Erstellt am 21. Juli 2016, 21:58

Olympia-Ausschluss russischer Leichtathleten ist fix. Der Olympia-Ausschluss der russischen Leichtathleten wegen massiver Dopingvergehen bleibt aufrecht.

Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) wies am Donnerstag den Einspruch von 68 Athleten und des Nationalen Olympischen Komitees Russlands (ROC) gegen das vom Leichtathletik-Weltverband (IAAF) im Juni verlängerte Teilnahmeverbot an internationalen Wettkämpfen zurück.

Der CAS bestätigte in seinem Urteil, dass die Entscheidung der IAAF regelkonform war und stellte fest, dass das ROC keine Leichtathleten für die Rio-Spiele nominieren darf. Die IAAF hatte Russlands Leichtathletikverband am 13. November 2015 wegen umfassenden Dopings suspendiert und die Sperre für internationale Wettkämpfe am 17. Juni über die Rio-Spiele hinaus verlängert.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur begrüßte den Olympia-Ausschluss der russischen Leichtathleten durch den CAS. "Die WADA glaubt fest daran, dass es nicht darum geht, einige Athleten für die Handlungen anderer zu bestrafen", erklärte WADA-Präsident Craig Reedie in einer Mitteilung am Donnerstag.

Es gehe viel mehr darum, dass der Leichtathletik-Weltverband IAAF den russischen Verband dazu bringen wolle, sich an den Welt-Anti-Doping-Code zu halten und die Regeln effektiv in seine Rechtsprechung einzubringen. Es sei entscheidend, die Chancengleichheit für alle Sportler sicherzustellen, betonte Reedie.

Es sei nun am Internationalen Olympischen Komitee und den anderen internationalen Fachverbänden, in den Beziehungen zu Russland ihrer Verantwortung unter dem Welt-Anti-Doping-Code gerecht zu werden, hieß es in der Erklärung.

Aus Russland kamen erwartungsgemäß nur kritische Reaktionen auf das CAS-Urteil. Sportminister Witali Mutko zu weiteren Gerichtsverfahren aufgerufen. "Es ist Zeit, sogar ein Zivilgericht anzurufen", sagte Mutko am Donnerstag in Moskau. Die CAS-Entscheidung verletze das Recht der "sauberen" und redlichen Sportler und schaffe einen Präzedenzfall kollektiver Verantwortung, sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Seinen Rücktritt lehnt Mutko ab. "Ich diene dem Staat", betonte er. Über seine mögliche Entlassung müssten der Regierungschef und der Präsident entscheiden. Vor allem der jüngste Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) über Staatsdoping hatte Spekulationen ausgelöst, ob Mutko im Amt bleiben kann. Der Minister kündigte die Gründung einer Kommission an, um den Bericht zu prüfen.

Das russische Außenministerium kritisierte die CAS-Entscheidung als "Verbrechen gegen den Sport". Russland hält den Ausschluss russischer Athleten von den Sommerspielen im August in Rio de Janeiro für politisch motiviert. Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa drohte mit "Folgen" für die "Verantwortlichen dieser Kampagne". Damit spielte sie vermutlich auf den Whistleblower Grigori Rodschenkow an, der als Ex-Funktionär über systematisches Doping berichtet hatte. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, dass ein möglicher Boykott der Spiele nicht erwogen werde. Auch er wies das Urteil als Kollektivstrafe zurück.

Stabhochsprung-Star Jelena Isinbajewa reagierte ausgesprochen gallig auf die Entscheidung. "Die "sauberen" ausländischen Sportler werden erleichtert aufatmen und in unserer Abwesenheit ihre pseudogoldenen Medaillen gewinnen", teilte die 34 Jahre alte Doppel-Olympiasiegerin voller Ironie mit. Sie hoffe nun auf IOC-Chef Thomas Bach.

Die IAAF begrüßte dagegen die Entscheidung: "Das Urteil hat gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Sportler geschaffen." Es stärke die Rechte der IAAF, "ihre Gesetze zum Schutz des Sports und zum Schutz der sauberen Sportler anzuwenden und damit die Glaubwürdigkeit und Integrität der Wettbewerbe zu schützen".

Dennoch sei dies "kein Tag für triumphale Verkündungen", meinte IAAF-Präsident Sebastian Coe. "Ich bin nicht zur Leichtathletik gekommen, um Athleten von Wettkämpfen auszuschließen", versicherte der Engländer. "Der ureigenste Wunsch unseres Verbandes ist es einzubinden - nicht auszuschließen."

Der Weltverband ließ die Tür zu Olympia für russische Leichtathleten aber ohnehin offen. Jene, die nachweislich nicht in das Doping-System in ihrer Heimat involviert waren, können Sonderstartrechte beantragen. Bisher wurde ein solches zwei Athletinnen erteilt: 800-Meter-Läuferin Julia Stepanowa, Kronzeugin des umfassenden Sportbetrugs in ihrer Heimat, und Weitspringerin Darja Klischina, die in Florida lebt, erhielten die Genehmigung. Ob sie bei Olympia antreten werden, ist offen.

Unabhängig davon wird das IOC das CAS-Urteil bei der Entscheidung über einen Ausschluss aller Russen von den Rio-Spielen berücksichtigen. Das IOC kündigte in einer schriftlichen Stellungnahme an, dass man die CAS-Entscheidung zur Kenntnis nehme und die Urteilsbegründung studieren und analysieren werde. Grundlage für eine Sanktionierung wird aber vor allem der Bericht von Richard McLaren sein, der im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) die Doping-Anschuldigungen in Russland untersuchte.

In dem WADA-Bericht wurde nicht nur festgestellt, dass auf Anordnung staatlicher Behörden im Kontrolllabor bei den Winterspielen 2014 in Sotschi positive Doping-Proben von russischen Athleten vertauscht und verfälscht worden waren. Zwischen 2012 und 2015 sind laut McLaren zudem 643 positive Proben russischer und ausländischer Sportler in rund 30 Sportarten aussortiert worden. Außerdem sollen Doping-Proben von der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau und der Schwimm-WM 2015 in Kasan manipuliert worden sein.

Ein Komplettausschluss Russlands von Olympia hat viele Befürworter, so forderten 14 Nationale Anti-Doping-Organisationen in einem offenen Brief an IOC-Präsident Thomas Bach genau das. Es gibt aber auch Athleten und Verbände, die eine pauschale Verurteilung ablehnen. Auch ein Teilausschluss in nachweislich von systematischen Dopingpraktiken betroffenen Sportarten wird als Möglichkeit angeführt. Hierfür könnten anstelle des IOC nach dem Muster der IAAF die jeweiligen Dachorganisationen den nationalen russischen Verband sperren.

Als erster Weltverband ruft der Judo-Weltverband IJF zur Unterstützung der russischen Athleten auf. "Nach der Veröffentlichung des Mc-Laren-Berichts und den jüngsten Entwicklungen in der Welt des Sports wollen wir den russischen Athleten unsere Unterstützung aussprechen, die nicht an Doping-Aktivitäten beteiligt sind", sagte Marius Vizer, der Präsident der IJF.

"Wir unterstützen alle sauberen Athleten und hoffen, dass sie in Rio anwesend sein werden. (...) Der russische Verband ist ein wichtiges Mitglied der IJF und trägt zur Entwicklung unseres Sports bei. Der russische Judosport spielt eine große Rolle in der Geschichte unseres Sports", meinte er.