Erstellt am 10. April 2015, 15:38

von APA/Red

Höhere Lehrverpflichtung - Gewerkschaft kampfbereit. Eine Erhöhung der Lehrverpflichtung würden die Lehrer nicht widerstandslos hinnehmen. So kommentierte der Chef der ARGE Lehrer in der GÖD, Paul Kimberger, eine Meldung der "Krone", wonach die Pädagogen zwei Stunden länger in der Klasse stehen sollen.

"Sollte sich das bestätigen, werden wir entsprechend reagieren. Dann kann ich Kampfmaßnahmen garantieren", so Kimberger.

Noch drastischer formuliert es sein AHS-Kollege Eckehard Quin im Online-"Standard": "Das gibt eine offene Feldschlacht, wenn die Regierung meint, das realisieren zu wollen." Allerdings ist Quin auch überzeugt davon, "dass das kein in der Regierung akkordiertes Konzept ist.

Jetzt ist halt der Krieg ausgebrochen zwischen den Ressorts, die um ihre Budgets kämpfen." Den Vorschlag, sich über eine höhere Lehrverpflichtung schnelles Geld fürs Bildungsbudget zu holen, gebe es jedes Jahr. Das sei angesichts eines Anteils der Personalkosten am Bildungsbudget von 92 Prozent auch naheliegend.

Die "Krone" hatte berichtet, dass die Regierung plane, die wöchentliche Lehrverpflichtung um zwei Stunden zu erhöhen. Im Finanz- und Bildungsministerium wurde dies jedoch nicht bestätigt. Das Finanzressort verwies darauf, dass man erst mitten im Budgeterstellungsprozess sei. Insgesamt soll die Maßnahme laut "Krone" rund 360 Mio. Euro pro Jahr bringen - das entspricht in etwa dem von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zuletzt genannten Sparbedarf in ihrem Ressort.

Heinisch-Hosek: "Reden kann man über alles"

Bildungsministerin Heinisch-Hosek kann sich prinzipiell eine Neubewertung des "alten Vorschlags" zur Anhebung der Unterrichtsverpflichtung für Pädagogen vorstellen. "Reden kann man über alles", sagte sie am Freitag vor Journalisten. Sie wolle aber in erster Linie beruhigen - von konkreten Gesprächen sei man weit entfernt. Für Gedanken an Kampfmaßnahmen sei es viel zu früh.

Eine Erhöhung der Lehrverpflichtung um zwei Stunden würde in der Tat rund 360 Millionen Euro an jährlichen Einsparungen bringen, so Heinisch-Hosek. Laut einer allerdings schon vor mehreren Jahren erstellten Berechnung ihres Ressorts spare eine Wochenstunde zusätzlicher Lehre eine Summe zwischen 150 und 180 Mio. Euro.

Man sei allerdings noch mit niemandem zu der Frage in Kontakt getreten. Es gelte erst zu klären, woher der Vorschlag überhaupt komme, so Heinisch-Hosek. Auch der öffentliche Dienst müsse seinen Beitrag zur Erfüllung des Finanzrahmens leisten. "Eine Gruppe hier jetzt herauszuziehen" hält die Ministerin aber für verfrüht.

Dass Kimberger auf lediglich eine Zeitungsmeldung nun "ungestüm" reagiere und bereits Kampfmaßnahmen in Aussicht stellt, sollte sich eine Umsetzung dieser "Einzelmaßnahme" konkretisieren, hält die Ministerin ebenfalls für verfrüht.

Walser vom Durchsetzungsvermögen der Bildungsministerin enttäuscht 

"Enttäuscht über das mangelnde Durchsetzungsvermögen der Bildungsministerin gegenüber dem Finanzminister" zeigte sich der Grüne Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung.

Dabei gebe es durchaus Alternativen zu einer Erhöhung der Lehrverpflichtung: "Wir haben große Einsparungsmöglichkeiten, leisten wir uns in Österreich doch eine sündteure Schulverwaltung, das Nebeneinander von drei Schultypen und ein ineffizientes Inspektionssystem - keines dieser Probleme wurde auch nur annähernd angegangen. Das ist fahrlässig."