Erstellt am 17. Juni 2015, 14:08

von APA/Red

Karriere Fenningers an ihrem 26. Geburtstag an Wendepunkt. Ihr 26. Geburtstag könnte für Ski-Star Anna Fenninger zu ihrem Karriere-Wendepunkt werden. Denn der Österreichische Skiverband (ÖSV) hat für Donnerstag (10.30 Uhr) in Wien zu einer Pressekonferenz geladen, in der zur Causa rund um die mittlerweile gestoppte Werbekampagne von Mercedes mit Laureus-Konnex mit der Salzburgerin auch von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel offiziell Stellung bezogen wird.

Mercedes-Werbung als jüngster Stein des Anstoßes  |  NOEN, APA (MERCEDES-BENZ ÖSTERREICH)

Der 73-Jährige war am Dienstagabend in einem Facebook-Posting scharf von Fenninger angegriffen worden. "Dass alle nach der Pfeife von nur einem einzigen tanzen müssen, ist man erfolgreich - muss man geben - man wird hin und her gereicht - und am Ende des Tages? Das Ergebnis? Ein stolzer Tiroler, der die Hände nicht mehr runter bekommt", schrieb die Salzburgerin u.a., bezog sich damit zweifellos auf Schröcksnadel.

Schröcknadel: "Muss Konsequenzen geben"

Der Verbandschef war am Mittwoch nicht zu erreichen. Über ÖSV-Pressechef Josef Schmid ließ er ausrichten, dass er den ganzen Tag über mit seinen Firmen Sitzungen habe. Gegenüber der Tageszeitung "Der Standard" hatte der seit 1990 in dieser Funktion amtierende Schröcksnadel aber in einem Interview in der Mittwoch-Ausgabe auf Fenningers Facebook-Posting bereits reagiert.

Speziell dem vergangene Woche zwischen den beiden Parteien geführten Gespräch war Schröcknadel noch ferngeblieben. "Jetzt muss ich mich einmischen, jetzt mische ich mich ein", erklärte er nun aber und gab an, maßlos enttäuscht zu sein. Noch wollte er sich mit den Landesverbandspräsidenten absprechen, eines war für ihn aber schon klar: "Es wird sicher Konsequenzen geben, es muss Konsequenzen geben."

Dass Mercedes die Werbekampagne zurückgezogen hat, um die Karriere der Weltcup-Gesamtsiegerin nicht zu gefährden, hat für Schröcksnadel offenbar nur periphere Bedeutung: "Ich nehme das zur Kenntnis. Aber es ist kein Grund, um in Jubel auszubrechen." Zudem stünde er über den Angriffen Fenningers gegen seine Person. "Die Anna ist halt leider irregeführt", ließ er einen Seitenhieb auf Fenningers Manager Klaus Kärcher ab.

"Problem lässt sich nicht juristisch lösen"

Auf einen Rechtsstreit wolle er sich nicht einlassen. Diesen schätzt Sportanwalt Christian Flick als auch nicht zielführend ein. "Das Problem wird man nicht juristisch lösen können, sondern nur über die psychologisch richtige Ebene", erläuterte er im Ö1-Mittagsjournal und vermutet frühere Probleme ÖSV - Fenninger: "Da muss es etwas gegeben haben, wo sie das Gefühl hat, dass sie als Frau ein Mensch zweiter Klasse ist."

Für den angenommenen Fall einer Karriere-Fortsetzung Fenningers können nun am Donnerstag die Weichen in drei mögliche Richtungen gestellt werden.

Entweder es kommt doch noch zu einer Einigung zwischen den beiden Parteien, Fenninger entscheidet sich für einen Nationenwechsel oder tritt künftig mit österreichischer Lizenz, aber selbst aufgestelltem und finanziertem Team an.

ÖSV-Sportdirektor Hans Pum im Ö1-Morgenjournal: "Es gibt natürlich die Möglichkeit, dass die Anna ihr eigenes Team macht. Sie bekommt natürlich vom österreichischen Skiverband die Lizenz, aber kommt für ihr Umfeld dann selbst auf."

Kärcher schloss das wie auch einen Nationenwechsel hingegen erneut aus. "Anna ist eine Teamplayerin. Sie will das sportliche Umfeld des ÖSV."

Mehr als 93.000 "Likes" auf Facebook

Flick sprach auch über den von den Aktiven im ÖSV zu unterzeichnenden Athletenvertrag, mit dem man ins ÖSV-System integriert wird. Eine Mitbestimmung des Vertragsinhalts gerichtlich einzufordern, sei theoretisch möglich.

"Ich schließe nicht aus, dass bei einem langjährigen Rechtsstreit Dinge anders gesehen werden", sagte Flick. "Es muss sich ein Sportler überlegen, ob er dieses Risiko eingeht oder nicht."

Sich auf einen solchen Gerichtsstreit einzulassen, kann für einen 26-jährige Ski-Superstar wohl kein Thema mehr sein. Laureus-Botschafterin Fenninger jedenfalls steht mit ihrer am Dienstag auf Facebook geäußerten Meinung nicht allein da. Unter ihre Facebook-Offensive haben in den ersten 17 Stunden bis Mittwochmittag mehr als 93.000 User ihr "Like" gegeben, mehr als 6.700 Mal wurde bis dahin der Beitrag geteilt.