Erstellt am 12. Juni 2014, 11:27

von APA Red

Schlager schon am zweiten WM-Tag. Schon am zweiten Tag der 20. Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien steigt der ganz große Schlager der Gruppenphase.

In Salvador da Bahia treffen am Freitag (21:00 Uhr MESZ) in einer Neuauflage des Finales von 2010 Titelverteidiger Spanien und Vize-Weltmeister Niederlande aufeinander. Der Verlierer dieser Schlüsselpartie zwischen den beiden Mitfavoriten steht bereits gehörig unter Druck.

Beim Rückblick auf das WM-Finale vom 11. Juli 2010 in Johannesburg geriet selbst der sonst so stille Andres Iniesta ins Schwärmen. Mit seinem spektakulären 1:0 in der Verlängerung (116.) hatte der Mittelfeld-Star des FC Barcelona Spanien in Südafrika erstmals den WM-Pokal beschert. "So ein Tor macht man nur einmal", urteilte der Edeltechniker vor der Revanche gegen die Niederlande. "Ich habe vergessen, wie oft ich dieses Tor angeschaut habe. Ich war so glücklich. Es war ein einmaliges, bisher unbekanntes Gefühl für mich", sagte Iniesta tief bewegt.

Den EM-Titel von Wien 2008 haben die Spanier 2012 wiederholt, nun will das Team von Trainer-Fuchs Vicente del Bosque auch als drittes Land nach Italien (1934 und 1938) und Brasilien (1958 und 1962) eine erfolgreiche WM-Titelverteidigung - und das bisher noch nie erreichte "Quadruple", den vierten begehrten Titelgewinn in Folge.

Ein Erfolg zum Auftakt wäre bereits ein großer Schritt Richtung Achtelfinale. "Die WM gegen die Niederlande anzufangen ist schwierig, aber auch sehr schön", sagte Stürmer Fernando Torres. "Die brennen auf Revanche." Mit einem erneuten Treffer würde Iniesta zu gern diese Revanche verhindern. "Das Tor von Südafrika soll unser Antrieb für Brasilien sein", sagte er der spanischen Zeitung "El Pais".

Erstmals in der 84-jährigen WM-Geschichte treffen Weltmeister und Vize-Weltmeister schon in der Gruppenphase aufeinander. Die spannende Frage dabei ist, ob sich das spanische "Tiqui-taka" mit der neuen Variante mit dem klassischen Stürmer Diego Costa oder das neue, defensivere Oranje-System (5-3-2 statt 4-3-3) durchsetzen kann. Personell hat sich bei der spanischen "Seleccion" gegenüber Südafrika 2010 relativ wenig geändert, während die Auswahl von Bondscoach Louis van Gaal nur noch wenig an jene von vor vier Jahren erinnert. Hoffentlich auch von der Spielweise her, hatten doch die Niederländer in Südafrika mit Brutalo-Attacken (van Bommel, de Jong) versucht, den spanischen Spielfluss zu unterbinden.

Spanien ist mit 16 Spielern angereist, die schon vor vier Jahren dabei waren - so viele aktuelle Weltmeister hat noch kein Land zum nächsten WM-Turnier mitgenommen. Darunter auch Torhüter Iker Casillas, der in Südafrika in der K.o.-Phase und damit 433 Minuten ohne Gegentor geblieben ist. Hält Casillas gegen die Niederlande neuerlich seinen Kasten rein, überholt er den bisherigen Rekordhalter, den Italiener Walter Zenga, der 1990 517 Minuten unbezwungen geblieben war.

Del Bosque wird voraussichtlich acht Weltmeister einlaufen lassen, die Niederlande werden mit de Jong, Robben, Sneijder und Van Persie wohl nur vier Vize-Weltmeister in der Startelf aufbieten. "Bei uns hat sich sehr wenig verändert. Wir sind fast die gleichen Spieler und pflegen weiterhin beinahe das gleiche System", meinte Mittelfeldmann Sergio Busquets. "Bei ihnen gibt es mehr Veränderungen: Trainer, System und andere Verteidiger."

Sergio Ramos zählt "Oranje" dennoch zu den stärksten Teams der Welt. "Eine Riesenmannschaft", urteilte der Abwehrchef. "Wir wollen natürlich gewinnen, aber sie werden uns das Leben schwer machen." Und Torres versicherte, die Niederlande seien der Typ Rivale, "gegen die wir am liebsten spielen. Teams auf höchstem Niveau, die uns das Maximum abverlangen."

Die Niederländer sehen sich indes als klare Außenseiter. Vor allem die Entscheidung von Louis van Gaal, vom traditionellen 4-3-3-System abzurücken und im neuen 5-3-2-Format spielen zu lassen, hat für heftige Diskussionen gesorgt. In Robben, van Persie und Sneijder hat van Gaal, der nach der WM zu Manchester United wechselt und an Guus Hiddink übergibt, nur noch drei Offensivkräfte auf dem Platz, von denen alles abhängt. "Gegen Spanien muss alles perfekt laufen, damit wir eine Chance haben", sagte Spielmacher Sneijder.

Der Frust über das verlorene WM-Finale vor vier Jahren sitzt vor allem bei Robben noch tief. Auch ein Sieg in Salvador würde daran nichts ändern. "Das ist erst möglich, wenn wir beide weiterkommen und uns am Ende im Finale wieder gegenüberstehen", sagte Robben der Zeitung "Sp!ts". "Nur dann können wir uns revanchieren, sonst nicht."

Robben hatte im Endspiel 2010 kurz vor Schluss die große Chance zur Führung, scheiterte aber an Spaniens Keeper Iker Casillas. "Ich habe später mit ihm über die Szene gesprochen. Er hat gesagt, dass er selbst nicht weiß, wie er den Ball gehalten hat", erzählte der Bayern-Star.