Erstellt am 06. September 2015, 09:46

von APA Red

"Refugees welcome" im ÖFB-Team. Was vor dem Fußball-EM-Qualifikationsspiel zwischen Österreich und Moldau im ausverkaufen Happel-Stadion als Schweigeminute für Flüchtlinge gedacht war, wurde zu einem sekundenlangen tosenden Applaus und damit zu einem Plädoyer für einen respektvollen Umgang mit notleidenden Menschen

 |  NOEN, APA

 Da war es stimmig, dass am Samstag ausgerechnet Zlatko Junuzovic das Tor zum 1:0-Sieg des ÖFB-Teams erzielte.

"Das passt zusammen", meinte der in der serbischen Stadt Loznica geborene Deutschland-Legionär, der als Vierjähriger mit seiner Familie vor dem Jugoslawien-Krieg nach Österreich fliehen musste. Angesichts der Flüchtlingsproblematik hatte die ÖFB-Auswahl beim Abschlusstraining am Freitagabend ein Transparent mit der Aufschrift "Respect Refugees" präsentiert.

Außerdem veröffentlichte die Nationalmannschaft eine Stellungnahme, in der es unter anderem hieß: "Die aktuelle Flüchtlingsthematik geht auch an uns Nationalspielern nicht spurlos vorbei. Wir haben selbst einige Spieler mit Migrationshintergrund im Team - und manche Eltern unserer Spieler sind als Flüchtlinge nach Österreich gekommen."

Erst am Donnerstag hatte sich Junuzovic selbst zur derzeitigen Situation geäußert. "Man muss helfen, wo man kann und sollte die Flüchtlinge willkommen heißen. Ihnen geht es wirklich schlecht, sie brauchen Unterstützung", sagte der Mittelfeldspieler.

Am Samstagabend sprach der 27-Jährige lieber über das Spiel gegen Moldau. "Es ist schön, dass wir gewonnen haben, das war mit Abstand das Wichtigste", meinte er angesichts des knappen Erfolgs. Bei seinem erlösenden Treffer profitierte der Ex-Austrianer von einem Fehler des Moldau-Goalies Ilie Cebanu. Schon davor hätte er die ÖFB-Elf bei zwei Chancen per Kopf in Führung bringen können. "Das war meine altbekannte Kopfballstärke", schmunzelte Junuzovic.

Das Goldtor gelang schließlich mit dem Fuß. "Da habe ich eine riesige Erleichterung gespürt", erklärte der Werder-Bremen-Profi, der mit der äußerst destruktiven Spielweise der Moldauer haderte. "Die waren mit elf Mann hinten, wollten nicht einmal kontern und haben von der ersten Minute an auf Zeit gespielt. Wie die hier gespielt haben, verstehe ich nicht."

Dennoch wurde der Abwehrriegel überwunden, womit Österreichs Team unmittelbar vor der EM-Teilnahme steht. Dass der Frankreich-Trip aufgrund der Niederlage der Schweden in Russland noch nicht endgültig fixiert ist, drückte ein wenig auf die Stimmung. "Jetzt nach dem Spiel fühlt sich alles ein bisschen komisch an. Vielleicht liegt es daran, dass wir ein bisschen gehofft haben, dass die Partie in Moskau anders ausgeht", vermutete Junuzovic.

Nach dem Schlusspfiff sei in der Mannschaftskabine eine Erleichterung spürbar gewesen. "Aber Freudenschreie hat es nicht gegeben", sagte Junuzovic. Die sollen am Dienstag nach der Partie gegen Schweden folgen - den Österreichern genügt in Solna schon ein Punkt, um den Gruppensieg und damit den EM-Startplatz zu holen. "Wir sind unserem Ziel wieder ein Stück näher gerückt und wollen jetzt in Schweden die nötigen Punkte machen", betonte der 41-fache Internationale nach seinem sechsten Team-Tor.