Erstellt am 22. Oktober 2015, 14:44

Starker Flüchtlingszustrom überfordert Slowenien. Der starke Flüchtlingsstrom überfordert das Zwei-Millionen-Land Slowenien.

In der Nacht trafen erneut tausende Flüchtlinge ein  |  NOEN, APA (AFP)

Die beiden Unterkünfte im Südosten des Landes, ein seit Mittwoch großteils abgebranntes Zeltlager in Brezice und eine ehemalige Fabrikhalle in Dobova, sind überfüllt, weshalb die Neuankömmlinge in dem kleinen Grenzort Rigonce unter freiem Himmel auf den umliegenden Feldern auf die Aufnahme warten müssen.

Laut Medienberichten gibt es an Ort und Stelle auch keine entsprechende Versorgung durch humanitäre Organisationen. Dazu kam es am Vormittag in der großen Menschenmenge zu einem Zwischenfall. Laut Nachrichtenagentur STA soll unter den Flüchtlingen ein Streit ausgebrochen sein, eine Person soll dabei niedergestochen worden sein. Sie wurde von den Rettungskräften versorgt, hieß es.

Die Lokalbehörden in Brezice mahnen unterdessen, die Lage sei wegen der großen Zahl von Flüchtlingen unerträglich. Laut dem Bürgermeister von Brezice, Ivan Molan, müsste man die grüne Grenze in diesem Gebiet dichtmachen und die Flüchtlinge von den Eintrittspunkten direkt mit Zügen an die Grenze zu Österreich bringen, berichtete die STA. Die Gemeinde legte sich schon zuvor gegen die Errichtung einer weiteren Flüchtlingsunterkunft quer.

Angesichts der angespannten Situation kommt EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos am Donnerstag nach Slowenien, um mit der Regierung EU-Hilfen zu besprechen.

In der Zwischenzeit erklärte die EU-Kommission den Beschluss des slowenischen Parlaments, das Militär des Landes zur Bewältigung der Flüchtlingskrise an der Grenze einzusetzen, für legitim. Denn es gehe dabei um die Verhinderung von Gewalt und nicht um deren Einsatz, sagte Sprecherin Mina Andreeva am Donnerstag in Brüssel. Es sei daher das Recht das Staates, und es diene auch der besseren Versorgung der Migranten. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn bezeichnete die Entscheidung hingegen am Mittwoch noch immer als problematische Entwicklung. Ebenfalls hat sich Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bereits mit dem slowenischen Ministerpräsidenten Miro Cerar telefonisch beraten.

Am Mittwoch, als binnen 24 Stunden mehr als 12.600 Menschen aus Kroatien nach Slowenien ankamen, war der Zustrom bisher am stärksten gewesen. Alleine Donnerstagfrüh kamen mehr als 5.000 Flüchtlinge über die grüne Grenze.

Der Zustrom konzentriert sich nach wie vor im Südosten des Landes. Im Abstand von wenigen Stunden treffen in Rigonce Tausende Flüchtlinge mit Zügen aus Kroatien ein. Gegen 4.00 Uhr Früh kamen dort zwischen 2.000 und 3.000 Menschen an, um 7.30 Uhr folgten rund 2.000 neue Flüchtlinge, wie die Polizei in Novo mesto mitteilte.

Laut Medienberichten sollen am Vormittag noch rund 2.000 nach Rigonce unterwegs sein. Eine genaue Zahl können die slowenischen Behörden nicht abschätzen, weil sie aus Kroatien keine Informationen über die Ankünfte bekommen.

Auch Kroatien ist nach wie vor von einem starken Zufluss betroffen. Am Mittwoch zählte das dortige Innenministerium mehr als 6.000 Neuankünfte, am Donnerstag waren bis 9.00 Uhr knapp 1.300 Flüchtlinge aus Serbien angekommen, hieß es. Laut Medienberichten warteten weitere 1.500 noch an der Grenze. Im Transitlager in Opatovac, von wo die Flüchtlinge in Richtung Slowenien gebracht werden, befanden sich in der Früh rund 2.600 Menschen.