Erstellt am 20. Mai 2016, 20:37

von APA Red

Selbstbewusstes Finale der Hofburg-Anwärter. Die Bundespräsidenten-Wahl ist in der Zielgeraden.

 |  NOEN, APA

Sowohl der freiheitliche Präsidentschaftsanwärter Norbert Hofer als auch der Grüne Kandidat Alexander Van der Bellen verabschiedeten sich Freitagabend mit großen Schluss-Veranstaltungen vom Wahlkampf. Beide demonstrierten dabei Zuversicht, am Sonntag von den Österreichern zu ihrem Staatsoberhaupt gewählt zu werden.

Während sich Van der Bellen bei einem Auftritt im Votivpark nahe der Universität Wien auch über Unterstützer anderer Parteien freuen konnte, blieben die Freiheitlichen unter sich und mischten sich unters Favoritner Volk.

"Dieses System will weitermachen wie bisher"

Wie seit Jörg Haiders Zeiten fast immer fanden sie neben dem Viktor-Adler-Markt im zehnten Wiener Gemeindebezirk starkes Interesse der örtlichen Bevölkerung.

Die FPÖ bot dem Publikum eine Doppel-Strategie. Während sich Hofer einmal mehr gemäßigt präsentierte, war Parteichef Heinz-Christian Strache für die Attacken gegen Van der Bellen und den neuen Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zuständig.

Straches Warnung: Van der Bellen wäre nur ein Lebensverlängerer für das rot-schwarze System: "Dieses System will weitermachen wie bisher."

Auffällig war, dass Hofer trotz der Aussicht auf das höchste Amt im Staat quasi nur das Vorprogramm Straches war, der als letzter ans Rednerpult trat und auch doppelt so lange sprach.

Hofer: "Ich werde Bundespräsident"

Das Publikum schien jedoch der neue freiheitliche Star Hofer mehr zu interessieren und erfreute sich entsprechend, als dieser gleich mehrfach versicherte: "Ich werde Bundespräsident." Programmatisch Neues gab es nicht mehr zu hören.

Hofer versicherte einmal mehr, dass Österreich natürlich Heimat für gut integrierte Zuwanderer sein könne, nicht jedoch für Islamisten.

Gegen das Freihandelsabkommen TTIP werde er ein "Schutzherr für Österreich" sein und sich insgesamt für mehr direkte Demokratie einsetzen: "Wenn Ihr mir Eure Stimme gebt, dann gebe ich Euch Eure Stimme zurück."

Gerne die Stimmen der Österreicher hätte auch Van der Bellen, zumindest die einiger prominenter Politiker aus anderen Lagern sind ihm sicher. Zum Abschluss-Event ebenfalls unter freiem Himmel hatten sich etwa Ex-EU-Kommissar Franz Fischler aus der ÖVP sowie der ehemalige Finanzminister Ferdinand Lacina aus der SPÖ eingefunden, dazu logischerweise die gesamte Grüne Parteiprominenz.

Van der Bellen: "Das Richtige zu machen"

In seiner kurzen Rede sprach er von einer Richtungsentscheidung. "Seien wir uns bewusst, dass das historische Momente sind." Seine Unterstützer bat er, Freunde und Verwandte anzurufen, "dass sie am Sonntag das Richtige machen".

Schon bei einer Pressekonferenz am Vormittag hatte sich Van der Bellen an die Unentschlossenen gewandt und gemeint: Auch wer vielleicht Vorbehalte gegen ihn habe, möge prüfen, "ob Ihre Vorbehalte gegenüber meinem Konkurrenten nicht noch größer sind". An einen Sieg glaubt auch Van der Bellen. Er meine knapp, aber doch vorne zu liegen.

Da nach dem Desaster der Meinungsforschung im ersten Durchgang vor der Stichwahl kaum Umfragen publiziert wurden, wird dem Wahl-Sonntag mit besonders großer Spannung entgegengefiebert. Auch wenn Hofer Van der Bellen im ersten Wahlgang deutlich abgehängt hatte, gilt ein knapper Ausgang als möglich.

Sollte es tatsächlich so sein, muss man möglicherweise sogar bis Montag warten, bis endgültig klar ist, wer Österreichs neues Staatsoberhaupt ist. Denn mit fast 900.000 Anträgen auf Wahlkarten wurde ein neuer Rekord erzielt.