Erstellt am 13. August 2014, 14:12

Sanel Kuljic im Wettskandal-Prozess befragt. Am Mittwoch ist im Grazer Straflandesgericht der Prozess um den größten österreichischen Wettbetrug fortgesetzt worden.

Diesmal wurde Ex-Bundesliga-Spieler Sanel Kuljic befragt. Er wird zusammen mit vier Fußballer-Kollegen und fünf weiteren Personen beschuldigt, 18 Spiele zumindest versuchsweise manipuliert zu haben. Kuljic gab nur die Beteiligungen an drei Manipulationen zu, den Rest leugnete er.

Sanel Kuljic ist eine der Schlüsselfiguren in diesem Prozess. Er hat von den fünf beschuldigten Fußball-Profis mit Abstand am meisten verdient und war auch Spieler der österreichischen Nationalmannschaft. Der 37-Jährige soll laut Anklage an der Manipulation von zehn Matches beteiligt gewesen sein, teilweise als Spieler, teilweise soll er nur Abläufe organisiert haben. Angeklagt ist in seinem Fall auch Erpressung und Nötigung, soll er doch Dominique Taboga immer wieder zum Weitermachen gezwungen haben. Taboga ging deswegen schließlich zur Polizei und packte aus, wodurch die ganze Sache im Vorjahr aufflog.

Kuljic von anderen Spielern massiv belastet

Schuldig fühlte er sich aber nur zum Teil, erklärte er gleich zu Beginn Richterin Elisabeth Juschitz. Bei drei Spielen will er an Manipulationen beteiligt gewesen sein, den Rest leugnete er ebenso wie die Erpressung und die Nötigung. Von Absprachen mit Kollegen wollte er zumindest bei den meisten Spielen nichts wissen. Sein Kollege L., der ebenfalls angeklagt ist und auch Taboga zu den Manipulationen überredet haben soll, habe zu ihm nur gesagt, er solle "schnell rennen und Gas geben, damit wir gewinnen", schilderte Kuljic. "Dafür brauche ich den aber nicht, das sagt mir der Trainer und das sollte das grundsätzliche Bestreben sein", meinte die Richterin. Immerhin gab er im Fall eines Spieles SV Kapfenberg gegen Red Bull Salzburg im Jahr 2012 zu, dass es im Vorfeld eine Absprache gegeben habe und das Ergebnis dann auch wunschgemäß - 1:0-Auswärtssieg von Salzburg - ausgegangen war.

Taboga und die anderen Spieler haben Kuljic bisher allerdings massiv belastet, er soll maßgeblich an den Manipulationen beteiligt gewesen sein und auch kassiert haben. Kuljic bestritt das. "Ich habe keine finanziellen Probleme gehabt", meinte er und verwies unter anderem auf eine Sonderzahlung von 175.000 Euro, die er am Anfang einfach "vergessen" habe zu erwähnen. Trotzdem konfrontierte ihn die Richterin mit zahlreichen Exekutionen, die gegen ihn geführt worden waren. Er gab zu, dass er gelegentlich gespielt habe "im Casino oder Poker auf Trainingslagern", von Spielsucht wollte er aber nichts wissen. "Das haben immer nur die Medien verbreitet", erklärte er. "Sie sollen jetzt im Häf'n auch spielen?`", hakte die Richterin nach. "Das Gerücht gibt es. Was mache ich denn sonst noch?", fragte Kuljic unbeeindruckt.

"Initiative ist von Taboga ausgegangen"

Kuljic bestätigte, dass es vor einem der Spiele ein Treffen in seiner Wohnung gegeben habe. Er bekam dabei 5.000 Euro, obwohl er nicht einmal gespielt hat. "Sie haben ja gar nichts gemacht", wunderte sich Richterin Elisabeth Juschitz. Nach einigem Hin und Her kam die überraschende Antwort: "Ich hab' das bei meiner Einvernahme nur gesagt, weil mich die Staatsanwältin ausgelacht hat", so die interessante Variante, die bisher keiner gehört hatte. "Und was habe ich gemacht, dass Sie mir das jetzt noch einmal erzählen?", fragte die Richterin. "Es ist wichtig, dass es berichtigt wird", versuchte der Angeklagte, die Kurve zu bekommen. "Haben Sie jetzt Geld bekommen, ja oder nein?", zeigte sich die Richterin schon etwas ungehalten. Kuljic: "Nein."

"Wer hatte denn die Idee?", wollte Juschitz wissen. "Ich glaube, die Initiative ist von Taboga ausgegangen, aber ich will niemanden beschuldigen", antwortete Kuljic. Taboga hatte seinerseits angegeben, die Erpressung von Kuljic habe dazu geführt, dass er letztendlich zur Polizei gegangen ist. "Warum haben Sie denn an den Manipulationen teilgenommen?", fragte die Richterin. "Weil ich helfen wollte", so Kuljic. "Wenn ich Sie mir so anschaue in den letzten Tagen, ist von Herzlichkeit zwischen Ihnen aber nichts zu spüren", stellte die Richterin trocken fest.