Erstellt am 07. September 2016, 08:06

von Gila Wohlmann

Säugling von Schleppern betäubt!. 17 Menschen stundenlang auf engstem Raum ohne Wasser, ohne Essen und ohne Toilette eingepfercht. Acht Monate altes Kind bekam Beruhigungsmittel verabreicht! Schlepperlohn: 75.000 Euro!

In diesem Wagen wurden 17 Menschen geschleppt - die Polizei deckte den Fall auf.  |  LPD NÖ

Ein Schlag gegen die illegale Migration gelang der Autobahnpolizei Schwechat und den Ermittlern des Bereichs Menschenhandel im Landeskriminalamt Niederösterreich.

Aufmerksamer Autofahrer deckte Fall auf

Den Fall ins Rollen brachte ein aufmerksamer Autofahrer. Er zeigte ein verdächtiges Fahrzeug, einen Mercedes Vito, an. Eine Ausgleichsmaßnahmen-Streife der Autobahnpolizeiinspektion Schwechat konnte den verdächtigen Wagen und ein ebenso verdächtiges Vorausfahrzeug auf der A 4, Fahrtrichtung Wien, im Gemeindegebiet von Schwechat, anhalten.

LPD NÖ

Beim Öffnen des Kastenwagens bestätigte sich Verdacht: Es war ein Schlepperfahrzeug. Im Wagen befanden sich 17 illegale Personen. Der Lenker und mutmaßliche Schlepper war ein 19-jähriger Ägypter. Im Vorausfahrzeug, einem Fiat Punto, befanden sich  zwei weitere mutmaßliche Schlepper syrischer Herkunft im Alter von 20 und 37 Jahren.

Der Ägypter als auch die Mittäter des Schlepperbegleitfahrzeuges wurden umgehend wegen des Verdachtes der gewerbsmäßigen qualvollen Schlepperei festgenommen. Die Amtshandlung wurde daraufhin vom Landeskriminalamt Niederösterreich, Ermittlungsbereich Menschenhandel, übernommen.

17 Menschen auf fünf Quadratmetern

Im Zuge der Ersterhebungen stellten sich tragische Fakten heraus: Die 17 Geschleppten, darunter Männer, Frauen, Kinder und ein Baby, wurden im Mercedes Vito zusammengepfercht, teilweise knieend oder hockend vorgefunden. Die 17 Geschleppten waren gezwungen, auf einer Gesamtfläche von zirka fünf Quadratmetern (= 0,29 m² pro Person) in einem qualvollen und psychisch äußerst belasteten Zustand zu verharren.

Sie durften während der stundenlangen Fahrt von der ungarisch-rumänischen Grenze kommend  -  die Route führte quer durch Ungarn nach Österreich -  nicht aus dem Fahrzeug aussteigen, konnten keine  Toilette aufsuchen und mussten alle während der Fahrt die Notdurft im Fahrzeug verrichten. Sie hatten während der gesamten Fahrt nichts zu trinken, nichts zu essen und konnten auch nicht aus dem Fahrzeug flüchten.

Über Weisung der Auftraggeber, die sich im Vorausfahrzeug befanden, hätten die Geschleppten im Gemeindegebiet von Wien ausgesetzt werden sollen.

Keine Pause während gesamter Fahrt

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Um eine Anhaltung durch die Polizei zu verhindern, wurde während der gesamten Fahrt keine Pause eingelegt. Es wurde lediglich einmal ein Tankstopp durchgeführt, dabei durften die geschleppten Personen jedoch nicht aus dem Wagen aussteigen. Das Schlepperfahrzeug war für die illegalen Fahrten aber nicht speziell präpariert.

Doch nicht genug – die Schlepper gingen noch skrupelloser vor: Ein Elternpaar, das ein acht Monate altes Baby mit sich führte, musste diesem ein Schlaf- bzw. Beruhigungsmittel verabreichen, das von den Schleppern zur Verfügung gestellt wurde. Der Grund: Damit das Baby während der Schlepperfahrt nicht zu schreien anfängt und so die Schleppung gefährden könnte. Hätten die Eltern dieser Aufforderung nicht zugestimmt, wären sie in den Nachtstunden mit dem Kleinkind bei der Einstiegsstelle zurückgelassen worden.  

Aufgrund der dramatischen Umstände der Schleppung bestand Gefahr für Leib und Leben aller Personen, insbesondere des Babys.  Für diese Schleppung mussten die Flüchtlinge pro Person rund 5.000 Euro und Eltern für ein geschlepptes Kind 2.500 Euro an die Organisatoren bezahlen. Das ergibt nur für diese eine Schleppung einen ungefähren Schlepperlohn von 75.000 Euro.

„Undenkbar, welche Folgen das hätte haben können“

Die 17 Flüchtlinge wurden nach der Anhaltung durch die Polizei umgehend erstversorgt, die Staatsanwaltschaft Korneuburg ordnete die Einlieferung der drei Schlepper in die Justizanstalt Korneuburg an. Die Täter waren teilgeständig. Die Erhebungen des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Ermittlungsbereich Menschenhandel, dauern an.

Beim Baby handelt es sich um ein syrisches Mädchen. Die Illegalen waren aus Syrien und Afganistan. „Die Schlepper haben dem kleinen Mädchen noch an der ungarisch-österreichischen Grenze selbst das Betäubungsmittel verabreicht. Es war in der nächsten Minute bewusstlos. Undenkbar, welche Folgen das hätte haben können“, so Polizeisprecher Johann Baumschlager.

Um welches Betäubungsmittel es sich dabei  gehandelt hat, konnte nicht mehr festgestellt werden.