Erstellt am 07. Mai 2015, 16:09

von APA/Red

Ermittlungen nach Zugkollision nahe Graz. Nach der tödlichen Zugkollision nahe Graz sind nun Ermittler und Gutachter gefordert: Alle Fahrgäste müssen in den kommenden Tagen als Zeugen oder Opfer befragt werden.

Die Leiche des 21-jährigen Lokführers wird obduziert und die Black Boxen der Züge ausgewertet. Der Zustand der 60-Jährigen war Donnerstagmittag unverändert lebensgefährlich. Die Gewerkschaft vida kritisierte "Vorverurteilungen".

Der Zugverkehr zwischen Deutschfeistritz und Übelbach wurde am Tag nach dem Unglück wieder aufgenommen. Die beiden beschädigten Zuggarnituren sind in die Remise der Steiermärkischen Landesbahnen nach Übelbach gebracht worden, wo ein Gutachter mögliche technische Ursachen für den Unfall sucht oder ausschließt.

Roman Hebenstreit, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn bei vida, wies "pietätlose Vorverurteilungen" zurück: "Solange organisatorische und systemische Mängel im Betriebsablauf nicht ausgeschlossen werden können, ist es völlig unangebracht, bereits von menschlichem Versagen als Ursache des Zusammenstoßes zu sprechen." Er kritisierte damit die Aussagen von Landesbahnen-Geschäftsführer Helmut Wittmann, der gleich nach dem Unglück einen Fehler des Lokführers vermutete. "Ich gehe davon aus, dass die Strecke nach dem aktuellen Stand der Technik ausgestattet und abgesichert war. Sollte eine Untersuchung Gegenteiliges zutage fördern, werden wir seitens der Gewerkschaft Anzeige erstatten", kündigte Hebenstreit an.

Meldungen von Ex-Mitarbeitern werden geprüft

Laut Hebenstreit würden sich nun nach dem Zugsunglück immer mehr ehemalige Mitarbeiter der Steiermärkischen Landesbahnen bei der Gewerkschaft melden und sie würden schwere Vorwürfe erheben: "Wenn es sich bewahrheitet, dass die Fahrzeuge kein GPS haben, ist das ein Wahnsinn. Diese Strecken werden üblicherweise mit GPS überwacht, die Technik ist seit einem Jahrzehnt im Einsatz."

Mit den Antennen auf den Zügen sei auch eine Betriebsüberwachung möglich, die Kosten für ein GPS-System in der Fahrerkabine würden "nichts im Vergleich zu den Kosten einer Garnitur" sein. Er schätze den Preis auf 1.000 Euro ein, während eine Zuggarnitur mehrere Millionen Euro kostet. Stimmten die Vorwürfe der ehemaligen Mitarbeiter, "war es menschliches Versagen, ja, aber bei der Geschäftsführung", betonte Hebenstreit. Die Meldungen der Ex-Mitarbeiter würden erst geprüft, weshalb man noch keine Details der Vorwürfe nennen wolle.

Lesen Sie mehr zum Thema: