Erstellt am 25. Oktober 2015, 15:00

Sölden-RTL an Ligety, Hirscher Dritter, Leitinger Sechster. Ted Ligety hat sein Ziel, die kleine Riesentorlauf-Kugel im alpinen Ski-Weltcup zurückzuerobern, zum Saison-Auftakt untermauert.

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Als erster Rennläufer gewann der US-Amerikaner viermal in Sölden, er setzte sich am Sonntag 0,15 Sekunden vor dem Franzosen Thomas Fanara und 0,17 vor ÖSV-Star und Pokalverteidiger Marcel Hirscher durch. Der Salzburger Roland Leitinger überraschte mit Platz sechs.

Einen Tag vor der Weltpremiere des neuen James-Bond-Streifens "Spectre" in London, der zum Teil in Sölden gedreht wurde, feierte Ligety seinen 25. Weltcup-Erfolg, seinen 24. im Riesentorlauf. Der 31-Jährige, der die Riesentorlauf-Gesamtwertung 2008, 2010, 2011, 2013 und 2014 gewonnen hatte, aber in der Vorsaison gegen Hirscher chancenlos gewesen war, möchte bekanntlich heuer zurückschlagen.

"Der Schnee war wirklich bissig und ich habe versucht zu kämpfen. Ich war ziemlich überrascht, als ich die Ziellinie überquert habe, aber so ist es wahrscheinlich jedem ergangen", zeigte sich der Mann aus Park City, der hier im Vorjahr nur Zehnter war, über die Bedingungen erst einmal erstaunt. "Die Sicht war außerdem schwierig. Ich habe nur geschaut, dass ich so schnell wie möglich bin und nicht zu viele Fehler mache." Sein vierter Sölden-Erfolg nach 2011, 2012 und 2013 beschäftige ihn im Moment nicht. "Wenn ich aufgehört habe, kann ich mir über Rekorde Gedanken machen."

Die herausfordernde Piste auf dem Rettenbachgletscher verlangte den Läufern wie am Vortag den Damen alles ab. "Ich bin ordentlich in die Knie gegangen nach dem Lauf", stöhnte Hirscher, der zur Halbzeit des Rennens an zweiter Stelle lag. Mit seiner ersten wettkampfmäßigen Fahrt im neuen Ski-Winter war der 26-Jährige durchaus zufrieden. "Es war richtig cool, ich habe es ganz gut erwischt." Noch besser lief es allerdings für Ligety, der Hirscher mit einem Finish der Extraklasse ab der Steilhang-Ausfahrt auf Distanz hielt.

Schon im ersten Lauf war das Trio Ligety, Hirscher und Fanara quasi in einer eigenen Liga gefahren. Der Fünfte, der Franzose Victor Muffat-Jeandet, war vor 17.500 Zuschauern bereits 1,46 hinten. Insgesamt zählten die Organisatoren an diesem Sölden-Wochenende 31.500 Besucher, was neuen Rekord bedeutete.

Im zweiten Durchgang attackierte Hirscher voll, blieb aber 0,02 Sekunden hinter dem entfesselt fahrenden Fanara. Der Halbzeit-Führende Ligety ließ sich die Butter mit der fünftschnellsten Laufzeit (ex aequo mit Hirscher) nicht mehr vom Brot nehmen. Hirscher haderte etwas mit dem letzten Übergang ins Flachstück. "Da habe ich sicher etwas an Zug verloren". Alles in allem zog der Gesamtweltcup-Sieger der vergangenen vier Jahre aber zufrieden Bilanz. "Eine große Erleichterung, dass man da bei den Top Drei dabei ist. Das sind 60 Punkte mehr. Der erste Druck fällt weg", sagte der entthronte Sölden-Vorjahressieger.

Die Überraschung aus österreichischer Sicht lieferte aber der 24-jährige Leitinger. Der Riesentorlauf-Gesamtsieger im Europacup verbesserte sich mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang von Platz 26 auf sechs - ex aequo mit dem Norweger Henrik Kristoffersen und Felix Neureuther, dem nach Bandscheibenproblemen noch Trainingstage auf Schnee fehlen. Fünfter wurde der Franzose Alexis Pinturault.

Für den Salzburger Leitinger war es das mit Abstand beste Weltcup-Resultat. Bisher war er nur im Aare-Riesentorlauf im Dezember 2014 als 21. in den Punkterängen gewesen. "Mein Ziel war, im zweiten Durchgang dabei zu sein. Ich wusste, dann ist mit einer guten Piste viel möglich. Ich habe mir was vorgenommen und das dann auch umgesetzt. Und dass dann eine Laufbestzeit rauskommt, das hätte ich mir nicht erträumt", konnte er seine Emotionen im Anschluss nur schwer bändigen.

Insgesamt schickte die Technik-Mannschaft des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) ein kräftiges Lebenszeichen, schafften doch von zehn Herren sechs die Qualifikation für den zweiten Durchgang. Jungvater Philipp Schörghofer war im ersten Abschnitt bis etwa zur Mitte des Steilhangs gut dabei, dann aber etwas zu direkt dran. Mit einem zu verhaltenen zweiten Lauf fiel er von Platz elf noch auf 14 zurück.

Speed-Spezialist Hannes Reichelt belegte bei seinem ersten Riesentorlauf seit Dezember 2014 Rang 16 und überraschte sich damit selbst. "Im ersten Durchgang war es mit der Liebe zum Riesentorlauf fast schon wieder vorbei, aber im zweiten mit Nummer zwei war es traumhaft", sagte der 35-Jährige. Der Vorarlberger Christian Hirschbühl fuhr bei seiner Riesentorlauf-Premiere mit Startnummer 52 auf Rang 22. Christoph Nösig wurde 25.

Zeitgleich mit dem Tiroler musste sich auch Kjetil Jansrud, wohl der erste Hirscher-Herausforderer um den Gesamtweltcup, nach einigen Probleme mit Rang 25 zufriedengeben. "Ich weiß, dass es wieder ein schwieriges Jahr im Riesentorlauf wird. Dafür habe ich nicht genug Training", sagte der Norweger.