Erstellt am 18. April 2014, 15:37

Sport Eybl: Zukunft von Jobs und Marken noch offen. Wien/Wels /Nach dem gestern bekannt gewordenen überraschenden Komplettverkauf von Sport Eybl/Sports Experts an den britischen Sportdiskonter Sports Direct sind der neue Alleineigentümer und die Gründerfamilie Eybl weiterhin auf Tauchstation.

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"Zu Jobs und Marken sind keine Entscheidungen gefallen", hieß es von der Sport-Eybl-Pressestelle. Nächste Woche soll es ein Statement geben.

Sport Eybl & Sports Experts ist mit einem Jahresumsatz von mehr als 300 Mio. Euro und 53 Filialen der größte Sportartikeleinzelhändler in Österreich. In den Geschäftsjahren 2011/12 und 2012/13 fuhr der Sporthändler Verluste in zweistelliger Millionenhöhe ein, die eine Restrukturierung notwendig machten. 2012/2013 sank der Gesamtumsatz um über 20 Prozent auf 307 Mio. Euro.

Die ehemalige Kurzzeit-Geschäftsführerin und -Aufsichtsrätin Catrin Aschenwald-Eybl wollte den Verkauf der restlichen 49 Prozent an Eybl weder gestern noch heute näher kommentieren. Die ehemalige Eigentümerfamilie werde sich zum Eybl-Verkauf nicht äußern, sagte Aschenwald-Eybl. Nach mehr als 80 Jahren geht damit die Ära der Famile Eybl als Sporthändler zu Ende.

Laut Firmenbuch übernahmen die Briten am 2. April die von der Gründerfamilie Eybl gehaltenen, restlichen 49 Prozent der Firmenanteile. Die Öffentlichkeit wurde darüber bisher noch nicht informiert.

Bei den rund 1.900 Mitarbeitern und Lieferanten herrscht nun Verunsicherung über die Zukunft der Marken Sport Eybl und Sports Experts. Auch die Beschäftigten wurden von der Geschäftsführung nicht über die Komplettübernahme informiert.

Branchenvertreter erwarten nun eine Neuausrichtung von Sport Eybl als Diskonter. Sport-Eybl-Geschäftsführer Mike Weccardt hatte einen kompletten Umbau zum Billiganbieter zuletzt zurückgewiesen: "Das halte ich nach allen bisher gelaufenen Gesprächen für höchst unwahrscheinlich. Die spezielle Kostenstruktur der Geschäfte würde so etwas schier unmöglich machen", so Weccardt in einer schriftlichen Stellungnahme Mitte März.

"Außerdem würde man Kunden- und Zielgruppen freigeben, die man besser halten und weiter begeistern sollte." Bei Sports Experts werde es "ein best of aus den beiden Sortimenten" geben.

Einige Änderungen waren aber bereits Mitte März bei Sport Eybl vorgesehen: "Was sich verändern wird, ist, dass neue Marken dazukommen, die den preisbewussteren Kunden im Sortiment abbilden werden", so Weccardt. Das Schuhangebot werde bei Sport Eybl deutlich vergrößert, weil man bei Sports Experts schon "sehr gute Erfahrungen" mit der Erweiterung gemacht habe.

Ein komplettes Aus für die Marken Eybl und Sports Experts ist aber auch denkbar: "Natürlich macht sich ein Konzern wie SDI Gedanken, ob es sinnvoll ist, eine Mehrmarkenstrategie unter einem Dach zu führen, oder ob ein einheitlicher Markt- und Markenauftritt nicht für Markenpartner, Konsumenten und Mitarbeiter mehr Transparenz und Klarheit schafft", erklärte Weccardt Mitte März.

Im Mai 2013 hatte die damals finanziell angeschlagene Sport-Eybl-&-Sports-Experts-Gruppe nach monatelanger Suche einen neuen Miteigentümer gefunden. Sports Direct zahlte damals für 51 Prozent des Familienunternehmens 10,5 Mio. Euro plus 30 Mio. Euro Eigenkapital. Der Kaufpreis wurde überwiegend zur Tilgung von Bankenverbindlichkeiten verwendet, hieß es damals. Den Verkaufspreis für die restlichen 49 Prozent wollte Catrin Aschenwald-Eybl heute nicht beziffern.

Sport Eybl wurde im Jahr 1931 von Ida und Ludwig Eybl gegründet. Sie eröffneten damals ein kleines Sportfachgeschäft in der Welser Bahnhofstraße. Im Jahr 1976 folgte dann das erste Großflächen-Sporthaus mit 3.000 Quadratmetern in Linz. Als Diskonttochter wurde die erste Sports-Experts-Filiale 1991 in Linz eröffnet.

Weitere Filialen in Österreich sowie die Expansion nach Deutschland folgten im Jahr 2001. Erst 1995 wagte sich Sport Eybl auf den damals klein strukturierten Wiener Sportfachhandelsmarkt und eröffnete in Vösendorf bei Wien einen "Megastore" mit knapp 8.000 Quadratmetern. Ein weiterer "Megastore" in der Wiener Mariahilfer Straße und in Wien Nord folgten. "Die Philosophie meines Vaters war, das Geld zusammenzuhalten. Der Schritt nach Wien war daher etwas mit Angst verbunden", so Lutz Eybl im Jahr 1997.

Der neue britische Alleineigentümer drückt bei der aktuellen Sanierung nun aufs Tempo. Seit dem Einstieg im Mai 2013 wurden bei Sport Eybl/Sports Experts die IT-Programme vereinheitlicht, Teile des Einkaufs zusammengelegt und der Online-Shop von Sport Eybl ausgebaut. Sports Direct wurde mit einem Diskont-Konzept Marktführer im englischen Sportfachhandel. Ein Erfolgsfaktor ist der hohe Anteil von konzerneigenen Marken Dunlop, Slazenger und No Fear. Die britische Diskonter erzielte zuletzt mit 24.000 Mitarbeitern und 500 Filialen in 19 Ländern einen Umsatz von 2,6 Mrd. Euro.