Erstellt am 28. Juli 2014, 10:40

Ricciardo und Hamilton bei Ungarn-Krimi im Aufwind. Die Formel 1 hat sich mit einem Paukenschlag in die Sommerferien verabschiedet.

Der Action-Krimi von Budapest bietet genug Diskussionsstoff für die vier Wochen bis zum nächsten Grand Prix am 24. Juli in Belgien. Der große Sieger vom Hungaroring war Daniel Ricciardo, der 25-jährige Australier stellt bei Red Bull Vierfachweltmeister Sebastian Vettel zunehmend in den Schatten.

Aber auch das ohnehin bereits dramatische Titelduell der Mercedes-Rivalen hat in Ungarn noch einmal zusätzliche Würze erhalten. Lewis Hamilton zeigte einmal mehr eine famose Aufholjagd. Der Brite fuhr nach Start in der Boxengasse noch auf Rang drei und verkürzte seinen Rückstand auf Nico Rosberg auf elf Zähler. Denn der deutsche WM-Leader musste sich trotz Pole Position mit Rang vier begnügen.

Teamorder sorgte für Zündstoff

Für Zündstoff im Mercedes-Team sorgte vor allem eine Teamorder, die Hamilton allerdings nicht befolgte. Die Teamspitze hatte Hamilton via Funk aufgefordert, aus taktischen Gründen den dahinter liegenden Rosberg passieren zu lassen.

Mit etwas Abstand zum Rennen musste sich Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff eingestehen, dass man es spätestens ab jetzt nicht mehr mit Teamplayern, sondern mit Einzelkämpfern zu tun hat. "Was zu Saisonbeginn gegolten hat, funktioniert jetzt offensichtlich nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt der WM können wir von den Fahrern anscheinend nicht mehr verlangen, ihren Vorteil im Sinne des Teams aufzugeben", sagte der Wiener.

Wolff kündigte ein klärendes Gespräch an, in dem die weitere Marschroute festgelegt werde. "Je näher das WM-Ende rückt, umso intensiver wird die Angelegenheit. Wir müssen uns zusammensetzen und diskutieren." Negative Folgen für den Kampf um die Konstrukteurs-WM haben die Silberpfeile wohl nicht zu befürchten, der Vorsprung auf Red Bull beträgt 174 Punkte.

Ricciardo feierte nach Kanada seinen zweiten Saisonsieg

Der Neo-"Bulle" ist damit weiter der einzige Nicht-Mercedes-Pilot, der in der laufenden WM gewonnen hat. Auf die Feststellung eines Journalisten, dass er der einzige "Mercedes-Zerstörer" in dieser Saison sei, antwortete Ricciardo grinsend: "Gut, irgendjemand muss den Job ja machen." Großes Lob gab's auch von Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko: "Das war sensationell von Ricciardo."

Dass er nun sogar noch in den Titelkampf eingreifen kann, glaubt der Pilot aus Perth nicht. Ricciardo wusste, dass sein Sieg auch dem turbulenten Rennverlauf zu verdanken war. "Wenn man es realistisch betrachtet, dann ist der Rückstand zu groß. Denn bei normalen Bedingungen ist Mercedes dominant", sagte Ricciardo, der als WM-Dritter 71 Punkte hinter Rosberg liegt. Da nun die Sommerpause ansteht, wird Ricciardo seinen Sieg ausgiebig auskosten: "Ich werde jetzt definitiv ein paar Tage Party machen."

Vettel, der im Qualifying den verheißungsvollen zweiten Startplatz herausgefahren hatte, erlebt hingegen eine Saison zum Vergessen. Nach Platz sieben verließ der Titelverteidiger auch Budapest frustriert. "So ist das manchmal. Es war einfach die Frage, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Es war eine Frage des Glücks", sagte Vettel, der im Gegensatz zu Ricciardo oder Hamilton in den Safety-Car-Phasen eben nicht am richtigen Ort war, um rasch die Reifen zu wechseln.

Zu allem Überfluss beklagte Vettel einen schweren Patzer seiner Ingenieure, die ihm beim Neustart eine falsche Motoreneinstellung übermittelt hatten. "Das haben wir klasse hinbekommen. Das war grandios", meinte der verärgerte 27-Jährige, der 43 Punkte weniger als Ricciardo auf dem Konto hat.