Erstellt am 27. April 2015, 09:29

von APA/Red

Mordprozess gegen zwei Ex-Bankbeamte. Zwei ehemalige Angestellte einer Grazer Bank müssen sich am heutigen Montag im Grazer Straflandesgericht wegen Mordes an einem Kunden verantworten. Sie sollen vom Konto des Mannes rund 223.000 Euro abgezweigt und zur Vertuschung der Tat den 54-Jährigen getötet und zerstückelt haben.

Die Anklägerin sprach von "kaltblütigem Mord". Einer der Verteidiger sagte, sein Mandant sei vom Kollegen zur Tat genötigt worden. Die zweite Anwältin schob die Schuld auf einen nicht anwesenden Dritten.

Das Publikumsinteresse an der extrem blutigen Tat war groß, zahlreiche Zuschauer fanden sich im Schwurgerichtssaal ein. Angeklagt waren ein 24-Jähriger und ein 30-Jähriger, beide arbeiteten früher gemeinsam in einer Grazer Bank.

Unterschlagung und Mord

Der Ältere zweigte laut Staatsanwältin Gertraud Pichler ab 2012 Geld vom Konto eines Kunden ab, der Jüngere stieg etwas später ein. Rund 223.000 Euro sollen die beiden mit gefälschten Unterschriften unterschlagen haben, bis der Kunde etwas bemerkte. Der 54-Jährige forderte Aufklärung und "das war sein Todesurteil", führte die Anklägerin aus.

"E. wurde ermordet, sein Leichnam zerstückelt, in Kübel gelegt, mit Fertigbeton übergossen und in der Mur versenkt", fasste es die Staatsanwältin knapp zusammen. Was folgte, war die detaillierte Schilderung der Vorbereitungen, die die Anmietung eines Containers sowie die Besorgung von Kübel, Beton, Plastikfolie und Ähnliches umfassten.

Nach der Tat sollen die beiden die Leichenteile an zwei Stellen in der Mur versenkt haben, wo sie Monate später gefunden wurden.

Erster Angeklagter bekannte sich teilweise schuldig

Der erste Angeklagte, ein 24-jähriger Ex-Bankangestellter, bekannte sich teilweise schuldig. Er gab zu, an der Tötung des Kunden mitgewirkt zu haben, von Urkundenfälschung zur Geldunterschlagung wollte er aber nichts wissen. Die Bluttat selbst konnte er nicht genau schildern: "Ich versuche jeden Tag, das zu verdrängen."

Von Anfang an war der 24-Jährige geständig gewesen, er hatte immer zugegeben, Geld vom Kollegen bekommen und an der Tötung zumindest mitgewirkt zu haben. Bei genauer Befragung durch Richter Andreas Rom blieb aber nicht sehr viel Konkretes übrig, außer dass er zur Mithilfe gezwungen worden sei.

"Ich habe Geld genommen, aber ich hätte nie gedacht, dass es so endet", meinte der Angeklagte sehr leise. Als sein Kollege ihm erstmals den Mordplan erläuterte, "habe ich ihn gefragt, ob er normal ist. Aber er hat gesagt, entweder du machst mit oder du gehst auf oder du bist auch weg."

Ursprünglich hätte der 24-Jährige den Bankkunden erdrosseln sollen, aber er konnte es dann nicht. "Ich bin vom Auto weggelaufen, habe ihn dann nur im Auto sitzen gesehen", schilderte er. Genaue Erinnerungen habe er nicht: "Es ist irgendwie im Nebel." Auch bei der Zerstückelung der Leiche will er nicht mitgeholfen haben, er war gar nicht im Container, als das geschah sondern stand heraußen. Dann kam sein Kollege und war "voll mit Blut und Beton."

"Haben etwas geplant, aber keinen Mord"

Eine weitere Version der Tat erzählte der zweite Angeklagte bei seiner Befragung. Der 30-Jährige fühlte sich überhaupt nicht schuldig, zumindest was den Mord anbelangt. Den Diebstahl des Geldes von des Sparbüchern des späteren Opfers gab er teilweise zu. Den Tod des 54-Jährigen und die Zerstückelung der Leiche sollen der Erstbeschuldigte und der flüchtige Drittbeschuldigte auf dem Gewissen haben.

Dass er Geld vom Konto des Kunden genommen hatte, gab der 30-Jährige zu. Um diese Diebstähle zu vertuschen, sollte der Drittbeschuldigte beim Bestohlenen einbrechen und die Sparbücher stehlen, von denen die beiden das Geld genommen hatten. Aber von der Bluttat wollte der Befragte nichts wissen: "Wir haben etwas geplant, aber keinen Mord", beteuerte er. Das Erdrosseln des ahnungslosen Kunden übernahm nach seinen Ausführungen der Erstbeschuldigte. Bei der Leichenzerteilung habe er selbst lediglich den Beton gemischt.

"Das ist eine Variante, die bisher nicht vorgekommen ist", bemerkte der Richter nach diesen Ausführungen. "Ich habe bisher so viel gelogen, weil ich mit diesem Tag nichts zu tun haben wollte", erklärte der Befragte. Er gab zu, mit seinem Kollegen im Baumarkt die Utensilien für die Tat gekauft zu haben, will aber nicht gewusst haben, wofür das war. Sein Ex-Kollege würde lügen, so der Angeklagte: "Er versucht, sich zu schützen, oder er hat Angst", vermutete er.

Nach der Befragung der beiden Angeklagte war eine späte Mittagspause geplant. Dann sollten die ersten Zeugen zu Wort kommen.

DNA-Spuren in Handschuh gefunden

Verteidigerin Christine Lahnschützer führte am Montag aus, warum auch ihr Mandant (30) keineswegs der Hauptschuldige sei. "Die völlig abstruse Tatplanung ist von einer anderen Person als hier sitzt." Sie brachte auch den dritten Angeklagten, der derzeit in Weißrussland im Gefängnis sitzt, ins Spiel.

Dessen DNA-Spuren wurden in einem Handschuh im Container gefunden. "Er war der Mastermind", gab sich Lahnschützer überzeugt. Laut Anklage soll dieser Dritte nur dabei geholfen, die Leichenteile zu entsorgen. "Mein Mandant war ein gieriger Banker, der gern gut gelebt hat, aber er ist ein Schreibtischtäter", meinte die Verteidigern.