Erstellt am 06. Mai 2015, 12:59

Schwere Unwetter in Teilen Niederösterreichs. In Teilen Niederösterreichs haben in der Nacht auf Mittwoch schwere Unwetter zu Überflutungen geführt.

Starkregen setzte Straßen und Keller unter Wasser, orkanartige Sturmböen rissen Bäume aus, Schlammmassen verlegten Straßen, Menschen mussten aus Häusern evakuiert werden. 85 Feuerwehren standen mit 1.000 Mann im Einsatz. In der Landwirtschaft entstanden Schäden im Ausmaß von fünf Millionen Euro.

Nach Angaben des Landesfeuerwehrkommandos waren die Bezirke Korneuburg, Tulln und Hollabrunn massiv betroffen. Das Bezirkskommando Hollabrunn sprach von "Weltuntergangsstimmung". Mit Großpumpen, Motorsägen und Baggern kämpften die Einsatzkräfte gegen die Unwetterschäden. Die Aufräumarbeiten dauerten am Mittwoch an.

Die erste Vorwarnung der Wetterstationen erreichte die Einsatzkräfte um 1.39 Uhr, eine halbe Stunde später zog das Unwetter über die drei Bezirke. "Sturmböen von bis zu 100 Stundenkilometer und schwere Niederschläge verwandelten harmlose Bäche in reißende Fluten, die rasch über die Ufer traten", schilderte NÖ Feuerwehrsprecher Franz Resperger. Um die Menschen zu warnen, entschied sich die Feuerwehr zu einem Sirenenalarm, der viele Bewohner aus dem Schlaf riss.

Schlammlawine durch Großmugl

Einer der Hotspots war Großmugl im Bezirk Korneuburg, wo von den überschwemmten Äckern aus eine fast einen Meter hohe Wasser- und Schlammlawine durch den Ort zog. Die Feuerwehr musste Menschen evakuieren, Gebäude wurden mit Sandsäcken geschützt. Überflutungen gab es auch in Merkersdorf, Nursch, Herzogbirbaum und Föllersdorf.

In Merkersdorf wurden 30 Keller überschwemmt, nachdem der drei Meter tiefe Ortsgraben, der sich auf einer Länge von zwei Kilometern durch die Ortschaft zieht, über die Ufer getreten war. Die Überflutungen waren laut Feuerwehr zum Teil so stark, dass in Garagen abgestellte Fahrzeuge bis an die Decke gedrückt wurden. Die Innenhöfe von Bauernhöfen wurden mehr als einen halben Meter hoch mit Schlamm überzogen. Der Schaden sei nach ersten Einschätzungen enorm. Zuletzt war der Ortsgraben in Merkersdorf im Jahr 1959 über die Ufer getreten.

Im Bezirk Hollabrunn wurden die schwersten Gewitter aus Großstelzendorf gemeldet. Mehrere Keller standen dort unter Wasser. In der Breitenwaida konnte die Feuerwehr zunächst nicht ausrücken, weil mehrere umgestürzte Bäume die Zufahrt zum Feuerwehrhaus blockierten.

Schwere Schäden in Landwirtschaft

Der Göllersbach überschwemmte Teile von Göllersdorf, Ober- und Untermallebarn sowie Sierndorf, Hangrutschungen bedrohten die S3. Häuser wurden mit Sandsäcken abgesichert. Der bis zu 50 Zentimeter hohe Schlamm musste laut Feuerwehr mit Schneepflügen von den Straßen geräumt werden. In Herzogbirbaum mussten Bagger die Zufahrt zum Feuerwehrhaus frei schaufeln, die ebenfalls von Schlamm blockiert war.

Südlich von Hollabrunn waren neben Göllersdorf auch Breitenwaida und Groß Stelzendorf stark betroffen, teilte das Bezirkskommando mit und berichtete von dramatischen Szenen: So wurde ein gehbehinderter 93-Jähriger gerettet, der mitsamt seinem Bett zur Seite gespült worden war. Ein Kleinkind wurde in Groß Stelzendorf im Feuerwehrhaus versorgt, da die Eltern nicht mehr an die Babynahrung gelangen konnten. Im Bezirk Tulln wurden vor allem im Bereich um den Wagram Dutzende Bäume entwurzelt und stürzten auf Strom- und Telefonleitungen, Dachziegel flogen herunter, und Keller standen unter Wasser.

Laut einer Aussendung der Österreichischen Hagelversicherung wurden in den Bezirken Krems, Tulln und Korneuburg durch bis zu drei Zentimeter große Hagelkörner mehr als 5.000 Hektar Anbaufläche beschädigt. Neben Raps und Obst wurden besonders Weinkulturen in Mitleidenschaft gezogen.