre Vorgaben um fünf Tage und brauchen damit im Schnitt 37 Tage, bis das Geld überwiesen ist - das ist mehr als doppelt so lange, wie Privatpersonen brauchen.

Wem 29 Tage für die Bezahlung von Firmenkunden lange vorkommt, kann sich mit einem Blick über die Grenzen von der guten Zahlungsmoral in Österreich überzeugen: In Italien liegt das Zahlungsziel für Firmen bei 48 Tagen, gezahlt wird im Schnitt erst nach 82 Tagen. Auch in Griechenland fließt das Geld im Schnitt erst nach zwei Monaten (59 Tage). Selbst in der Schweiz werden Firmenrechnungen erst nach 44 Tagen beglichen, obwohl das durchschnittliche Zahlungsziel bei 27 Tagen liegt, in Deutschland sind es 33 Tage, bei 22 Tagen Zahlungsziel, zeigt der Atradius Zahlungsbarometer.

"Die Wirtschaftslage in Österreich entspannt sich 2016 zusehends", schließt der KSV1870 aus seinem Trendbarometer, einer Umfrage unter 2.000 Firmen, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. 53,2 Prozent der Unternehmen erleben die eigene Geschäftslage als gut oder sehr gut - im Vorjahr waren es nur 46,4 Prozent. Nur mehr 10,1 Prozent sehen die Lage als schlecht an - nach 13,6 Prozent ein Jahr davor.

Fast die Hälfte (48,8 Prozent) der Unternehmen erwartet auch für die kommenden sechs Monate eine gute oder sehr gute Entwicklung - vor einem Jahr machten die Optimisten nur zwei Fünftel (39,1 Prozent) aus. Zwar habe sich die Verbesserung in der Stimmung von den kleinsten bis zu den größten Unternehmen durchgezogen - besonders freudig sehen aber die Großen in die nahe Zukunft.

Parallel dazu verbuchten mehr Firmen heuer steigende Umsätze. Auch hier ragen die Großfirmen mit mehr als 500 Mitarbeitern hervor. Von ihnen freuen sich heuer 41,2 Prozent über steigende Geschäftszahlen (plus 6,9 Prozent) und 58,8 Prozent über ein gleichbleibendes Geschäft. Rückläufige Umsätze meldete keines der beteiligten Großunternehmen.

Weitgehend unverändert zum Vorjahr blieb die Struktur des Umsatzes: 72,4 Prozent machten die Firmen mit anderen Firmen, 19,2 Prozent mit Privatkunden und 8,5 Prozent mit der öffentlichen Hand.