Erstellt am 06. April 2016, 14:41

von APA Red

Schuldspruch für Fluglehrerin nach tödlichem Paragleitunfall. Nach einem tödlichen Paragleitunfall im August des vergangenen Jahres ist eine 22-jährige Fluglehrerin am Mittwoch am Landesgericht Innsbruck der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen worden.

 |  NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)

Sie bekam drei Monate bedingte Haft und 3.000 Euro Schadenersatz von Richter Norbert Hofer auferlegt. Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig.

Die Angeklagte nahm das Urteil zwar an, die Staatsanwältin gab jedoch keine Erklärung ab. Die 22-jährige aus Deutschland stammende Beschuldigte soll laut Anklage ihrer Schülerin ein Gurtzeug ohne Herausfallsicherung übergeben haben. Die 53-jährige Deutsche war nach dem Start aus dem Gurt gerutscht.

"Da Flugschüler gerade in der Anfangsphase sehr gestresst sind, braucht es eine strikte Kontrolle durch einen Fluglehrer", sagte Hofer zur Angeklagten. Sie habe jedoch nach einem Fehlstart der 53-Jährigen keine neuerliche Kontrolle der Gurte durchgeführt und dadurch auch nicht bemerkt, dass die Beingurte der Deutschen nicht verschlossen waren, meinte der Richter.

Trotzdem liege die primäre Verantwortung bei der Verunglückten, da Paragleiten ein Risikosport mit hoher Eigenverantwortung sei, so Hofer. Denn auch das Opfer selbst hatte vor dem neuerlichen Startversuch die Gurte nicht mehr kontrolliert. Warum die Flugschülerin letztendlich kein Gurtzeug mit Herausfallsicherung hatte, wie eigentlich in der Flugschule üblich, konnte in der Verhandlung nicht mehr eruiert werden. Tatsache sei aber, dass eine Herausfallsicherung zum Unfallzeitpunkt gesetzlich nicht vorgeschrieben war, erläuterte der Richter.

Die Angeklagte hatte sich zu Prozessbeginn nicht schuldig bekannt. Sie habe noch vor dem Start kontrolliert, ob der Brustgurt der 53-Jährigen verschlossen war und sei davon ausgegangen, dass ihre Schülerin ein Paragleitgurtzeug mit Herausfallsicherung hatte. "Ich habe allen Schülern einen Gurt mit Herausfallsicherung ausgeteilt, warum sie an jenem Tag einen Gurt ohne Sicherung hatte, weiß ich selbst nicht", beteuerte die 22-Jährige.

Das Unfallopfer war am 28. August 2015, am letzten Tag des Kurses, beim letzten Flug aus dem Gurt gerutscht und rund 100 Meter abgestürzt. Die 53-Jährige war von den Rettungskräften in einem Waldstück gefunden und geborgen worden. Im Nachhinein hatte sich herausgestellt, dass die Beingurte der Deutschen nicht verschlossen waren.