Erstellt am 02. Juni 2014, 15:10

Spanischer König Juan Carlos dankt ab. Der spanische König Juan Carlos dankt nach fast 40 Jahren ab und läutet damit das Ende einer Ära ein. Sein Nachfolger wird Kronprinz Felipe.

Er wolle einer jüngeren Generation den Weg freimachen, sagte der 76-jährige Monarch in einer Rundfunkansprache am Montag. "Eine neue Generation verlangt aus gerechtem Grund die Hauptrolle." Er habe immer der "König aller Spanier" sein wollen. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy würdigte den Beitrag des Königs zur Demokratie in Spanien. Regierungschefs und Königshäuser in Europa lobten die politische Rolle, die Juan Carlos nach der Franco-Diktatur eingenommen hatte. In Spanien wurden zugleich Stimmen laut, die eine Abstimmung über die Monarchie forderten.

Wann der 46 Jahre alte Felipe, der jüngste Sohn von Juan Carlos und Ehefrau Sofia, den Thron besteigen wird, ist noch unklar. Juan Carlos ist seit 1975 Staatsoberhaupt und leitete nach der Franco-Diktatur die Demokratie ein. Er hat seit langem gesundheitliche Probleme und musste mehrere Hüftoperationen über sich ergehen lassen. Außerdem hatten zuletzt Skandale seinem Ruf geschadet. Die Entscheidung zur Abdankung traf der König Medienberichten zufolge bereits im Jänner.

Abdankung kam überraschend

Die Ankündigung traf die Spanier dennoch überraschend. Der Monarch hatte eine Abdankung bisher strikt ausgeschlossen. Sein Sohn, der mit Prinzessin Letizia (41) zwei Töchter hat, wird nun König Felipe VI. Er ist nach den Worten Rajoys bestens vorbereitet für den Thron.

Felipe hat in Madrid Jus studiert und in den USA einen Master in Internationalen Beziehungen gemacht. Er ist auch Offizier des Heeres, der Luftwaffe und der Marine. Juan Carlos sagte, Felipe habe die "Reife, die Vorbereitung und das nötige Verantwortungsbewusstsein, um das Amt des Staatsoberhauptes zu übernehmen und eine neue Etappe der Hoffnung einzuleiten". Spanien steckt immer noch in einer Wirtschaftskrise.

Die konservative Regierung würdigte den Beitrag Juan Carlos' für die Demokratie in dem Land. "Er ist das beste Symbol unseres Zusammenlebens in Frieden und Freiheit", sagte Rajoy. Der König sei nach dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975) der wichtigste demokratische Antreiber gewesen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hob hervor, der König habe eine sehr wichtige Rolle für den Übergang Spaniens in eine Demokratie gespielt. Zu den deutsch-spanischen Beziehungen habe er "einen unglaublich wichtigen Beitrag geleistet".

Frankreichs Präsident Francois Hollande würdigte ebenfalls die Rolle des scheidenden Königs für den Demokratieprozess in Spanien nach der Franco-Diktatur. Während seiner 39 Jahre dauernden Regentschaft habe Juan Carlos das demokratische Spanien verkörpert, sagte Hollande am Montag in Paris.

Damit Felipe zum neuen König gekrönt werden kann, muss noch eine Nachfolgeregelung vom Parlament verabschiedet werden. Eine Abdankung des Monarchen ist im spanischen Rechtssystem bisher nicht vorgesehen. In der Verfassung wird dazu auf ein gesondertes Gesetz verwiesen, das aber bisher nicht verabschiedet wurde.

Rajoy kündigte eine Sondersitzung des Kabinetts an, um das Verfahren in die Wege zu leiten: "Ich hoffe, dass das Parlament in kurzer Frist den Kronprinzen zum neuen König ernennen kann."

Juan Carlos wurde im November 1975 gekrönt. Ihm haftete zunächst der Ruf an, ein Zögling des Diktators Francisco Franco zu sein, der ihn zu seinem Nachfolger als Staatschef erkoren hatte. Der Monarch führte jedoch die Diktatur nicht fort, sondern verzichtete auf Machtbefugnisse und gab den Anstoß zu demokratischen Reformen.

Das Ansehen des Königs hatte zuletzt aber gelitten. Ein Jagdausflug ins afrikanische Botswana empörte 2012 die Spanier, die mitten in einer großen Wirtschaftskrise steckten. Zudem erschütterte eine Korruptionsaffäre den Palast: Königstochter Cristina steht im Verdacht, in einen Finanzskandal um ihren Ehemann Inaki Urdangarin verwickelt zu sein. In Umfragen sank zuletzt die Zustimmung für den König. Juan Carlos hat mit Königin Sofia (75) drei Kinder: Elena (50), Cristina (48) und Felipe.