Erstellt am 27. Juni 2014, 17:05

Schlacht um Casinolizenzen entschieden. Bis zum Schluss war es spannend wie ein Pokerspiel, am Freitag ließ Finanzminister Spindelegger (ÖVP) die Katze aus dem Sack.

Die neuen Spielbanklizenzen für Wien und Niederösterreich gehen an den Novomatic-Konzern (Prater und Bruck/Leitha) und ein schweizerisch-deutsches Bieterkonsortium, das das Palais Schwarzenberg in ein Casino verwandeln will. Der Platzhirsch Casinos Austria geht leer aus.

In Österreich gibt es somit bald 15 Casinos. 12 davon betreiben seit eh und je die Casinos Austria. In der Bundeshauptstadt bekommen sie nun Konkurrenz vom Erzrivalen Novomatic, der seine Admiral-Spielhalle im Prater zu einem Vollcasino mit rund 800 statt bisher 400 Automaten ausbauen darf.

Dass Novomatic zumindest eine Wien-Lizenz zugesprochen wird, galt schon lange als politisch ausgehandelt, da Wien ab 2015 das Automatenzocken verbieten will und sich somit Novomatic komplett aus der Stadt zurückziehen hätte müssen. Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) soll deshalb bei Finanzminister Spindelegger ein gutes Wort für Novomatic eingelegt haben.

Casinos Austria prüfen Klage

Fürsprache erhielt Novomatic auch vom mächtigen niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP), der sich für den Standort Bruck an der Leitha stark machte bzw. gegen das Konkurrenzprojekt der Casinos Austria in Krems intervenierte. Das wiederum brachte Prölls Parteifreund Spindelegger in Bedrängnis, denn der eigens vom BMF installierte Expertenbeirat hatte ursprünglich für alle drei Standorte die Casinos Austria als Favoritin auserkoren. Diese Woche änderte das Gremium dann Medienberichten zufolge seine Meinung und gewichtete bei der Punktevergabe andere Aspekte als etwa die bisherige Erfahrung am Glücksspielmarkt stärker.

Niederösterreich bekommt nun im Eco Plus Park in Bruck an der Leitha einen Glücksspieltempel samt Luxushotel. In der Wiener Innenstadt soll in einem Jahr das "Grand Casino" im seit rund einem Jahrzehnt leer stehenden Palais Schwarzenberg eröffnen und ein Teil des Palais-Parks der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Hinter dem Projekt stehen der deutsche Automatenkonzern Gauselmann und die Schweizer Stadtcasino Baden AG.

Die unterlegenen Casinos Austria bezeichnen die Vergabe als "schweren Schlag ins Gesicht", sie prüfen eine Klage. Der ebenfalls nicht zum Zug gekommene Investor Michael Tojner, der in seinem InterCont-Hotel ein Casino errichten wollte, sprach hingegen von einer "mutigen Entscheidung der Politik". Die Konzessionen beginnen bereits ab Juli zu laufen und gelten für 15 Jahre. Es geht also um viel Geld. Allein die Schwarzenberg-Bewerber rechnen mit Bruttospielerträgen von 27 Mio. Euro im Jahr - in 14 Jahren Betriebszeit würde man also auf 378 Mio. Euro kommen. Zum Vergleich: Die 12 Casinos der Casino Austria setzten zuletzt in einem Jahr (2013) 263 Mio. Euro um.