Erstellt am 06. Dezember 2014, 14:53

Sonnenalm-Molkerei stellt Produktion vorläufig ein. Die Sonnenalm-Molkerei im Görtschitztaler Klein St. Paul im Bezirk St. Veit/Glan stellt ihre Produktion vorläufig ein. Das gab das Unternehmen am Samstag bekannt.

Grund sind die gemessenen Verunreinigungen der Rohmilch mit Hexachlorbenzol. Das Umweltgift wurde mittlerweile auch in Fleischproben nachgewiesen. Landwirtschaftsminister Rupprechter kritisierte indes das schlechte Krisenmanagement. 

"Wir sind von diesem Messergebnis selbst schockiert und tief betroffen", sagte Sonnenalm-Geschäftsführer Hannes Zechner am Samstag. Offenbar sei das Probennetz trotz aller Anstrengungen und Bemühungen nicht dicht genug gewesen, dafür entschuldige man sich aufrichtig bei den Kunden.

Bis zur vollständigen Klärung und Vorliegen aller amtlichen Untersuchungsergebnisse hole man nun alle Sonnenalm-Kuhmilchprodukte zurück und stelle bis zur Freigabe durch die Behörden die Produktion ein. Ob der Produktionsstopp auch die Ziegenmilchprodukte betreffe, die nach derzeitigem Wissensstand nicht mit HCB belastet sei, war vorerst noch offen. Von dem Produktionsstopp sind rund 20 Mitarbeiter betroffen.

Wie am Samstag bekannt wurde, ist mittlerweile auch in Rindfleisch aus dem Görtschitztal Hexachlorbenzol nachgewiesen worden. Bei einem Tier war der Grenzwert "massiv überschritten", wie Agrarlandesrat Christian Benger (ÖVP) gegenüber der APA erklärte. Zwei weitere Schlachttiere sind belastet und werden vorsorglich entsorgt. Spuren von HCB wurden aber auch in einem Schwein und einem Stück Rotwild gefunden.

Bei Fleisch gelten andere Grenzwerte wie bei der Milch, und zwar sind es 0,2 Milligramm HCB je Kilogramm. Dass auch in einem Schwein - zwei Schlachttiere wurden untersucht - HCB gefunden wurde, ist für Benger "unerklärlich", da Schweine ganz anderes Futter fressen als Rinder. Ab sofort muss in der Region auch jedes Stück Wild auf HCB untersucht werden, bevor das Fleisch in den Handel kommen darf.

Das Land Kärnten hat sich an die Bundesregierung um Unterstützung gewandt. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ): "Wir brauchen zusätzliche Infrastrukturen, beispielsweise Messgeräte, ebenso auch mehr Personal." Die Probennahmen sollen so weit wie irgend möglich ausgedehnt werden. Derzeit wird ein Untersuchungskonzept für die verunsicherte Bevölkerung erarbeitet. Es umfasst beispielsweise Blut- und Muttermilchtests aber auch Beratungsgespräche, kündigte Kaiser an.

Die Untersuchungen an Ort und Stelle sollen Anfang kommender Woche beginnen. Bezirkshauptmannschaften und Amtsärzte werden ebenso eingebunden wie die Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft Kabeg und die Arbeitsvereinigung der Sozialhilfe. Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) betonte, der Schwerpunkt liege bei stillenden Müttern und Kleinkindern. Es könne sich aber jeder untersuchen lassen, der Angst habe.

Landwirtschaftsministerium und Gesundheitsministerium haben dem Land Unterstützung zugesichert. Beide Ressorts forderten am Samstag den Kärntner Landeshauptmann in einer Aussendung dazu auf, bis Dienstag in der Früh einen umfassenden Bericht vorzulegen. Dabei sollen vor allem offene Fragen zur Futtermittelbelastung, zu Auswirkungen auf die Umwelt sowie in weiterer Folge auf die Lebensmittelsicherheit und deren Ursachen geklärt werden. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) übte am Rande des Mediengipfels in Lech am Arlberg Kritik am Krisenmanagement des Landes Kärnten, die Vorgangsweise sei "ungewöhnlich". Erste Priorität habe nun die "Sicherheit der Bevölkerung", es dürfe keine Kontamination von Lebensmitteln geben, und wenn, dann dürften diese Lebensmittel nicht in den Handel gelangen,

Wie es mit der Görtschitztaler Molkerei Sonnenalm weitergeht, ist vorerst noch offen. Am Samstag hat die Unternehmensleitung sämtliche Kuhmilchprodukte zurückgerufen und angekündigt, die Produktion bis auf Weiteres einzustellen. 17 Jahre Aufbauarbeit seien zunichte gemacht worden, sagte Geschäftsführer Hannes Zechner. Aufgeben will er aber nicht: "Wir werden den Kopf nicht hängen lassen."

Die Futtermittel der betroffenen Bauernhöfe werden vom Maschinenring eingesammelt werden. Landeskoordinator Albert Kreiner kündigte an, loses Heu werde in Ballen foliert werden, damit kein HCB-belasteter Staub in die Luft gelangen kann.

Das Land lässt nun alle zur Verfügung stehenden Betriebsbücher der Donau-Chemie ebenso wie der Wietersdorfer Zementfabrik genau überprüfen. Damit soll geklärt werden, seit wann wie viel Blaukalk an- bzw. abgeliefert und verbrannt wurde. Auch Fichtennadelproben sowie Asche aus den Biomasseheizwerke, Fische und Klärschlamm werden verstärkt untersucht.