Erstellt am 01. März 2015, 17:05

von APA/Red

Fenninger gewann Super-Kombi in Bansko. Anna Fenninger hat am Sonntag sensationell die Alpine Weltcup-Kombination in Bansko für sich entschieden.

Erstmals in ihrer Karriere hat Anna Fenninger im Weltcup eine Alpine Kombination gewonnen. Die Weltmeisterin von 2011 in Garmisch in dieser Disziplin setzte sich am Sonntag sensationell in einem schwierigen Bewerb in Bansko nach bester Zeit im Super-G und achtbester Slalomleistung mit 0,39 Sekunden Vorsprung auf die Slowenin Tina Maze und 1,06 auf ihre Landsfrau Kathrin Zettel durch.

Fenninger: "Freue mich extrem"

Für Fenninger war es der elfte Weltcupsieg in der Karriere, der dritte in dieser Saison nach den Riesentorläufen in Sölden und Maribor. Im Gesamtweltcup machte sie weitere zwanzig Punkte auf Maze gut und liegt nur noch 64 Zähler hinter der für die Kombi topfavorisierten USA-Weltmeisterin. Die nach dem Super-G hinter Fenninger und Maze drittplatzierte Nicole Hosp, bei der WM in Beaver Creek Silbermedaillengewinnerin, schied im Slalom aus. Montag steht in Bansko noch ein Super-G auf dem Programm.

"Ich bin extrem stolz. Ich habe ein Deva-Vu-Erlebnis von Garmisch, wo ich auch einen guten Slalom gefahren bin. Und heute auch wieder. Dass ich das mit der Führung so runterbringe, habe ich mir nicht gedacht. Ich habe geglaubt, dass die Piste nachlässt, aber sie hat gut gehalten, deswegen war es möglich. Ich freue mich extrem", sagte Fenninger, die in der Kombi im Weltcup zuvor noch nie auf dem Podest gestanden war. Sie bestreitet seit Jahren keine Spezialslaloms mehr und trainiert nur noch für die Kombi. Auch schon bei der WM in Vail/Beaver Creek hatte Fenninger eine gute Slalomleistung gezeigt, am Ende war sie hinter Maze, Hosp und Kirchgasser Vierte geworden.

Dass sie ihren Rückstand im Gesamtweltcup sogar verringert hat, fand sie "cool". Sie habe geglaubt, dass Maze davonziehen werde, aber man könne sich oft täuschen. "Schaut aus, als ob ich sehr stark im Kopf wäre, ich selbst kann das nicht so wahrnehmen, weil ich zu sehr darauf fokussiert bin, was ich zu tun habe." Nach dem Doppel-Ausfall bei ihren Heimrennen in Maribor meldete sich Maze auf dem Podest zurück.

Zettel: "Ziel war das Podium"

Zettel durfte sich über den 50. Podestplatz ihrer Karriere freuen. "Ich bin sehr stolz. Es war irrsinnig schwierig heute, aber ich bin froh, dass ich es geschafft habe, in beiden Läufen halbwegs stabil und gut zu fahren. Das Ziel war das Podium, cool, dass es sich ausgegangen ist." Zettel hatte nach dem Super-G 1,29 Sekunden Rückstand auf Fenninger. Michaela Kirchgasser lag nach dem Speed-Teilbewerb 2,05 zurück und landete am Ende auf dem achten Rang (1,94).

Nach dem Super-G, der mit eineinhalb Stunden Verspätung gestartet und wegen Nebels mehrmals unterbrochen worden war, schüttelten zahlreiche Läuferinnen im Ziel den Kopf. Nicht nur wegen der Sichtverhältnisse, sondern auch wegen der weichen Piste, die in den vergangenen Tagen durch den Einsatz der Pistengeräte demoliert worden war. "Ich habe zweimal geglaubt, dass es mir den Ski auszieht. Die Pisten-Präparierung ist eine Katastrophe. Es darf nicht drei Tage hintereinander der gleiche Fehler passieren", beschwerte sich Hosp.

