Erstellt am 10. September 2014, 13:52

von APA/Red

Schröcksnadel glaubt Medaillen in Rio. Dass er mit 1. Oktober nicht mehr Besitzer des Patscherkofel ist, verschafft Peter Schröcksnadel Zeit. Die nutzt er, um neben seiner Funktion als Ski-Präsident auch seine Tätigkeit als Chef-Koordinator des Sommersport-Projektes Rio 2016 voranzutreiben.

Zwei Jahre nach dem Londoner Olympia-Desaster ist Schröcksnadel zuversichtlich: "Ich glaube, dass wir in Rio drei bis fünf Medaillen schaffen."

Eine bemerkenswerte Zahl, hat doch Österreich nach 1948 gerade ein Mal (2004 in Athen mit 7) mehr als vier Medaillen bei Olympischen Sommerspielen geschafft. Aus London war die ÖOC-Mannschaft sogar erstmals seit 1964 ohne Edelmetall zurückgekehrt. Eine der Folgen der Pleite war die Installation des Projektes Rio 2016, als Chef-Koordinator wurde der erfolgreiche Unternehmer, Manager und ÖSV-Präsident Schröcksnadel (71) gewonnen.

Nun werden aussichtsreiche Sommersport-Sportarten und Athleten gezielt gefördert. Die nächste Evaluierung der Kader für die Olympischen Spiele 2016 in Brasilien steht unmittelbar bevor und soll rund um den "Tag des Sports" am 20. September präsentiert werden. Diese wird laut Schröcksnadel für einige "heilsam" sein. "Weil sie sehen, dass es so nicht geht", sagte Schröcksnadel am Dienstagabend bei seinem traditionellen Sommergespräch in Wien. "Aber andere werden dafür rein kommen."

"Habe zwischen Verband und Jukic entriert"

Offenbar ist der Versuch von Beach-Exeuropameisterin Stefanie Schwaiger mit der jungen Lisa Chukwuma nicht weiter förderungswürdig. Auch der streitbare Schwimmer Dinko Jukic muss endlich einen Leistungsbeweis bringen - notfalls auch abseits eines Wettkampfs. "Ich habe zwischen Verband und Jukic entriert. Der Verband muss jetzt schauen, inwieweit die Förderungen umgesetzt worden sind. Ich mische mich da nicht mehr ein", so Schröcksnadel, hielt aber fest: "Dinko muss Leistungen bringen wie jeder andere. Er muss sich entschieden, was er will."

Seit 1990 führt Schröcksnadel den ÖSV wirtschaftlich und sportlich höchst erfolgreich. Bei der Wissenserkundung im Sommer hat sich Schröcksnadel, der auch Vizepräsident im Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC) ist, rundum schlaugemacht. "Wir sind deshalb so gute Segler, weil wir nur Seen haben und dort die Windverhältnisse schwierig sind", habe er etwa von Hubert Raudaschl erfahren.

Außerdem verweist Schröcksnadel gerne auf seine aktive Vergangenheit als Landesliga-Tormann, Boxer, Fechter, Schütze, Stabhochspringer usw. "Was nicht heißt, dass ich deshalb was vom Sommersport verstehe. Aber auch im Winter sagt man mir nach, nur vom Alpinen was zu verstehen. Und trotzdem gewinnen wir auch im Skispringen."

"Sommersport muss lernen, sich zu professionalisieren"

Um auch im Sommer möglichst rasch wieder Erfolg zu haben, gibt es auch für Schröcksnadel nur die Abkehr von der Gießkanne. "Mit allgemeiner Unterstützung hast du keine Chance." Nehme man aber bereits erfolgreiche Sparten und schaffe ein gutes Umfeld, bestünden Chancen, schneller weiterzukommen, meinte der Tiroler und nannte Segeln, Paddeln, Rudern Ringen, Beach Volleyball, Reiten, aber auch den Golfer Bernd Wiesberger als Beispiele. Damit könne man auch andere nachziehen. Die Erkenntnis des Wintersport-Experten lautet zwei Jahre vor Rio: "Der Sommersport muss lernen, sich zu professionalisieren."

Schröcksnadel ist längst einer der mächtigsten Sportfunktionäre in Österreich. Nur den Fußball hat er aus Zeitgründen bisher gemieden, obwohl es mehrmals Anfragen des FC Tirol gab. Präsident Leo Windtner sei ein sehr guter Mann, die Nationalmannschaft auf einem gutem Weg.

"Aber es fehlt ein Vollstrecker wie Polster", meinte Schröcksnadel, der ein systemisches Problem in der Liga ortet. "Statt unserer Jungen spielen drittklassige Ausländer." Insgesamt gelte: "Was Belgien, Kroaten oder die Schweiz können, müssen wir doch auch können."
 

"Wenn wir keinen Erfolg haben, war es den Versuch wert"

Beim Sommersport sei in erster Linie wichtig, "dass du ein Gefühl dafür hast, was ein Athlet braucht, egal in welchem Sport. Und das habe ich", ist der Manager überzeugt. Sich auf Sportarten zu konzentrieren, in denen Medaillen-Chancen bestünden, sei eine durchaus gute Botschaft. "Weil man sieht, dass Leistung honoriert wird und Früchte trägt. Sonst bräuchte man im Leistungssport kein Leistungsprinzip." Das Wichtigste sei nun der Erfolg. Die Latte liege ohnehin tief, wenn nicht gar am Boden. "Aber selbst wenn wir keinen Erfolg haben, war es den Versuch wert."

Bereinigt hat Schröcksnadel einige Winter-Baustellen. Der Ski-Weltcup in Wien-Schönbrunn ist endgültig gestorben, der Patscherkofel ("Ein Verlustgeschäft") an die Stadt Innsbruck zurückverkauft. Die nach dem Dopingfall Johannes Dürr ins Kreuzfeier geratenen Langläufer hingegen sind auf Wunsch der Landesverbände wieder voller Teil des Verbandes. "Ich habe mich breitschlagen lassen", so Schröcksnadel.

Allerdings lässt der ÖSV die Langlauf-Athleten über die FIS und WADA hinaus künftig zusätzlich auch von der NADA testen, was Mehrkosten von 80.000 Euro erzeugen würde. "Vielleicht haben wir wieder einen positiven Dopingfall, aber dann haben wir ihn selbst aufgedeckt."

"Wollen in allen Disziplinen Medaillenkandidaten haben"

Anwesend bei Schröcksnadels Sommertermin war auch der neue Herren-Alpinchef Andreas Puelacher. Gerade eben vom Südamerika-Training zurückgekehrt, bereitet Schröcksnadels "Wunschkandidat" als Nachfolger von Mathias Berthold das Team u.a. auf die kommende WM 2015 in Vail und Beaver Creek vor. "Dort wollen wir in allen Disziplinen mehrere Medaillenkandidaten haben", formulierte Puelacher sein Ziel. Schröcksnadel erhofft sich in Colorado sechs bis acht Medaillen.