Erstellt am 17. Juni 2014, 13:07

Spanien im Maracana gefordert. Das Schicksal des Weltmeisters hängt im Finalstadion der WM-Endrunde am seidenen Faden. Spanien ist nach dem Auftaktdebakel gegen die Niederlande gefordert, um die Heimreise aus Brasilien nicht vorzeitig antreten zu müssen.

Im Maracana von Rio de Janeiro wartet am Mittwoch (21.00 Uhr MESZ) Chile auf den Titelverteidiger. Die motivierten Südamerikaner haben bereits drei Zähler auf dem Konto. Spanien droht nach Frankreich im Jahr 2002 und Italien 2010 als Weltmeister bereits in der Gruppenphase zu scheitern. Nervenflattern zeigte man vor dem Duell der Roten - "La Roja" ist der Spitzname beider Teams - nach außen hin keine. Vor der unerwartet frühen Drucksituation strahlten die Spanier das Selbstvertrauen einer Mannschaft aus, die in den vergangenen Jahren die Gegner zur Verzweiflung brachte.

Trotzdem scheint sich der Welt- und Europameister der Ausgangslage nach dem desolaten 1:5 zum WM-Auftakt bewusst. Egal ob Kapitän Iker Casillas, Sergio Ramos oder Pedro Rodriguez: Alle sprachen von einem "Finale". Dabei wollten die Iberer dieses erst am 13. Juli im Maracana bestreiten.

Möglicherweise werden die Spanier ihr Schicksal jedoch nur noch bedingt in den eigenen Händen haben. Auch wenn sie sowohl gegen Chile als auch gegen Australien (23. Juni) gewinnen sollten, könnten sie - je nach Ausgang der anderen Partien - aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber den Niederlanden und Chile das Achtelfinale verpassen. Gefragt ist also zum einen ein voller Erfolg, zum anderen auch Tore.

"Attackieren, attackieren und Tore schießen"

Xabi Alonso betonte, dass man "etwas mehr Risiko" nehmen müsse. "Wir müssen attackieren, attackieren und Tore schießen", forderte auch Cesc Fabregas. Der Neo-Chelsea-Profi könnte in Rio anstelle von David Silva in die Start-Elf rücken, ein weiterer Kandidat ist Pedro. Laut einer Fan-Umfrage der "Marca" sollen auch Bayern Münchens Javi Martinez für Gerard Pique und Koke von Atletico Madrid anstelle von Xavi in die Formation kommen.

Torhüter Iker Casillas bleibt hingegen trotz seiner Unsicherheiten gegen die Niederländer unumstritten. Teamchef Vicente del Bosque gilt ohnedies nicht als Mann radikaler Umbauten, bei personellen Umstellungen verfolgt der 63-Jährige prinzipiell eine konservative Politik. "Wir sind flexibel bei einigen Dingen, aber halten an anderen fest. Wir hatten in der Vergangenheit viel Erfolg mit diesen Spielern", meinte Del Bosque auf mögliche Umstellungen angesprochen. Eine Rundumerneuerung klingt anders.

Kritik an der Mannschaft führte in der Vergangenheit immerhin dazu, dass die Seleccion noch enger zusammenrückte. Das sei ein Markenzeichen dieses Teams, betonte Sergio Ramos. In Rio soll man wieder den wahren Weltmeister sehen. "Wir sind weiter voller Stolz, Motivation, Leidenschaft und Hunger", bekräftigte der gegen die Niederlande überforderte Real-Verteidiger. Ramos strich aber Aggressivität, extremes Pressing und Kampfkraft des Kontrahenten hervor.

Dies hatten die Iberer schon vor vier Jahren in Südafrika beim 2:1 im abschließenden Gruppenspiel erfahren. Damals herrschte jedoch eine völlig andere Situation, weil das Ergebnis Spanien und Chile zum Weiterkommen reichte. Dies gilt bei einem vollen Erfolg nun nur für die Südamerikaner.

Die chilenische "Roja" bereitete sich auf einen Ansturm des Gegners vor. "Wir wissen, dass sie mit viel Schwung auf den Platz kommen werden", meinte Arturo Vidal. Der Star von Juventus Turin wurde beim 3:1 gegen Australien nach mehrwöchiger Verletzungspause überraschend von Beginn an aufgeboten. Von der Bestform ist der von den Fans liebevoll "El Rey Arturo" (König Artur) genannte Vidal aber noch etwas entfernt.

Spanien und Chile seien einander gut bekannt, meinte der Mittelfeldmann. Die Bilanz der jüngsten zehn Vergleiche ist bei acht Pleiten bei nur zwei Remis für die Chilenen aber eine denkbar schlechte. Die Hoffnungen ruhen nun vor allem auf Alexis Sanchez. Der Angreifer vom FC Barcelona wurde gegen Australien zum "Man of the Match" gewählt. Die erste Partie verlief trotz früher Zwei-Tore-Führung für die als Geheimtipp gehandelten Chilenen nicht gänzlich nach Maß. Der argentinische Coach Jorge Sampaoli sah dies aber als gute Vorbereitung auf die kommenden Aufgaben: "Wir müssen uns in den Spielen gegen die nun kommenden starken Teams steigern."