Erstellt am 15. Februar 2015, 23:37

von APA/Red

Grange holt Slalom-Gold - Hirscher fädelt ein. Das letzte Gold der alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2015 in Vail/Beaver Creek ist überraschend am Frankreich gegangen. Jean-Baptiste Grange profitierte am Sonntag von einem Fehler des Halbzeit-Führenden Marcel Hirscher, der im Finale kurz vor dem Ziel mit Bestzeit einfädelte.

Fritz Dopfer und Felix Neureuther holten Silber und Bronze nach Deutschland. Österreich beendete die WM mit neun Medaillen.

Raich und Matt bereits in Lauf eins ausgeschieden

Die zehnte Österreich-Medaille hätte zum sechsten Mal aus Gold sein müssen, um von der Anzahl der Goldmedaillen her mit der bisherigen Rekord-WM 1962 in Chamonix gleichzuziehen. Lange sah es auf der extrem vereisten Slalompiste auch danach aus, obwohl schon in Lauf eins die beiden Weltmeister und Olympiasieger Benjamin Raich und Mario Matt auf der Strecke geblieben waren.

Aber Hirscher ließ sich nicht beirren. Er erzielte bei der Jagd nach seinem dritten Colorado-Gold trotz einer "Testfahrer-Rolle" mit Startnummer eins auf einem vom österreichischen Norwegen-Trainer Christian Mitter kurios eckig und anstrengend lang in die Eispiste gesetzten Kurs Bestzeit, 0,28 Sekunden vor dem russischen Schladming-Sieger Alexander Choroschilow.

"Das wird eine gescheite Bolzerei"

Die Diskussionen über die Kurssetzung prägte beim WM-Ausklang die Mittagspause ebenso wie der nach tagelangem Schönwetter einsetzende, intensive Schneefall. Der zweite Kurs des Italieners Stefano Costazza war dann deutlich flüssiger gesetzt, die Laufzeit um gleich elf Sekunden schneller. Dementsprechend wurde trotz der nun schlechten Sicht attackiert. "Das wird eine gescheite Bolzerei", vermutete Hirscher richtig.

Der Schwede Markus Larsson setzt zunächst die erste wirkliche Pace. Mit Jens Byggmark und Alexis Pinturault nehmen sich dann aber Spitzenläufer ebenso selbst aus dem Rennen wie Matts jüngerer Bruder Michael. Nach dem schon in Lauf eins gescheiterten Giuliano Razzoli schieden in der Entscheidung auch Stefano Gross und Patrick Thaler aus, damit blieben die Italiener wie schon 1980 (Olympia), 1989 und 1999 in den USA ohne WM-Edelmetall.

Dann ging Neureuther trotz eines Fehlers knapp in Führung, sein "Tiroler" Landsmann Fritz Dopfer löste ihn dort aber sofort wieder ab. Nach der Bestzeit des nach Lauf eins nur auf Platz fünf liegenden Grange fielen auch die stärker eingeschätzten Schweden Mattias Hargin und Andre Myhrer ebenso zurück wie Choroschilow.

Damit lag wieder einmal alles bei Hirscher, die Vorzeichen waren aber trotz Startnummer 30 im Finale gut. Denn seit 2002 hat der Halbzeitführende bei Großereignissen jedes Mal am Ende auch Gold gewonnen.

Mit 0,88 Sekunden Vorsprung machte sich der Salzburger auf den Weg, verlor aber im Schneetreiben gleich konstant an Zeit. Sechs Hundertstel lag der 25-Jährige kurz vor dem Ziel noch vor Grange, als er mit dem rechten Ski bei einer blauen Torstange einfädelte.

Hirscher bilanzierte trotzdem positiv

Statt über seine dritte Goldene zu jubeln, musste sich Hirscher damit von Beaver Creek mit drei Medaillen verabschieden. "Ich habe nichts gesehen, aber was soll's. Zwischen Sieg und Niederlage liegen oft nur zehn Tore. Das ist eben das krasse, dass es im Sport so schnell geht", sagte Hirscher nach seinem Aus. Mit drei Medaillen dürfe man aber nicht sudern. "Jetzt gerade ist es zwar o..., aber im Grunde war es eine Super-WM."

Hirscher wäre der erste seit Ingemar Stenmark in den 1980er-Jahren gewesen, der seinen Slalomtitel erfolgreich verteidigt hätte. "Letztlich hat sich das Podium noch stark gedreht. Ich habe am ersten Tag in der Kombi Glück gehabt, auch die restlichen Rennen waren ein Traum", bilanzierte der Weltcup-Leader nach Gold in Kombi und Teambewerb sowie Silber im Riesentorlauf höchst positiv, obwohl er seinen Slalom-Titel verloren hatte.

Reinfried Herbst als Zwölfter

Der gehört nach 2011 wieder Grange. Der 30-jährige Franzose war davon überrascht. Seit seinem Weltmeistertitel in Garmisch hatte er kein Rennen mehr gewonnen, seine Saison-Bestleistung bis Sonntag war Platz sechs in Adelboden gewesen. "Es ist unglaublich für mich. Ich hätte nie gedacht, hier gewinnen zu können", jubelte er. "Dass alle noch zurückgefallen, hätte ich nicht gedacht. Es ist ein großes Geschenk für mein Bemühen."

Von den fünf Österreichern schaffte es am Ende nur Reinfried Herbst als Zwölfter ins Klassement. "Zumindest der zweite Lauf war okay", sagte der 36-Jährige. Ob die drei Routiniers Herbst, Raich und Matt auch im kommenden Winter weiter mit dabei sind, ist offen.