Erstellt am 09. Januar 2015, 13:07

von APA Red

Schulautonomie: Ministerin überlegt Testregionen. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek kann sich Testregionen für Modellversuche zur Ausweitung der Schulautonomie in Österreich vorstellen.

Dabei könne man viel vom niederländischen Modell lernen, so die Ministerin im Rahmen einer Reise mit den Bildungssprechern der Parlamentsparteien nach Den Haag und Utrecht vor Journalisten.

Schulgründungen in Niederlanden jedem offen

Die weitgehende Übertragung von Entscheidungsbefugnissen bei der Verwendung des Schulbudgets, der Ausgestaltung der pädagogischen Arbeit oder der Auswahl der Lehrer an die einzelnen Schulen könne aber nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, eine "Vertrauenskultur" zu entwickeln.

Das und die durchgängig gelebte Eigenverantwortung sei in den Niederlanden, dessen Bildungssystem völlig anders organisiert sei, spürbar. Im Gegensatz dazu gebe es im heimischen Bildungssystem noch starke, historisch gewachsene hierarchische Strukturen. "Das Vertrauen ist daher noch nicht so da", erklärte Heinisch-Hosek.

Tatsächlich steht es in den Niederlanden per Grundgesetz jedem offen, Bildung zu vermitteln und eine Schule zu gründen. Der Staat, respektive das Bildungsministerium, ist dazu verpflichtet, das Geld für eine solche Initiative bereitzustellen.

Vonseiten des Ministeriums gibt es neben dem Geld lediglich sehr allgemein formulierte Kernziele und einen gesetzlichen Rahmen, innerhalb dessen ein Schulbetreiber, genannt "Schulrat", agieren darf. Die Umsetzung der Lehrinhalte liegt aber komplett in der Verantwortung der Schulbetrieber. Ein direktes Eingreifen von Behörden in Schulbelange ist nahezu unmöglich, trotzdem schneiden die Niederlande in internationalen Vergleichsstudien meist gut ab.

Bildungssprecher aller NR-Parteien: Mehr Eigenständigkeit

Um zu verhindern, dass diese äußerst autonomen Schulen ihre Bildungsaufgaben nicht ausreichend erfüllen, werden einerseits am Ende der wahlweise ab vier oder fünf Jahren beginnenden und mit zwölf Jahren endenden Primarstufe (vergleichbar mit der Volksschule in Österreich) und in der in sieben verschiedene Schultypen stark aufgefächerten Sekundarstufe alle Schüler zentral getestet.

Anhand der Testdaten und weiterer Informationen, die die Schulen dem Unterrichtsinspektorat bereitstellen, lässt sich ablesen, welches Bildungsniveau jede Schule des Landes erreicht. So können schwache und sehr schwache Schulen identifiziert werden. Die Ergebnisse der Tests und Inspektionen werden den Schulen rückgemeldet und sind öffentlich einsehbar.

Die Bildungssprecher der im Nationalrat vertretenen Parteien sprechen sich vor dem niederländischen Hintergrund erneut für mehr Eigenständigkeit der Schulen in Österreich aus. Direkt übertragen ließe sich das Modell aufgrund der grundlegenden Unterschiede der Systeme aber nicht.