Erstellt am 10. Februar 2016, 06:19

Sanders und Trump gewannen in New Hampshire. Der Unmut in den USA über das Establishment in Washington hat sich bei der zweiten Vorwahl im Bundesstaat New Hampshire Bahn gebrochen: Bei den Republikanern siegte der rechtspopulistische Geschäftsmann Donald Trump, bei den Demokraten der linke Senator Bernie Sanders.

 |  NOEN, APA (Getty)

Beide Präsidentschaftsbewerber geben sich als Außenseiter, die es mit den Eliten in den Vereinigten Staaten aufnehmen wollen.

Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale am Dienstagabend (Ortszeit) verkündeten die US-Fernsehsender die Erfolge von Trump und Sanders in dem nordöstlichen Bundesstaat. Nach Auszählung von gut der Hälfte der Stimmbezirke kam der Senator bei der Vorwahl der Demokraten auf 59 Prozent. Die frühere Außenministerin Hillary Clinton, die den Vorwahlauftakt vor einer Woche in Iowa noch hauchdünn für sich entschieden hatte, lag bei 39 Prozent.

Bei den Republikanern holte Trump den Teilergebnissen zufolge gut 34 Prozent. Überraschend stark schnitt Ohios Gouverneur John Kasich ab, der mit 16 Prozent den zweiten Platz ansteuerte. Kasich präsentiert sich als gemäßigter Konservativer, der das Budget sanieren und die Gräben zwischen den politischen Lagern in Washington zuschütten möchte.

Um den dritten Platz rangen der erzkonservative Senator Ted Cruz mit 11,6 Prozent und Floridas Ex-Gouverneur Jeb Bush mit 11,2 Prozent. Cruz hatte vor einer Woche die erste Vorwahl gewonnen. Die Wählerschaft in New Hampshire gilt allerdings als weniger konservativ als in Iowa. Vor allem die evangelikalen Christen, unter denen Cruz viele Unterstützer hat, spielen hier eine geringere Rolle.

Der Senator Marco Rubio lag den Teilergebnissen zufolge bei rund zehn Prozent und musste damit einen Rückschlag hinnehmen. In Iowa hatte Rubio mit gut 23 Prozent noch den dritten Platz belegt. New Jerseys Gouverneur Chris Christie holte in New Hampshire knapp acht Prozent, die Ex-Managerin Carly Fiorina gut vier Prozent und der frühere Neurochirurg Ben Carson etwa zwei Prozent.

"Es ist einfach zu spät für die gleiche alte Establishment-Politik und Establishment-Wirtschaft", sagte Sanders in seiner Siegesrede. "Die Leute wollen echte Veränderungen."

Der 74-jährige selbst erklärte "demokratische Sozialist" kommt mit seiner Forderung nach einer gerechteren Einkommensverteilung vor allem bei jungen Wählern gut an. Angesichts des Einflusses reicher Wahlkampfspender in den USA will Sanders eine "politische Revolution" erreichen, um die Demokratie wieder in die Hände der Bevölkerung zu legen, wie er sagt.

Clinton räumte ihre Niederlage ein und sieht ihren Favoritenstatus zunehmend bröckeln. "Ich weiß, ich habe einiges zu tun, vor allem bei jungen Menschen", sagte die ehemalige First Lady und gab sich kämpferisch: "Jetzt werden wir diese Kampagne in das ganze Land tragen. Wir werden um jede Stimme in jedem Bundesstaat kämpfen."

Clintons Wahlkampfmanager Robby Mook richtete den Blick auf die nächsten Vorwahlen in South Carolina und in Nevada. Außerdem werde im März in einer Reihe von weniger ländlich geprägten Bundesstaaten abgestimmt, die stärker die "Vielfältigkeit" der Demokratischen Partei widerspiegeln. "Die Nominierung wird sehr wahrscheinlich im März gewonnen werden, nicht im Februar", erklärte Mook.

Trump zeigte in New Hampshire anders als in Iowa, dass er seinen Vorsprung in Umfragen auch in einen Wahlsieg ummünzen kann. "Wow, so schön", sagte er vor Anhänger. "Wir werden Amerika wieder so großartig machen, vielleicht großartiger als je zuvor."

Der Immobilientycoon bekräftigte seinen Plan, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen. Zugleich warnte er, dass Sanders "unser Land verschenken" werde. "Das werden wir nicht zulassen."

New Hampshire ist erst die zweite Station der Vorwahlen, mit deren Hilfe die US-Parteien ihre Kandidaten für die Wahl des Präsidenten am 8. November bestimmen. Zwar stellt der Bundesstaat mit etwa 1,3 Millionen Einwohnern - etwa so viele wie München - nur wenige Delegierte bei den Parteitagen im Sommer. Allerdings werden hier oft Vorentscheidungen getroffen: Wer bereits bei den ersten beiden Stationen schlecht abschneidet, bricht oft seinen Wahlkampf ab.

Beide Parteien befinden in allen 50 Bundesstaaten über ihre Kandidaten, die im Juli offiziell gekürt werden. Die Präsidentschaftswahl findet am 8. November statt. Präsident Barack Obama von den Demokraten darf nach zwei Amtsperioden nicht erneut antreten.