Erstellt am 06. Juli 2015, 16:44

von APA/Red

EZB wird wohl Hellas-Geldversorgung nicht stoppen. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wollte sich noch am Montagvormittag in einer Telefonkonferenz mit der Lage in Griechenland nach der dortigen Volksabstimmung befassen.

EZB berät am Montag über die Notkredite für Griechenlands Banken  |  NOEN, DPA

Das verlautete aus Notenbankkreisen. Die meisten Beobachter rechnen damit, dass die EZB die Notkredite für Griechenlands Banken aufrechterhalten wird, solange auf politischer Ebene weiter verhandelt wird.

Nothilfen an griechische Banken nicht stoppen

Die EZB wird nach Informationen von Insidern voraussichtlich die Nothilfen an griechische Banken auch nach dem "Nein" beim Referendum nicht stoppen. Obgleich die Entscheidung noch ausstehe, würden die Währungshüter wahrscheinlich die so genannten ELA-Hilfen auf dem aktuellen Niveau belassen, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen am Sonntagabend.

Insidern zufolge liegt der Rahmen für die Liquiditätshilfen derzeit bei rund 89 Milliarden Euro. Ohne die ELA-Kredite drohen die Institute auszubluten, da Unternehmen und Privatleute wegen der Unsicherheit, ob das Land im Euro bleiben kann, massiv Gelder von ihren Konten abgezogen haben.

ELA-Hilfen werden gegen Sicherheiten von der griechischen Notenbank vergeben - über die Gewährung beschließt aber der EZB-Rat. Die Hilfen sind inzwischen für das Überleben der Institute entscheidend, da sie seit Februar von der direkten Geldversorgung durch die EZB abgeschnitten sind.

Insidern zufolge dürfte der ELA-Rahmen bald erschöpft sein. Es wird daher erwartet, dass die Geldhäuser auch in den kommenden Tagen geschlossen bleiben.

IWF "bereit Griechenland zu helfen"

Die Währungshüter dürften am Montag auch darüber diskutieren, die Sicherheitsabschläge auf die Pfänder zu erhöhen, die Hellas-Banken zum Erhalt der ELA-Kredite einreichen. Ein solcher Schritt würde aber vor allem als Signal zu sehen sein, dass die EZB auf die neue Lage reagiert, ohne damit die Geldversorgung für die Banken komplett zu sperren.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) beobachtet die Lage in Griechenland aufmerksam, sagt IWF-Chefin Christine Lagarde. "Wir stehen bereit Griechenland zu helfen, falls wir darum gebeten werden", erklärte Lagarde am Montag.

Das deutsche Finanzministerium lehnt einen Schuldenschnitt für Griechenland ab. Dies sei kein Thema, erklärte ein Sprecher am Montag. "Angesichts der gestrigen Entscheidung der griechischen Bürger gibt es zurzeit nicht die Voraussetzungen, um in Verhandlungen über ein neues Hilfsprogramm einzutreten", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Nach Einschätzung des österreichischen Notenbankchefs und EZB-Rates Ewald Nowotny haben sich am Sonntag die Fronten verhärtet. Die Hoffnung der griechischen Regierung, binnen zweier Tage zu einem Deal mit den Gläubigern zu kommen, weist Nowotny ins Reich der Illusionen.

"Es geht um Dutzende Milliarden"

Für ein neues Hilfsprogramm unter dem Euro-Rettungsschirm ESM müssten bestimmte Bedingungen erfüllt sein. "Vor allem muss man sich bewusst sein, dass so etwas Zeit braucht. Es geht um Dutzende Milliarden, die kann man nicht im Schnellverfahren vergeben", sagte Nowotny am Montag zur APA.

Primäres Problem sei das Zeitproblem, das mit dem Stillstand durch die Volksabstimmung noch verschärft wurde. "Wir haben nicht unbegrenzt Zeit, vor allem Griechenland hat das nicht", so Nowotny.

Für Nowotny wäre es "extrem problematisch" und sogar "undenkbar, über einen langen Zeitraum hinweg die Banken zu schließen". Denn, so Nowotny, die Kreditversorgung der Wirtschaft entspreche dem Blutkreislauf einer Volkswirtschaft. Bekomme ein Unternehmen keinen Kredit, um Produktionsmittel einzukaufen, werde die Produktion zum Stillstand kommen.

Die Banken spielten auch bei der Finanzierung von Importen eine ganz wesentliche Rolle. Abgesehen hat Nowotny große Sorgen um die griechische Bevölkerung, die ja seit einer Woche vor verschlossenen Banktüren steht und nur beschränkt Bargeld abheben kann.

Chefvolkswirt Winzer rechnet mit Parallelwährung

Der Chefvolkswirt des Erste Asset Managements, Gerhard Winzer, rechnet indes fix mit der Einführung einer Parallelwährung. Die Regierung werde ihre Ausgaben bald mit Gutscheinen bestreiten. "Das ist dann de facto eine Parallelwährung zum Euro, die aber ziemlich rasch an Wert verlieren wird, wenn sie nicht im Verhältnis 1:1 in Euro getauscht werden kann", so Winzer.

Griechenland habe sich "de facto gestern von der Eurozone verabschiedet", erklärte Winzer in einem Analystenkommentar am Montag zum Referendum am Vortag. Formal werde Griechenland aber auf absehbare Zeit Teil der Eurozone bleiben.

Ausweglos ist die Lage für Winzer aber noch nicht. "Wenn die Gläubiger und Griechenland guten Willens sind, kann ein Kompromiss zwischen Reform und Hilfe gefunden werden." Unmittelbar sei eine Entscheidung nötig, ob die Euro-Staaten Garantien für griechische Staatsanleihen übernehmen, damit die EZB weiter Notkredite vergeben kann.