Erstellt am 08. Juli 2016, 11:00

von APA Red

Fünf Polizisten erschossen, auch Verdächtiger tot. Nach dem Angriff von mehreren Heckenschützen auf Polizisten in der texanischen Stadt Dallas mit fünf toten und mehreren verletzten Beamten hat sich einer der mutmaßlichen Täter in einer Parkgarage offenbar selbst gerichtet.

 |  APA/dpa

Das teilte die Gewerkschaft der Polizei Dallas via Kurznachrichtendienst Twitter mit. Weitere drei tatverdächtige Personen sind in Haft. Ein weiterer Verdächtiger, der sich mit der Polizei einen Schusswechsel lieferte, wurde den Angaben zufolge festgenommen. In seiner Nähe wurde ein Paket gefunden, das ein Entschärfungskommando untersuchte.

Die Angreifer eröffneten das Feuer während Protesten gegen Polizeigewalt. Sie sollen von erhöhten Positionen geschossen haben, so David Brown, der Polizeichef von Dallas. Bisher seien drei weitere Personen festgenommen worden, darunter eine Frau. Zu möglichen Motiven oder Hintergründen der Tat konnte Brown vorerst nichts sagen.

Schützen gezielt auf Polizisten abgesehen

Die Schützen hatten es vermutlich gezielt auf Polizisten abgesehen, berichtete der Sender CNN. Die Polizei bat die Öffentlichkeit um Hilfe bei der Suche nach Verdächtigen und veröffentlichte ein Foto. Es zeigt einen Mann, der eine Waffe bei sich hat und ein T-Shirt in Camouflage-Farben trägt. Er soll sich gestellt haben.

Bei einem Toten handelt es sich offenbar um einen Transportpolizisten des Nahverkehrsunternehmens DART. Drei weitere wurden verletzt, wie DART auf Twitter mitteilte. Die Polizei forderte die Bürger auf, das Stadtzentrum von Dallas zu meiden, der öffentliche Verkehr wurde unterbrochen, berichtete die "Dallas Morning News." Der Flugverkehr von und nach Dallas wurde unterdessen eingeschränkt, wie die zuständige Flughafenbehörde mitteilte.

Zuvor hatte es friedliche Proteste gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gegeben. Auslöser waren zwei erschossene Afroamerikaner innerhalb von zwei Tagen. In Falcon Heights (Minnesota) starb Philando Castile (32) im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. Kurz zuvor hatten in Baton Rouge (Louisiana) zwei Polizisten Alton Sterling (37) auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

Obama: "Wir erleben so etwas viel zu oft"

Diese Tode seien ein Ereignis, das alle Amerikaner gleichermaßen angehen muss, sagte Präsident Barack Obama. "Wir erleben so etwas viel zu oft", sagte Obama unmittelbar nach der Landung in Warschau, wo er in der Nacht auf Freitag zum NATO-Gipfel eintraf. Der sichtbar berührte Präsident beschwor die Amerikaner, nach dem Geschehenen nicht in routinierte Reaktionsmuster zu verfallen, sondern innezuhalten.

Emotional zitierte Obama mehrere Statistiken, die die Benachteiligung von Afroamerikanern im US-Alltag belegen. "Menschen guten Willens können das besser", sagte Obama. "Der Wandel passiert zu langsam. Wir müssen dem mehr Dringlichkeit verleihen."

Der Gouverneur des Bundesstaates Mark Dayton, selbst kein Afroamerikaner, legte in der "Washington Post" Rassismus als Grund für die Schüsse nahe. "Wäre das passiert, wenn die Insassen weiß gewesen wären? Ich denke nicht. Niemand sollte in Minnesota wegen eines defekten Rücklichts erschossen werden."