Erstellt am 07. August 2014, 11:27

Russlands Einfuhrstopp führt zu Kritik in der EU. Das nun konkret von Russland als Gegenmaßnahme zu den Sanktionen des Westens gegen die EU und USA verhängte Importverbot für einen beträchtlichen Teil von Lebensmitteln sorgt in der Europäischen Union für Unsicherheit und Kritik.

Griechenlands Obst- und Gemüseexporteure fürchten dramatische Verluste für diesen wichtigen Wirtschaftsbereich. Deutschland hält die Auswirkungen für überschaubar. Japan hat das Einfuhrverbot kritisiert. Russland sollte lieber konstruktive Schritte unternehmen, erklärte Regierungssprecher Yoshihide Suga am Donnerstag in Tokio. Der russische Wirtschaftswissenschafter Sergej Sutyrin erwartet "äußerst schmerzhafte" Folgen für beide Seiten. Die EU verliere viele Milliarden Euro aus dem Obst- und Gemüsehandel mit Russland, die USA müssten auf einen lukrativen Markt für Rindfleisch und Geflügel verzichten.

In Griechenland erklärte der Sprecher des Verbands der Obst- und Gemüseexporteure, Giorgos Polychronakis, der Beschluss des russischen Präsidenten Wladimir Putin bedeute "das Ende für die diesjährigen Gemüse- und Obstexporte Griechenlands nach Russland". Sein Wirtschaftsbereich erwarte nun dringend Entschädigungen seitens der EU. "Es geht um 600.000 Tonnen (Gemüse und Obst), die nicht nach Russland exportiert werden können", sagte er weiter. Andere Länder außerhalb der EU würden bereits im russischen Markt einspringen, hieß es. Griechenland exportierte 2013 hauptsächlich Pfirsiche, Erdbeeren und andere Früchte nach Russland.

Zehn Prozent des Agrarimports betroffen

Der Moskauer Analyst Dmitri Polewoj sprach von einer "Schocktherapie" für die russische Lebensmittelbranche. "Das Verbot betrifft zehn Prozent des Agrarimports, die jetzt schnell ersetzt werden müssen", betonte er. Russische Medien werteten die Strafmaßnahmen aber auch als Chance für die heimische Industrie. "Das Verbot kann der Lebensmittelbranche endlich jenen Impuls verleihen, den sie für eine stärkere Entwicklung braucht", kommentierte die Zeitung "Wedomosti".

Die russische Regierung veröffentlichte am Donnerstag eine Liste der Produkte, die "verboten oder begrenzt" würden. Betroffen sind Milchprodukte, Fleisch, Obst und Gemüse. Putin hatte die Sanktionen am Mittwoch verhängt. Er reagiert damit auf Strafmaßnahmen des Westens. Die EU und die USA werfen Russland vor, nichts zur Entspannung der Lage in der Ukraine zu unternehmen. Sie hatten deshalb vor kurzem russische Wirtschaftszweige mit Sanktionen belegt.

In Deutschland erklärte Unionsfraktionsvize Michael Fuchs, er halte negative Auswirkungen der gegen Russland verhängten Sanktionen für die deutsche Wirtschaft für überschaubar. Zwar gebe es deswegen Probleme, aber "das ist nicht so dramatisch, dass die deutsche Wirtschaft daran in Schwäche kommen würde, dass man von einem Abschwung sprechen kann", sagte der Wirtschaftspolitiker am Donnerstag. Er wandte sich dagegen, "dass wir jetzt zu sehr in Pessimismus machen".

Tschechien befürchtet hingegen "ernste Probleme" für seine Agrar- und Nahrungsmittelproduzenten in Folge der Einfuhrverbote. Landwirtschaftsminister Marian Jurecka stellte deswegen einen "starken Interventionsmechanismus" in Aussicht, um den Bauern zu helfen. Jurecka und der Chef der tschechischen Agrarkammer, Jan Veleba, rechnen vor allem mit indirekten Auswirkungen des russischen Embargos. "Sobald die EU-Staaten ihre Produkte nicht nach Russland exportieren dürfen, wird auf dem EU-Binnenmarkt ein Überdruck entstehen, der zu einem spürbaren Preisverfall bei einigen Produkten führen wird", sagte Jurecka.