Erstellt am 04. Mai 2016, 18:25

Red Bull führt Servus TV weiter. Servus TV bleibt auf Sendung, hat Dietrich Mateschitz entschieden. Der Red-Bull-Boss ließ sich von Mitarbeitern, Gewerkschaft und Arbeiterkammer überzeugen, dass es keinen Betriebsrat geben wird.

 |  NOEN, APA

Und so machte er am Mittwoch die am Dienstag angekündigte Einstellung wieder rückgängig. Die Gewerkschaft reagierte hoch erfreut.

"Wirtschaftlich untragbar" sei ServusTV, hatte der Red-Bull-Konzern am Dienstag das Aus für den Sender begründet. Seit dem Start 2009 habe man Jahr für Jahr einen fast dreistelligen Millionenbetrag hineingepumpt, doch eine positive Entwicklung sei auch nach sieben Jahren nicht abzusehen. Daher gebiete es die "Sorgfaltspflicht eines ordentlichen Geschäftsmannes", einen Schlussstrich zu ziehen. Für 264 Mitarbeiter hieß das die Kündigung. Entsprechend fassungslos reagierte die Belegschaft.

Bald machte das Gerücht die Runde, dass nicht der mangelnde wirtschaftliche Erfolg, sondern eine geplante Betriebsratsgründung Matschitz zu diesem Schritt veranlasst habe. Dass in dieser Hinsicht etwas im Busch war, bestätigte er selbst: Per anonymem Mail, betrieben von Gewerkschaft und AK, seien die Mitarbeiter dazu befragt worden. Das würde aber den Sender, der auf den Grundpfeilern der Unabhängigkeit und Unbeeinflussbarkeit ruhe, beschädigen, argumentierte er. "Dass diese Vorgehensweise bei der Entscheidung in der aktuellen Situation nicht gerade dienlich war, ist evident."

Noch am Dienstag unterschrieben daraufhin über 200 Mitarbeiter einen Offenen Brief gegen einen Betriebsrat. "Die anonyme Umfrage über die mögliche Gründung eines Betriebsrates unterstützen wir - und das ist die überwältigende Mehrheit aller Mitarbeiter von ServusTV - ausdrücklich nicht", hieß es darin. "Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat."

Am Mittwoch traf der 71-jährige Mateschitz dann Gewerkschaft und Arbeiterkammer. Es sei ein "konstruktives Gespräch" gewesen, ließ der Konzern danach in einer Aussendung wissen. Er verwies auf den Mitarbeiterwillen contra Betriebsrat, und "im Gespräch mit AK und ÖGB wurde diese Haltung der Belegschaft respektiert und damit bestehende Vorbehalte beseitigt". Damit sei auch die "Fortsetzung der partei-politischen unabhängigen Linie" von "allen Beteiligten begrüßt" worden. Und dann folgten in der mit "Positive Wendung Servus TV" betitelten Aussendung die erlösenden Worte: "Red Bull führt daher den Sender weiter, und die Kündigungen werden zurückgenommen."

Die Gewerkschaft reagierte hoch erfreut. Gerald Forcher, Geschäftsführer der GPA-djp Salzburg, betonte, dass sich die GPA-djp nie in die inneren Angelegenheiten des Senders eingemischt habe. Die Frage, ob Mitarbeiter ihre innerbetrieblichen Mitwirkungsrechte wahrnehmen wollen, obliege ausschließlich ihnen selbst. "Diesbezüglich werden wir alle Entscheidungen akzeptieren."

Auch mit dem Rund-Mail habe man nichts zu tun gehabt. Die Gewerkschaft sei darüber informiert, dass es bei Servus TV Mitarbeiter gegeben habe, die eine Betriebsratswahl angedacht haben, erklärte Forcher im APA-Gespräch. "Es hat aber keine Einberufung für eine Betriebsversammlung gegeben. Es haben nur einige darüber nachgedacht, ob das sinnvoll wäre oder nicht." Der Salzburger Medienlandschaft seien nun jedenfalls "weitere Auseinandersetzungen und ein herber Verlust" erspart geblieben, so das erleichterte Fazit Forchers.