Erstellt am 23. Januar 2015, 11:20

Saudi-Arabiens König Abdullah gestorben. König Abdullah von Saudi-Arabien ist tot. Er starb im Alter von 90 Jahren, berichtete das nationale Fernsehen in der Nacht auf Freitag.

Abdullah war vor wenigen Wochen mit einer Lungeninfektion ins Krankenhaus gebracht worden. Zu seinem Nachfolger wurde sein Bruder, Kronprinz Salman (79), ernannt. In seiner ersten Rede an die Nation kündigte er ein Festhalten am Kurs seiner Vorgänger an.

"Wir werden mit Gottes Hilfe den geradlinigen Weg fortsetzen, den dieses Land seit seiner Gründung durch König Abdulaziz beschritten hat", erklärte Salman in seiner vom staatlichen Fernsehen übertragenen Rede. Die arabischen und muslimischen Staaten bräuchten dringend Einheit und Solidarität. Saudi-Arabien werde weiterhin jeden Schritt unternehmen, um die Reihen zu schließen und das Land zu verteidigen.

Thron vor zehn Jahren bestiegen

Die Ansprache nährte Zweifel am Gesundheitszustand des neuen Regenten. Seit längerem gibt es Gerüchte, Salman sei an Demenz erkrankt. Bei seinem TV-Auftritt sprach er atemlos und mit schwacher Stimme. Er war nur schwer zu verstehen. Zudem ernannte Salman per Dekret Innenminister Mohammed bin Nayef zum stellvertretenden Kronprinzen hinter dem neuen Kronprinzen Muqrin.

Abdullah hatte die Geschicke des weltgrößten Erdölexporteurs zwei Jahrzehnte lang bestimmt. Zehn Jahre lang war er Regent unter seinem Bruder König Fahd, als dieser einen Schlaganfall erlitten hatte. Nach dessen Tod bestieg Abdullah bereits über 80-jährig im August 2005 den saudischen Thron.

Abdullah bin Abdulaziz Al-Saud gehörte zu den beliebtesten Monarchen in der Geschichte des islamischen Königreichs. Seine Popularität dürfte dazu beigetragen haben, dass es während des Arabischen Frühlings 2011 in Saudi-Arabien nur wenige Protestaktionen gab. Beobachter befürchten, dass es nach seinem Tod zu einem Machtvakuum in Saudi-Arabien kommen könnte.

Enge Partnerschaft mit USA

US-Präsident Barack Obama erklärte, ein Vermächtnis des verstorbenen Königs sei die enge Partnerschaft Saudi-Arabiens mit den USA. Er sei überzeugt gewesen, dass die Beziehung zwischen den beiden Staaten wichtig für die Stabilität und Sicherheit im Nahen und Mittleren Osten und darüber hinaus sei, sagte Obama. Der französische Präsident Francois Hollande lobte Abdullahs "Vision eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten".

Abdullah sah Saudi-Arabien als wichtigsten Verfechter des sunnitischen Islam. Er unterstützte den Aufstand gegen Syriens Präsident Bashar al-Assad, der von der schiitischen Regionalmacht Iran gestützt wird. Saudi-Arabien schloss sich unter Abdullah der von den USA geführten internationalen Militärallianz gegen die radikale Miliz "Islamischer Staat" (IS) an.

Demokratiebewegung strikt abgelehnt

Im Königreich galt Abdullah als beliebt, auch weil er vorsichtige Reformen anstieß, wie etwa eine gewisse Stärkung der Position von Frauen in dem ultrakonservativen Land. Grundsätzlich änderte sich aber nichts am politischen System Saudi-Arabiens. Die Demokratiebewegungen in anderen Ländern der Region während des Arabischen Frühlings lehnte Abdullah strikt ab. Wer in Saudi-Arabien zu laut mehr Rechte forderte, musste fürchten, ins Gefängnis zu kommen.

Für internationale Empörung sorgte jüngst das drakonische Urteil gegen den Blogger Raif Badawi, der wegen liberaler Aussagen zu zehn Jahren Haft und 1.000 Peitschenhieben verurteilt wurde. Der Fall Badawi ließ in Österreich die Rufe nach einer Schließung des im Jahr 2011 gegründeten und nach dem verstorbenen König benannten Abdullah-Zentrums für interreligiösen Dialog lauter werden.