Erstellt am 11. September 2015, 12:17

Seit Montag 16.000 Flüchtlinge über Nickelsdorf eingereist. Diese Woche sind über den Grenzübergang Nickelsdorf im Burgenland bereits rund 16.000 Flüchtlinge eingereist.

 |  NOEN, APA

Von Montag bis einschließlich Donnerstag waren es laut Innenministerium 12.000, am Freitag kamen zwischen Mitternacht und 6.00 Uhr früh noch weitere 3.670 dazu. Nur ein kleiner Teil dieser Menschen suchte um Asyl in Österreich an. Von Montag bis Donnerstag wurden 1.141 Anträge gestellt.

Die Zahl der Menschen, die auf dem Weg nach Deutschland diese Woche durch Österreich durchgereist sind, dürfte aber deutlich höher sein als die in Nickelsdorf gezählten 16.000. So sind in München laut Medienberichten seit Samstag 40.000 Flüchtlinge eingetroffen.

Eine Gesamtperspektive ist laut Innenministerium schwierig, weil man nur jene registrieren könne, die die Anlaufstelle Nickelsdorf passieren. Personen, die an der Anlaufstelle vorbei einreisen, seien in diesen Zahlen nicht enthalten.

Am Grenzübergang Nickelsdorf wurden Freitagvormittag Busse bereitgestellt, um Flüchtlinge nach Wien zu bringen. Man bekomme circa 1.000 Plätze, sagte Polizeisprecher Helmut Marban zur APA. Gleichzeitig bemühte man sich, für Flüchtlinge, die dies wollen, Fahrtmöglichkeiten gegen Bezahlung mit Taxis zu organisieren. Die Ostautobahn (A4) war in Fahrtrichtung Wien vorerst weiterhin gesperrt.

Sobald die Busse voll seien, würden sie abfahren, sagte Marban. In der Nacht hatte man die Aufgabe, rund 5.000 Personen zu versorgen - rund 3.600 Menschen, die in der Nacht über die Grenze kamen sowie Flüchtlinge, die bereits am Donnerstag angekommen waren. "Das ist uns großteils gelungen", sagte der Oberstleutnant. Die Kapazitäten zur Unterbringung seien nicht nur in Nickelsdorf ausgeweitet worden - auch in Wiesen wurden am Festivalgelände Unterbringungsmöglichkeiten für 700 Menschen geschaffen.

Auch nach Wien und Niederösterreich wurden Flüchtlinge gebracht. Rund 1.500 habe man unter dem Flugdach oder teilweise auch im Freien mit Decken unterbringen müssen. Seit 6.00 Uhr baute das Bundesheer rund 40 Großzelte auf, deren Aufstellung fast abgeschlossen sei. "Wir haben da Platz für circa 1.000 Menschen, die in den nächsten Stunden und Tagen kommen werden."

Das Bundesheer hält Fahrzeuge für den Transport von bis zu 1.300 Personen bereit. Zusätzlich hat das Bundesheer die Möglichkeit im Großraum Wien bis zu 4.000 Flüchtlinge am Tag mit Essen zu versorgen. Diese Unterstützung wurde gestern dem Innenministerium angeboten und kann jederzeit abgerufen werden, teilte das Verteidigungsministerium.

Um bei kurzfristigem Bedarf Flüchtlinge für eine Nacht unterzubringen, können in der Van Swieten-Kaserne in Wien-Stammersdorf Notquartiere für bis zu 600 Personen und am Fliegerhorst Vogler in Hörsching für bis zu 200 Personen aufgebaut werden. In Salzburg können auf der Fläche der bereits im Betrieb befindlichen Betreuungsstelle in der Schwarzenberg-Kaserne weitere 300 Personen temporär untergebracht werden. Dafür werden heereseigene Zelte ausgestattet mit Betten, Decken und Sanitäranlagen zur Verfügung gestellt.

Das Bundesheer unterstützt bereits seit Anfang August das Innenministerium und entlastet dadurch die Polizei und das Rote Kreuz. Bisher bauten rund 1.000 Soldaten mehr als 100 Zelte auf, richteten Unterkünfte ein, transportierten Flüchtlinge in ihre Quartiere und verpflegten sie. Bundesheer-Busse beförderten Menschen im Pendelverkehr vom Grenzübergang Nickelsdorf zum Bahnhof für die Weiterfahrt nach Deutschland und in die Messehalle Graz. Das Bundesheer legte insgesamt bereits über 15.500 Kilometer zurück. Es beherbergt zudem aktuell auf seinen Liegenschaften rund 750 Flüchtlinge.

Die als reines Nachtquartier für Flüchtlinge gedachte Halle E der Wiener Stadthalle war unterdessen auch am Freitagvormittag noch gut gefüllt. Bei der Inbetriebnahme am Donnerstagabend sollten zunächst 270 Feldbetten zur Verfügung stehen. Das Rote Kreuz (RK) stellte wegen des erhöhten Bedarfs aber weitere Schlafplätze zur Verfügung, sodass dort vorerst mehr als 300 Personen auf ihre Weiterreise warteten.

Die Stadt Wien eröffnete unterdessen in der Nacht auf Freitag ein neues Notquartier für Flüchtlinge: In einem Gebäude der Bundesimmobiliengesellschaft nahe der Urania wurden 270 Menschen untergebracht. Grundsätzlich gebe es dort Kapazitäten für bis zu 1.500 Menschen, berichtete der Flüchtlingskoordinator der Stadt, Peter Hacker, am Freitag.

Die 270 Menschen hätten das Gebäude, das vom Roten Kreuz und dem Arbeiter-Samariter-Bund betreut wird, bereits wieder verlassen, erklärte er. Derzeit stehe es leer und biete Platz für weitere Flüchtlinge. Der Fonds Soziales Wien, dessen Geschäftsführer Hacker ist, prüft derzeit zudem ein weiteres Quartier, das voraussichtlich am Nachmittag eröffnen wird. Dort können laut Hacker weitere 500 Personen untergebracht werden.

Zusätzliche Adressen werden laufend geprüft, diese sollen jedoch frühestens im Laufe der nächsten Tage zur Verfügung stehen. Teils handle es sich dabei auch um Quartiere, die eigentlich für die Grundversorgung und zur Entlastung Traiskirchens vorgesehen waren, erklärte Hacker: "Aber die Durchreise hat derzeit Priorität. Der Plan ist aber auch, auf Traiskirchen nicht zu vergessen." Man müsse sich jedoch jedenfalls darauf einstellen, dass die Aufenthaltsdauer der durchreisenden Flüchtlinge nicht mehr nur wenige Stunden, sondern längere Zeit betragen wird.

In Graz verbrachten rund 250 Flüchtlinge am Freitagfrüh eine Stunde am Hauptbahnhof und fuhren dann mit einem fahrplanmäßigen Zug nach Salzburg weiter, wie Rotes Kreuz und Polizei mitteilten. Die Menschen waren gegen 5.00 Uhr in Bussen aus dem burgenländischen Nickelsdorf gekommen. Knapp eine Stunde später saßen sie im Zug Richtung Salzburg bzw. weiter nach Deutschland.

Das in Graz bisher genutzte größere Quartier in der Messehalle A steht wegen Veranstaltung nun nicht mehr zur Verfügung. Die Organisation der Bereitstellung von Notquartieren für durchreisende Flüchtlinge hat nun das Innenministerium übernommen, wie vom Land Steiermark zu erfahren war. Gespräche waren zu Mittag am Laufen. Graz war bisher nur Transitpunkt. Aus dem großen Schwung von Flüchtlingen am Donnerstag mit rund 570 Personen waren so gut wie alle nach Salzburg mit Ziel Deutschland oder Schweden mit dem Zug weitergereist. Nur eine Familie habe einen Asylantrag gestellt.

In Linz kamen in der Nacht auf Freitag 418 Flüchtlinge im ehemaligen Postverteilzentrum unter, am Vormittag traten alle die Weiterreise an. Die Helfer bereiteten sich in der Zwischenzeit auf die nächste Welle vor. Insgesamt rund 1.400 Quartiere stehen in Linz, Wels und Attnang zur Verfügung.

