Erstellt am 02. Dezember 2015, 17:52

von APA/Red

Schlepperring zerschlagen: Festnahmen auch in Wien. Eine international agierende Schlepperbande hat nach Angaben von Europol seit mindestens vier Jahren mehrere tausend Menschen auf der Balkan-Route nach Österreich und in weitere EU-Mitgliedstaaten geschmuggelt.

Im Rahmen der "Operation Mahmoud" wurden am Mittwoch in mehreren Ländern Haftbefehle akkordiert umgesetzt, zwei davon in Wien. Der Kopf der Bande wurde in Großbritannien geschnappt.

Bei den in Wien in Polizeigewahrsam genommenen Verdächtigen handelt es sich laut Bundeskriminalamt (BK) um eine staatenlose Person aus Palästina und einen Syrer. Sie sollen der mittleren Führungsebene der Gruppierung angehören, sagte Silvia Strasser, Sprecher des BK.

Bereits im April 2015 des Jahres wurden im Rahmen dieser Operation zwei weitere Staatsangehörige aus Syrien, zwei aus Palästina und einer aus Algerien in Österreich festgenommen. Somit sind insgesamt sieben Mitglieder des Menschenschmugglerrings in Österreich dingfest gemacht worden.

Bande war seit 2013 aktiv

Die organisierte Bande soll laut Europol rund 100 Migranten pro Tag geschmuggelt haben und seit 2013 aktiv gewesen sein. Nach bisherigem Ermittlungsstand wurden auf diese Weise rund zehn Millionen Euro lukriert.

In der "Operation Mahmoud" liefen die Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden in Griechenland, Großbritannien, Schweden, Ungarn und Österreich unter Koordinierung von Europol zusammen. Von österreichischer Seite ermittelte das Landeskriminalamt Burgenland und das Bundeskriminalamt (BK).

Die Bande hat laut Europol in erster Linie Syrer von der Türkei über Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn nach Österreich und in weitere Zielländer gebracht. Die Europäischen Haftbefehle für die Aktion am Mittwoch wurden in Thessaloniki ausgestellt. Die in Wien in Haft genommenen Verdächtigen sollen "so bald als möglich" nach Griechenland ausgeliefert werden, berichtete das BK.

Insgesamt 23 Personen festgenommen

Im Laufe der Operation wurden insgesamt 23 Personen festgenommen: 13 in Griechenland, zwei in Schweden und eben sieben in Österreich. Der heute in Liverpool in Gewahrsam genommene Chef der Bande soll zuvor in anderen europäischen Ländern gelebt haben.

Der Transport der Menschen erfolgte je nach Streckenabschnitt mit unterschiedlichen Fahrzeugen "vom Van bis zum Klein-Lkw", wie BK-Sprecherin Silvia Strasser sagte. Durchgeführt wurden die Schleppungen hauptsächlich von Griechen, koordiniert von einem Albaner, erläuterte Europol. Letzter sei in enger Abstimmung mit dem Bandenchef gestanden.

Die Menschenschmuggler hatten ihr Hauptquartier in Griechenland, wo sie von Migranten, die sich in der Türkei aufhielten oder die sich auf dem Weg nach Griechenland befanden, kontaktiert wurden. Die Bande bot alle Art von "Serviceleistungen" an: vom Transport über Unterkunft bis zu gefälschten Reisedokumenten. Bezahlt wurde via Geldtransferdienste oder bar.

"Diese europaweit akkordierte Aktion bestätigt unseren eingeschlagenen Weg der internationalen Ermittlungsarbeit", kommentierte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) den Schlag. "Nur durch diese Vorgehensweise können wir auch nachhaltig die Strukturen der Netzwerke zerschlagen."