Fenninger wurde "während der Fahrt davon überrascht, wie schlecht es tatsächlich ist". Elisabeth Görgl profitierte sicher auch von Startnummer eins. "Ich habe mich vom Fahren her sicher gefühlt und keine Bedenken gehabt. Aber es war sicher nicht ganz am Limit zu fahren, dazu war die Piste zu weich", meinte die Steirerin, die Kombi-14. wurde.

Vonn kritisiert Pistenverhältnisse

Im Slalom nicht mehr mit dabei war Lindsey Vonn, die als 24. nach dem Super-G 2,57 Sekunden Rückstand gehabt hatte. Die US-Amerikanerin klagte über die Verhältnisse, sie war bei Nebel auf die Piste geschickt worden, und sprach von "zu gefährlich". Sie nannte es im ORT-TV einen "Witz", noch nie sei sie bei so schlechten Pistenbedingungen einen Super-G gefahren. Die Schneeverhältnisse hätten ein Rennen nicht zugelassen. "Ich habe unten nur noch gebremst. Für mich war es wichtig, dass ich ohne Verletzung runtergekommen bin."

Über FIS-Chef-Renndirektor Atle Skaardal fand sie via ZDF deutliche Worte. "Ich habe ihm gesagt: Wenn es einen Sturz gibt, ist das dein Fehler und nur dein Fehler." Skaardal erklärte, dass die Jury mit den Trainern ständig in Kontakt gestanden sei und es durchwegs geheißen habe, dass es okay sei. "Jeder hat gesagt, dass es okay ist, aber natürlich nicht gut. Wir habe auch andere Zielsetzungen, aber ich denke, dass es zu verantworten ist." Die beiden Super-G am Freitag und Samstag konnten wegen Nebels nicht durchgeführt werden,.

Die vor Bansko letzte Weltcup-Kombination fand übrigens am 11. Jänner 2014 in Zauchensee statt, als die Kanadierin Marie-Michele Gagnon vor Kirchgasser und der Deutschen Maria Höfl-Riesch gewonnen hatte.

Kriechbaum erfreut über Leistungen

ÖSV-Damen-Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum nannte die Leistung von Anna Fenninger "fantastisch". Sie sei auch im Slalom von der Laufzeit her bei den Schnellsten dabei gewesen. "Unglaublich, wie sie es schafft, so einen Slalom herzuzaubern." Fenninger habe das Selbstvertrauen, zu attackieren, weil sie Rennen gewinne wolle.

Sehr zufrieden war er auch mit der drittplatzierten Kathrin Zettel, die wegen ihrer Hüftprobleme überlegt hatte, ob sie überhaupt nach Bansko reisen soll. "Dass sich auch für sie der Ausflug rentiert hat, taugt mir sehr."

Zur Situation im Gesamtweltcup meinte Kriechbaum: "Tina Maze kann jede Disziplin gewinnen, es wird ein harter Kampf. Aber wenn Anna in der Spezialdisziplin von Tina Maze auf einmal vorne ist, wird dieser das sicher nicht ganz gefallen. Uns gefällt es natürlich. Es war ein guter Erfolg für Anna, aber der Winter ist noch nicht aus, er dauert bis zum letzten Rennen."

"Unter dem Strich war das Rennen okay"

Was die von einigen Läuferinnen scharf kritisierten Pistenverhältnisse betrifft, sprach der Cheftrainer von einer Reihe unglücklicher Umstände. "Bei Nebel und Niederschlag in der Nacht ist es schwierig, ein super Piste herzubekommen. Und der Hang ist sehr, sehr anspruchsvoll. Die Grundpräparierung war gut, aber in der Früh war es immer wieder knollig. Das sehen die Läuferinnen bei der Besichtigung, da kommt dann eine etwas negative Stimmung auf."

Beim Rennen selbst sei es dann besser gewesen. "Unter dem Strich war das Rennen, so wie es heute war, absolut okay. Aber die Läuferinnen müssen runterfahren. Klar muss man sich gewisse Kritik gefallen lassen, wenn es bei der Besichtigung knollig ist."