Die Nacht im Postverteilzentrum sei sehr ruhig verlaufen, berichtete Stefan Neubauer vom Roten Kreuz. "Die Männer, Frauen und Kinder waren sehr erschöpft, aber glücklich." Generell ist Oberösterreich für den Großteil der Flüchtlinge nur ein kurzer Zwischenstopp. Donnerstagabend endete hier etwa die Fahrt eines Sonderzuges, die Passagiere übernachteten in Linz und fuhren am Freitag weiter in Richtung Deutschland.

Derzeit können an der Westbahnstrecke in Oberösterreich rund 700 Personen im Postverteilzentrum in Linz untergebracht werden. In der Sporthalle von Attnang-Puchheim ist man für weitere 300 Menschen vorbereitet. In der Welser Messehalle wurden bisher 100 Betten aufgebaut. Man sei aber in der Lage, binnen kürzester Zeit auf 400 aufzustocken, erklärte Neubauer.

Wo die Flüchtlinge untergebracht werden, wird immer aktuell von den Hilfsorganisationen mit den ÖBB abgestimmt. In Oberösterreich ist Linz die erste Wahl, auch weil hier die Quartiere direkt neben dem Bahnhof liegen. Die Tabakfabrik, wo am vergangenen Wochenende mehrere hundert Menschen kurzfristig Zuflucht gefunden hatten, wurde in der Zwischenzeit wieder geräumt. Die Betten wurden in das Verteilzentrum am Bahnhof gebracht, nachdem zu Wochenbeginn die Ars Electronica aus der 100.000 Quadratmeter großen Halle ausgezogen war.

Am Salzburger Hauptbahnhof sorgte die Entscheidung der ÖBB am Donnerstag, den Zugverkehr zwischen Ungarn und Österreich vorübergehend einzustellen, unterdessen für eine kurze Verschnaufpause bei den Einsatzkräften. Laut Angaben des Roten Kreuzes nächtigte nur eine geringe Zahl von Flüchtlingen in Salzburg, die Menschen verbrachten die Zeit zur Weiterreise dabei alle in den Zügen.

Dort wurden sie mit Essen und Getränken versorgt. "Die Zahl der Durchreisenden war über den Tag gesehen aber weiter hoch. Entlastung hat in der Nacht auch ein Sonderzug gebracht, der gegen 1.00 Uhr nach München abfuhr", sagte Christian Blaschke, der in der Nacht die Pressearbeit für das Land Salzburg innehatte. Den Einsatzkräften stehe allerdings ein starkes Wochenende bevor.

"Es gibt mehrmals täglich Einsatzbesprechungen mit den ÖBB, der Polizei, dem Roten Kreuz, der Feuerwehr und dem Ordnungsamt der Stadt. Die Bayerische Oberlandbahn hat einen Einsatzleiter in Salzburg stationiert und die Kapazitäten erhöht." Am Donnerstag machte sich auch der Salzburger Erzbischof Franz Lackner persönlich ein Bild von der Lage am Bahnhof und nahm an einer Einsatzbesprechung teil.

Von 23.00 bis 4.00 Uhr gibt es keine reguläre Bahnverbindung von Salzburg nach München. Alle Flüchtlinge, die keinen Anschluss mehr finden, müssen die Nacht in Salzburg verbringen, mehr als 800 Schlafplätze stehen allein am Bahnhof bereit: Das Land Salzburg und die Hilfsorganisationen haben Vorkehrung getroffen und können rund 520 Durchreisende im Bahnhofsgebäude und in einem Zelt am Vorplatz unterbringen.

Weiter 300 Menschen finden bei Bedarf in einer abgestellten Zuggarnitur Platz. Sollten mehr Menschen stranden, werden diese in andere Unterkünfte in der Stadt gebracht. So wurde unter anderem am vergangenen Freitag eine Lagerhalle in Salzburg-Kasern mit 400 Feldbetten versehen.