Erstellt am 25. Juni 2014, 13:25

Sechs Jahre Haft für Taxilenker wegen Missbrauchs. Ein Wiener Taxifahrer ist wegen Missbrauchs von zwei Frauen in seinem Fahrzeug zu sechs Jahren Haft und zur Zahlung von insgesamt 18.400 Euro Schmerzengeld verurteilt worden.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Auf den Mann kommt ein weiteres Ermittlungsverfahren zu. Ein drittes Opfer, das einen Zeitungsbericht über die Verhandlung gelesen hatte, hat bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Die nun verhandelten Fälle wurden im September 2011 bzw. im August 2013 verübt, die Opfer hatten eine Nacht in der Diskothek U4 durchgetanzt. Die zum Tatzeitraum jeweils 18 Jahre alten Mädchen hatten sich aufgrund ihres erhöhten Alkoholkonsums zu dem davor befindlichen Taxistandplatz begeben, um sich heimbringen zu lassen.

Der Taxler - ein 59 Jahre alter Familienvater, der vier Kinder groß gezogen hat - soll den Umstand, dass die jungen Frauen stark alkoholisiert waren, auf abgefeimte Weise ausgenutzt haben. Im Fahrzeug kam es zu geschlechtlichen Handlungen, denen die Teenager nichts entgegen setzen konnten, weil sie infolge ihres Zustands nicht mehr in der Lage waren, den zudringlichen Mann abzuwehren.

Das dritte Opfer, das sich nun gemeldet hat, musste das gleiche Martyrium mitmachen. Laut Anzeige passierte der Vorfall im Jahr 2007. Die damals ebenfalls 18-Jährige stieg wie die beiden anderen Frauen nach einer Geburtstagsparty im U4 in das Taxi vor der Tür, um sich nach Hause bringen zu lassen. Auf der Fahrt fiel der Taxler über sie her, die Frau konnte sich aufgrund ihrer starken Alkoholisierung nicht wehren, berichtete die heute 25-Jährige in ihrer Einvernahme.

"Da können sich mich gleich mit jeder Vergewaltigung, die in Wien passiert, belasten"

Eine Freundin der Frau hatte ihr berichtet, dass gegen einen Taxilenker wegen sexuellen Missbrauchs gerichtlich verhandelt wird und sie darauf aufmerksam gemacht, weil ihr Ähnliches passiert war. Daraufhin setzte sich das damalige Opfer in die letzte Verhandlung im Mai und erkannte in dem Angeklagten ihren früheren Peiniger eindeutig wieder. Laut der Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nina Bussek, wurde in dem Fall ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Der Angeklagte bekannte sich im gesamten Verhandlungsverlauf "nicht schuldig". "Da können sich mich gleich mit jeder Vergewaltigung, die in Wien passiert, belasten", sagte er in seinem Schlusswort. Den zeitlich weiter zurückliegenden Übergriff stellte er gänzlich in Abrede, jenen aus dem vergangenen Sommer konnte er insofern nicht leugnen, als er von einem DNA-Gutachten belastet wurde. Zu diesem Faktum erklärte der 59-Jährige, die 18-Jährige habe mit ihm einvernehmlichen Sex gehabt.

Diese junge Frau hatte wenige Stunden nach der Taxifahrt Anzeige erstattet. Da an ihrer Kleidung Spuren sichergestellt werden konnten, wurde eine DNA-Probe genommen und diese analysiert. Prompt ergab der Abgleich mit der DNA-Datenbank einen Treffer, weil der Angeklagte infolge einer - wenn auch nicht aus einem Sexualdelikt herrührenden - Vorstrafe bereits registriert war.

In weiterer Folge meldete sich die zweite Frau, die der Polizei von einem beinahe gleich gelagerten Erlebnis mit dem 59-Jährigen berichtete. Obwohl in ihrem Fall das Geschehen mittlerweile über zweieinhalb Jahre zurückliegt, leidet sie an derart gravierenden Folgen, dass diese einem Gutachten zufolge einer schweren Körperverletzung gleichkommen.