Erstellt am 02. August 2014, 20:27

von APA Red

Nationalratspräsidentin Prammer verstorben. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) ist am Samstagnachmittag im Alter von 60 Jahren aufgrund ihrer schweren Krankheit verstorben. Nach Angaben ihres Sprechers Gerhard Marschall starb Barbara Prammer im Kreise ihrer Familie.

Bundespräsident Heinz Fischer zeigte sich erschüttert. "Die Nachricht erfüllt uns mit tiefster Traurigkeit", sagte Fischer. "Barbara Prammer war eine der großen Frauenpersönlichkeiten im öffentlichen Leben unseres Landes und auch über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt und geschätzt", so der Bundespräsident.

Bundeskanzler Werner Fayman (ebenfalls SPÖ) erklärte: "Ihr früher Tod hinterlässt große Betroffenheit und Trauer. Barbara Prammer war eine bedeutende Sozialdemokratin, engagierte Frauenpolitikerin, große Demokratin und seit 2006 eine hervorragende Nationalratspräsidentin", so Faymann laut Aussendung in einer ersten Stellungnahme.

"Sie war über die Parteigrenzen hinweg geschätzt"

"Die österreichische Politik verliert eine starke Persönlichkeit", sagte Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP). "Zeit ihrer politischen Laufbahn hat Barbara Prammer in verschiedenen Funktionen auf Landes- und Bundesebene gewirkt, in denen sie lösungs- und konsensorientiert für die Menschen in diesem Land gearbeitet hat. " Prammer sei "über die Parteigrenzen hinweg für ihre Arbeit wertgeschätzt worden".

Der Zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf (ÖVP) erklärte in einer Aussendung, Österreich verliere durch ihren Tod eine "große Staatsfrau und Persönlichkeit". "Mit großem Respekt verneige ich mich aber nicht nur vor der Politikerin, sondern auch vor dem Menschen Barbara Prammer", so Kopf. Sie habe mit "großer Demut" ihre schwere Krankheit angenommen und ihr Amt mit großer Disziplin bis vor wenigen Wochen nahezu uneingeschränkt ausgeübt.

Auch der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) sprach von einer "tapferen Frau, die trotz ihrer Erkrankung" eine Vielzahl von Terminen wahrgenommen hat: "Ich habe Barbara Prammer sehr gemocht und bin sehr traurig."

FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache erklärte, Prammer habe als überzeugte Parlamentarierin stets auf die Würde des Hohen Hauses bedacht: "In diesem Geiste hat sie acht Jahre lang dieses Parlament geleitet und vertreten."

Betroffen zeigten sich auch die Grünen. Bundessprecherin Eva Glawischnig trauerte über eine "herausragende Persönlichkeit, eine glühende Demokratin und einen liebenswerten Menschen". Prammer sei "Vorbild, Vordenkerin und Vorkämpferin zugleich" gewesen, würdigte sie die Verstorbene.

NEOS-Klubobmann Matthias Strolz erklärte, mit Prammer verliere das Parlament einen "bis zuletzt aufrecht kämpfenden Menschen, dem weit über die Parteigrenzen hinaus Respekt und Ankerkennung entgegengebracht wurde."

Tief betroffen zeigte sich auch Team Stronach-Klubobfrau Kathrin Nachbaur: "Ich habe sie als Kämpferin kennengelernt – für Parlamentarismus, für die Frauen, für ihre Sozialdemokratie – und für das Leben. Leider hat sie diesen ihren Kampf nicht gewinnen können."

Prammer stammt aus dem Hausruckviertel, konkret aus Ottnang. Die Politik lernte sie früh kennen. Ihr Vater war in der Kommunalpolitik aktiv. Nach der HAK-Matura studierte sie Soziologie, anschließend war die geschiedene Mutter eines Sohns und einer Tochter unter anderem im Arbeitsmarktservice als Frauenreferentin tätig.

"Große Staatsfrau und Persönlichkeit"

1991 folgte der erste größere Schritt hinein in die Politik, als Prammer in Oberösterreich Landtagsabgeordnete wurde. 1995 avancierte sie zur Landesrätin für Wohnbau und Naturschutz, als erste Frau in einer oberösterreichischen Landesregierung.

Kanzler Viktor Klima (SPÖ) holte sie 1997 als Frauenministerin in sein Kabinett, das allerdings in einer eher heiklen Zeit, da in ihre Amtsperiode das Frauenvolksbegehren fiel, das von ihr freilich selbst unterzeichnet wurde.

Prammer war eine der wenigen prominenten Vertreterinnen der SPÖ, die auch nach der schwarz-blauen Wende in der Spitzenpolitik vertreten blieb. Sie nahm ihr Mandat im Nationalrat wahr und stieg nach dem Wechsel Heinz Fischers in die Hofburg zur Zweiten Nationalratspräsidentin auf, die damals formal höchste Position, die von der SPÖ vergeben werden konnte.

Mit dem Wahlsieg der SPÖ beim Urnengang 2006 kletterte Prammer eine Stufe höher auf das Präsidentenamt. Ihr Wort hatte in der Partei inzwischen Gewicht, auch wenn sie nicht zum engsten Kreis von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) gehörte.

Pröll ordnet Trauer-Flagge an

Der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) ordnete aus Respekt Trauerbeflaggung am niederösterreichischen Landhaus an: "Frau Präsidentin Prammer war immer um Konsens in der Politik über Parteigrenzen hinweg bemüht. Dafür gebührt ihr hohe Anerkennung."

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) lernte Prammer in verschiedenen politischen Funktionen "kennen und schätzen", sie sei stets um Ausgleich der politischen Interessen bemüht gewesen.

In allen Stellungnahmen wurde Prammers Familie Mitgefühl ausgesprochen.