Erstellt am 18. Januar 2015, 16:29

Reichelt feierte in Wengen Abfahrts-Sieg. Das Warten hat sich gelohnt, vor allem für Hannes Reichelt. Der Salzburger hat bei Kaiserwetter den auf Sonntag verschobenen Abfahrts-Klassiker der alpinen Ski-Herren in Wengen gewonnen.

Reichelt siegte beim längsten Rennen des Weltcups vor einer wahren Schweizer Phalanx. Beat Feuz (+0,12 Sekunden), Carlo Janka (0,14) und Patrick Küng (0,80) folgten auf den Plätzen zwei, drei und vier.

Während Reichelt vor fast 30.000 Zuschauern für den ersten Saisonsieg der ÖSV-Abfahrer sorgte, musste sich der Norweger Kjetil Jansrud mit Rang fünf begnügen. Vor der Kitzbühel-Woche führt damit ÖSV-Star Marcel Hirscher im Gesamt-Weltcup 167 Punkte vor Jansrud.

Restliche Österreicher abgeschlagen

Die restlichen Österreicher schafften es nicht in die Top Ten. Georg Streitberger wurde 13., Max Franz folgte auf Rang 15. Der als Mitfavorit gehandelt gewesene Olympiasieger Matthias Mayer kam im oberen Teil in den "Tiefschnee", verlor dabei rund 1,5 Sekunden und musste sich mit Platz 22 begnügen.

Für Reichelt war sein neunter Weltcup-Erfolg fast ein Sieg mit Ansage. Schließlich hatte der Radstädter in den vergangenen drei Jahren bei der Lauberhorn-Abfahrt zweimal Rang zwei und einmal Platz drei belegt. "Ich liebe das Lauberhorn einfach. Diese Abfahrt kommt in meinem persönlichen Ranking gleich nach Kitzbühel auf Rang zwei", sagte der 34-Jährige, der nach Bormio 2012 und Kitzbühel 2014 den nächsten Triumph bei einem Abfahrts-Klassiker einfuhr.

Reichelt hatte im Vorfeld mit Verkühlung zu kämpfen

Dabei hatte es im Vorfeld des Rennens für Reichelt gar nicht gut ausgesehen. Eine hartnäckige Verkühlung hatte ihm das Leben schwer gemacht. Mit Inhalieren, Aspirin und Ingwer-Tee brachte sich Reichelt dann aber noch gut in Schuss. Dass das Rennen schließlich aufgrund der Wetterprognosen von Samstag auf Sonntag verschoben wurde, spielte Reichelt voll in die Karten.

Dennoch spürte der frisch gebackene Lauberhorn-König die Folgen der Verkühlung. "Normalerweise bin ich immer erst bei Seilersboden (1.500 m Seehöhe, Anm.) müde gewesen, diesmal war's schon bei Langentreien (1.800 m Seehöhe, Anm.) so weit. Da hab ich die Beine schon gewaltig gespürt", berichtete Reichelt.

Trotzdem hatte Reichelt noch genügend Kraft, um mit einem perfekten Ziel-S für die Entscheidung zu sorgen. "Mir ist die Fahrt bis dahin eher fehleranfällig vorgekommen. Deshalb hab ich im Ziel-S alles riskiert. Ich habe mir gedacht: 'Wenn ich schon müde bin, dann gehe ich mit fliegenden Fahnen unter und nicht als Schwitzer'. Und es ist perfekt aufgegangen", meinte Reichelt.

Lob der Schweizer Rennläufer

Dass Reichelt einen historischen Schweizer Erfolg verhinderte, tat den Eidgenossen doch sichtlich weh. Doch Feuz, Janka und Co. sahen in Reichelt einen mehr als verdienten Sieger. "Hannes war in den vergangenen Jahren hier immer extrem stark und hatte oft Hundertstelpech. Heute sind diese Hundertstel eben zurückgekommen", sagte Feuz.

Janka, der am Freitag in Wengen die Kombination gewann, vergab einen weiteren Wengen-Sieg mit einem verpatzten Brüggli-S. "Das Brüggli-S war heute leider nicht das Gelbe vom Ei. Dort hab ich den Sieg vergeben. Aber wir wollen in Kitzbühel zurückschlagen", kündigte "Jänks" an.

"Die Enttäuschung ist groß", gestand hingegen Mayer, der gleich im oberen Teil einen Schlag abbekam und im "Sulz" landete. "Ich hab mich eh gefragt, für was ich da überhaupt weiterfahre. Die Zeit war dahin. Aber die Abfahrt ist einfach so cool, da wollte ich fertigfahren", erklärte der 24-Jährige.

Das Rennen war nicht nur aufgrund der fast 4,5 km langen Strecke ein echter Marathon. Es dauerte 2:45 Stunden, bis alle 55 Piloten im Ziel waren. Einige Stürze und vor allem ein Problem mit dem Juryfunk hatten für zahlreiche Verzögerungen gesorgt.

Dabei ist das Programm der Abfahrer ohnehin bereits dicht genug. "Heimfahren, Wäsche waschen und weiter geht's in Kitzbühel", umschrieb Max Franz die stressigen kommenden Stunden. Schließlich steht bereits am Dienstag das erste Training in Kitzbühel auf dem Programm.