Erstellt am 07. April 2014, 12:59

"Souveräne Volksrepublik" in Donezk ausgerufen. Prorussische Demonstranten in der ostukrainischen Stadt Donezk haben am Montag eine "souveräne Volksrepublik" ausgerufen, die von der Zentralregierung in Kiew unabhängig sein soll.

Diese Entscheidung hätten die Aktivisten getroffen, die das Hauptverwaltungsgebäude der Stadt besetzt halten, sagte ein Sprecher zu vor dem Gebäude wartenden Journalisten. Seit der Erstürmung mehrerer öffentlicher Gebäude im Osten der Ukraine durch prorussische Kräfte am Sonntag ist die Situation in den Städten Charkow, Lugansk und Donezk instabil. Die Regierung in Kiew zeigt sich alarmiert nach den jüngsten Unruhen. In Lugansk haben die Demonstranten laut Polizeiangaben zu den Waffen gegriffen.

Die Proteste zielten darauf ab, einen Einmarsch ausländischer Truppen zu provozieren, sagte der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am Montag. Russische Truppen stünden 30 Kilometer von der Grenze entfernt. Sie seien entgegen entsprechender Forderungen auch aus dem Westen nicht zurückgezogen worden.

Die Ukraine werde nicht zulassen, dass ausländische Truppen einmarschierten und ukrainisches Gebiet besetzten, betonte Jazenjuk und bezeichnete die Besetzer staatlicher Gebäude als "Radikale", die ihr Vorgehen mit ausländischen Truppen koordinierten.

Auf dem besetzten Gebäude der Gebietsverwaltung in Charkow wehte Medien zufolge die russische Fahne. Die zum Teil Maskierten forderten ein Referendum über einen Anschluss an Russland nach dem umstrittenen Vorbild der Schwarzmeerhalbinsel Krim. Inzwischen sei das Gebäude wieder in der Hand der ukrainischen Behörden und das Gebäude "vollständig von Separatisten befreit worden", erklärte der ukrainische Übergangsinnenminister Arsen Awakow.

Nach der Eingliederung der Halbinsel Krim durch Russland wächst die Sorge, dass die Regierung in Moskau die Lage auch im Osten der Ukraine destabilisieren und Truppen in das Nachbarland einmarschieren lassen könnte. Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel warnte Russland vor einem solchen Schritt und drohte mit Wirtschaftssanktionen.

In der Ostukraine ist der Anteil der russischsprachigen Bevölkerung hoch. Seit dem Umsturz von Ende Februar in Kiew, bei dem der prorussische Präsident Viktor Janukowitsch mit Unterstützung rechtsextremistischer Kräfte entmachtet worden war, kommt es in der Region immer wieder zu Unruhen.