Erstellt am 08. August 2014, 12:40

St. Pölten zog sich in EL-Quali "gut aus Affäre". Gut verkauft, aber gegen den niederländischen Topclub PSV Eindhoven trotzdem ausgeschieden. Für St. Pölten ist das Abenteuer Europacup nach der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League erwartungsgemäß zu Ende. Der Ärger über das Ausscheiden hielt sich nach dem 2:3 in der NV-Arena in Grenzen, war aber doch da, zumal gegen ÖFB-U21-Teamspieler Marcel Ritzmaier und Co. mehr möglich gewesen wäre.

Über 180 Minuten war von einem Klasse-Unterschied zwischen dem Erste-Liga-Club und dem Vierten der vergangenen Eredivisie-Saison wenig zu sehen. In den entscheidenden Momenten wurde er aber doch ersichtlich, wie am Donnerstag beim Doppelschlag nach der Pause durch den eingewechselten 20-jährigen Jungstar Memphis Depay (68.) und Jürgen Locadia (70.) nach Depay-Vorarbeit.

"Bei Depay hat man gleich gesehen, dass der Bursche was draufhat", sagte Mittelfeldspieler Konstantin Kerschbaumer. Das Trikot des von europäischen Großclubs umworbenen niederländischen Teamspielers sicherte sich der 22-jährige Niederösterreicher aber nicht. Das holte sich Trainer Herbert Gager, allerdings nicht für sich selbst, sondern für seinen Sohn.

"Wir haben die Tore leider zu billig bekommen, da haben wir nicht gut verteidigt", analysierte Gager. Der Ex-Austria-Coach ärgerte sich etwas über die vergebene Chance, der "Sensation" gegen Botew Plowdiw eine "Riesensensation" gegen PSV folgen zu lassen. "Als Trainer will man immer das Maximale erreichen. In beiden Spielen wäre mehr drinnen gewesen", meinte der 44-Jährige. Das sah auch Kerschbaumer so: "Wir waren teilweise sehr knapp dran, deshalb ist es bitter."

Das gilt vor allem für das Hinspiel in den Niederlanden, wo sich der Zweitligist beim 0:1 zumindest ein Remis verdient gehabt hätte. "Wir haben kein Auswärtstor erzielt, das hätte das Rückspiel von der Ausgangssituation anders gemacht", trauerte Gager den vergebenen Möglichkeiten nach. In der ausverkauften NV-Arena durften die St. Pöltener hingegen trotz respektablem Auftritt nur nach dem etwas glücklichen Treffer von Daniel Segovia zum 1:1 (56.) kurze Zeit auf die Wende hoffen.

"Wir haben uns sehr gut aus der Affäre gezogen. Ich bin mit dem Auftreten der Mannschaft sehr zufrieden, sie hat alles gegeben", überwog bei Gager schlussendlich das Positive. Seine Truppe hatte als erster österreichischer Zweitligist im Europacup dank des Siegs gegen Plowdiw eine Runde überstanden und damit auch eine "kleine Geschichte" geschrieben. "Ich bin sehr stolz", betonte Gager.

Nun ist der Blick wieder voll und ganz in Richtung Meisterschaft gerichtet. "Wir müssen wachsen als Verein, mehr Zuschauer mobilisieren, Sponsoren lukrieren, damit wir generell mehr Möglichkeiten haben, um zu schaffen was alle in St. Pölten wollen, dass wir als Verein einmal in der Bundesliga spielen", sagte Gager.

Für den Tabellenfünften stehen weiterhin englische Wochen an. Innerhalb von 12 Tagen warten im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg mit dem LASK (h), FAC (a), Liefering (h) und Innsbruck (h) gleich vier weitere Hürden. "Das Wichtigste ist, jetzt das Europa-League-Abenteuer schnell zu verarbeiten und gleich den Schalter umzulegen. Es warten schwere Aufgaben auf uns", ist sich der Wiener bewusst.

Wer in Zukunft das Tor der Niederösterreicher hüten wird, ist offen. Christoph Riegler hatte gegen PSV den Vorzug gegenüber dem bisherigen Stammgoalie Patrick Kostner bekommen. "Riegler hatte auch einen Anteil daran, dass die Mannschaft in der Europa League gespielt hat, deshalb habe ich mich dazu entschieden, ihm ein Spiel zu geben", erklärte Gager. Beide Goalies seien auf Augenhöhe. "Es gibt keine klare Nummer eins."