Erstellt am 15. Oktober 2014, 22:33

von APA/Red

Skandalspiel: Vorwürfe auch an EU-Kommission. Der für den 22. Oktober geplante Besuch des albanischen Premiers Edi Rama in der serbischen Hauptstadt sei nicht infrage gestellt, hieß es am Mittwoch aus Tirana.

Ausgelöst wurde der Zwischenfall bei dem Fußballmatch durch eine Drohne mit einer großalbanischen Flagge, die in den Schlussminuten der ersten Halbzeit über das Spielfeld flog. Es kam zu einem Handgemenge, nachdem ein serbischer Spieler die Flagge an sich nahm. Auch einige Zuschauer stürmten auf den Platz und griffen vereinzelt albanische Spieler an. Die Partie, zu der albanische Fans nicht zugelassen worden waren, wurde schließlich beim Stand von 0:0 abgebrochen.

Rama bestreitet Festnahme

Serbische Medien berichteten in der Nacht unter Berufung auf das Innenministerium in Belgrad, dass die Drohne von Olsi Rama, dem Bruder des albanischen Ministerpräsidenten, gesteuert worden sei. Rama selbst bestritt dies nach seiner Rückkehr nach Tirana. Er sei in Belgrad auch nicht festgenommen worden.

"All dies ist eine Fehlinformation serbischer Medien gewesen", versicherte Rama demnach in einem Telefongespräch gegenüber dem TV-Sender Klan Kosova. Laut früheren serbischen Medienberichten soll Rama, der das Match von einer VIP-Loge aus verfolgte, die Drohne, an der die Flagge befestigt war, per Fernbedienung gesteuert haben. Zu der Aktion hat sich unterdessen eine albanische Fußball-Fangruppe aus Mazedonien bekannt. Das Fußballspiel war letztlich abgebrochen worden.

Mit Vorwürfen, hinter den Geschehnissen im dem Belgrader Stadion zu stecken, musste sich auch die EU-Kommission auseinandersetzen. In serbischen Medienberichten hieß es, dass einige albanische Schlachtenbummler trotz ursprünglichen Verbotes ins Stadion gelassen worden seien und dass dies nach der Intervention des Vertreters der EU-Kommission in Belgrad, Michael Davenport, geschehen sei.

"Sehr enttäuscht über Abbruch"

"Es hat keinen Sinn, die Erfindungen zu kommentieren", erklärte der EU-Vertreter in einer Reaktion. Auch sei es nun an den Regierungen in Belgrad und Tirana, Mut und Verantwortungsbewusstsein an den Tag zu legen und sich durch solche Zwischenfälle nicht vom europäischen Weg ablenken zu lassen.

Auch die EU-Kommission wies Anschuldigungen in Medien zurück. "Wir sind sehr enttäuscht über den Abbruch des Fußballspiels", unterstrich am Mittwoch eine Sprecherin der Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel. Der schwedische Außenminister Carl Bildt twitterte, er hoffe, dass die Ministerpräsidenten Serbiens und Albaniens die Notwendigkeit einsehen würden, die bilateralen Beziehungen zu fördern.

Weder Serbiens Präsident Tomislav Nikolic, der dem Fußballmatch selbst beiwohnte, noch Ministerpräsident Aleksandar Vucic kommentierten den Zwischenfall zunächst. Auch der serbische Innenminister Nebojsa Stefanovic hüllte sich in Schweigen.

Serbien-Besuch nicht in Frage gestellt

Der serbische Außenminister Ivica Dacic erklärte zu den Vorkommnissen im Stadion, dass es sich um eine "im Voraus vorbereitete politische Provokation" gehandelt habe. Sein Bündnispartner, Arbeitsminister Aleksandar Vulin, brachte den Zwischenfall mit dem am Donnerstag stattfindenden Belgrad-Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Verbindung. "Und was, wenn hinter dem Zwischenfall einer unserer Sicherheitsdienste stehe? Es wäre nicht das erste Mal", hieß es am Mittwoch in einem der zahlreichen serbischen Internet-Kommentare.

Die albanische Verteidigungsministerin und enge Vertraute Edi Ramas, Mimi Kodheli, versicherte am Mittwoch, der Zwischenfall bei dem Match werde den geplanten Besuch des Premiers in Serbien nicht infrage stellen. "Die Entscheidung, Belgrad nach so vielen Jahrzehnten (zuletzt hatte dies Enver Hoxha im Jahre 1947 getan, Anm.) zu besuchen, ist ein wichtiger Schritt für alle am Balkan", sagte Kodheli laut Medienberichten.