Erstellt am 11. März 2015, 11:15

von APA/Red

Red Bull setzt 2015 in Königsklasse komplett auf die Jugend. Red Bull setzt 2015 in der Formel-1-WM komplett auf die Jugend. Beim mehrfachen Weltmeisterteam Red Bull Racing wurde der 20-jährige Russe Daniil Kwjat als Nachfolger für Sebastian Vettel neben Daniel Ricciardo (25) geholt.

Das italienische Zweitteam Toro Rosso geht überhaupt mit zwei jungen Debütanten in die Saison. Der Spanier Carlos Sainz jr. ist 20, der Niederländer Max Verstappen erst 17.

Letzterer avanciert am Sonntag beim WM-Start in Melbourne zum jüngsten Formel-1-Piloten der Geschichte. Damit wird der am 30. September 1997 in Belgien geborene Niederländer den Spanier Jaime Alguersari (war beim Debüt für Toro Rosso 19 Jahre alt) und damit ebenfalls einen Red-Bull-Fahrer ablösen. Insgesamt sind die vier Piloten der beiden Teams von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz zusammen nur 14 Jahre älter als das McLaren-Duo Fernando Alonso (33) und Jenson Button (35).

"Jungbullen" entstammen dem Juniorenteam

Alle vier "Jungbullen" entstammen dem Motorsport-Juniorenteam das der Getränke-Konzern seit vielen Jahren unterhält, und aus dem es mittlerweile schon einige Piloten bis ganz nach oben geschafft haben. Vettel feierte seinen ersten GP-Sieg bei Toro Rosso und wurde danach mit der austro-englischen Equipe Red Bull Racing viermal in Folge Weltmeister.

Beide Toro-Rosso-Youngsters sind Söhne bekannter Motorsport-Väter. Verstappens Papa Jos war einst Teamkollege von Michael Schumacher in der Formel 1, Carlos Sainz sen. wurde in den 1990er-Jahren zweimal Rallye-Weltmeister und gewann 2010 die Dakar.

Mit Verstappen geht ein 17-jähriger Teenager an den Start, der noch kein eigenes Auto und noch keinen vollwertigen Führerschein besitzt. Zu Medienterminen musste ihn im vergangenen Herbst noch sein Vater fahren. Und "Boyracer" Verstappen wird wohl bis auf Weiteres der jüngste Formel-1-Pilot bleiben. Wegen ihm hat die FIA die Einführung eines Alterslimits von 18 Jahren für den Erhalt der Superlizenz sowie eines Punktesystems als Befähigungsnachweis auf 2016 verschoben.

"Jugendwahn" als Gefahr

Bei Red Bull ist man sich sicher, keinem "Jugendwahn" zu unterliegen. "Wir spielen nicht Lotto, wir wissen, was wir tun", hatte Motorsport-Berater Helmut Marko schon vergangenen September erklärt. Vielmehr verglich Marko den jungen Verstappen sogar mit Formel-1-Legende Ayrton Senna. Ein Vorschuss-Lob, das dem von der Formel 3 direkt in die Königsklasse aufgestiegenen Supertalent Verstappen nicht auf den Kopf fallen soll.

Denn der in Belgien geborene Youngster hat Motorsport im Blut. Auch Mama Sophie war eine schnelle Kart-Pilotin. "Es ist nett, wenn Herr Marko das sagt. Es erzeugt aber keinen zusätzlichen Druck", ging Verstappen jr. mit der Huldigung relativ gelassen um.

Wiewohl ihn die Diskussion über sein Alter offensichtlich ärgert. "Irgendwie kann ich die Reaktionen ja verstehen. Ich möchte versuchen, in den ersten Rennen keine Fehler und einen möglichst guten Job zu machen. Dann hört das Gerede über mein Alter rasch auf", hat sich Verstappen vorgenommen.

"Ich werde im Training ruhig los legen"

Zumindest bei den Winter-Testfahrten hat er bereits bewiesen, dass er reifer und erfahrener ist, als viele Beobachter von außen glauben. Für sein erstes Grand-Prix-Wochenende in Australien hat er sich bereits einen Plan zurechtgelegt. "Ich werde im Training ruhig los legen, im Qualifying zur Stelle sein und dann versuchen, im Rennen ins Ziel zu kommen. Hoffentlich in den Punkten." So oder so wird Verstappen alleine aufgrund seines Alters am Sonntag Geschichte schreiben.

Teamkollege Carlos Sainz schien nach dem Verstappen-Engagement den Sprung in die Formel 1 bereits verpasst zu haben, obwohl Verstappen in der Formel-3-EM nur Dritter geworden war, während er selbst als jüngster Pilot aller Zeiten die stärkere Renault-3.5-Serie gewonnen hatte. Und das mit einer Rekord-Anzahl an Poles und Siegen. Erst als Vettels Wechsel zu Ferrari fix war und Kwjat zu Red Bull Racing aufstieg, war aber auch für ihn der Weg zur STR frei.

"Es war wirklich hart, als Max bei Toro Rosso engagiert wurde und nicht ich", gestand der 20-Jährige, der weniger seinen berühmten Vater als vielmehr Fernando Alonso zum Vorbild hat. "Als ich neun oder zehn war, ist Fernando in Spanien gerade richtig groß geworden. Rallye habe ich hingegen nie wirklich geschaut", erklärte Sainz, warum er sich für den Straßenrennsport und nicht das Metier seines Vaters begeistert hat. "Papa hatte damit aber nie ein wirkliches Problem."

Foto mit Idol Alonso

Alonso habe ihm vergangenes Jahr auch versprochen, ein gemeinsames Foto zu twittern, wenn sie dereinst Rivalen in der Formel 1 sein würden, erzählte Sainz. Das fällt nun wegen Alonsos Unfallpause in Melbourne allerdings aus. "Aber ich werde schon bald die Gelegenheit bekommen, gegen mein einstiges Idol zu fahren", ist Sainz sicher.

Während Red Bull Racing mit Ricciardo und Kwjat in die bereits elfte Formel-1-Saison geht, peilt Toro Rosso mit den beiden WM-Debütanten Sainz und Verstappen 2015 Platz fünf in der Team-WM an. Ein hohes Ziel, das unter dem österreichischen Teamchef Franz Tost und mit dem STR10 erreicht werden soll. Auch Sainz ist zuversichtlich, weiß aber, was auf beide Fahrer zukommt. "Max und ich haben vom Team den gleichen Druck. Wir sind beide Neulinge, wir starten beide bei Null."