Erstellt am 25. Juni 2015, 14:46

von APA/Red

Planung für Gedenkmarsch nach der Amokfahrt in Graz. Die Planung des Gedenkmarsches für die Opfer der Amokfahrt in Graz am kommenden Sonntag liegt in den Händen von Magistratsdirektor Martin Haidvogl.

Bei der Amokfahrt wurden drei Menschen getötet.  |  NOEN, APA

Die Route durch die Innenstadt ist exakt 1.640 Meter lang, zu der Trauerveranstaltung werden Tausende Teilnehmer erwartet. Zahlreiche Ehrenamtliche helfen mit. Bei der Amokfahrt am Samstag wurden drei Menschen getötet.

"Ich bin begeistert, wie viele Ehrenamtliche mithelfen", sagte Haisvogl am Donnerstag im APA-Gespräch. Rund 60 Frauen und Männer von Freiwilligen Feuerwehren werden Ordnerdienste übernehmen. Eine Hundertschaft von Rettungskräften wird ebenfalls unentgeltlich in Bereitschaft sein. Dazu kommen das Kriseninterventionsteam und die Notfallseelsorge und Dutzende Polizeibeamte, erklärte Haidvogl.

Unzählige private Anrufer und Initiativen hätten ihre Mithilfe angeboten, doch darauf könne so kurzfristig nicht eingegangen werden, sagte der Organisator. Er sprach von einer "extrem kurzen" Vorbereitungszeit. Trotz des Zeitdrucks habe er bisher "kein nervöses Wort" bei den Einsatzbesprechungen mit bis zu 40 Teilnehmern gehört: "So eine Planung geht nur mit Menschen, die wissen, dass es eine Ausnahmesituation ist."

Bereits mehr als 5.000 Zusagen

Wie viele Teilnehmer kommen werden, sei sehr schwer abschätzbar, meinte Haidvogl. Auf Facebook haben bei mehreren Veranstaltungsseiten bis Donnerstagmittag mehr als 5.000 Teilnehmer zugesagt. Die tatsächliche Zahl dürfte aber weit höher liegen und möglicherweise rund 20.000 betragen. Da der Hauptplatz nur für 10.000 Menschen ausgelegt ist, werden im Umkreis Videowalls aufgestellt.

"Wenn viele Menschen kommen, müssen sie sich auf Wartezeiten beim Start am Griesplatz einstellen. Wir bitten daher, Geduld mitzubringen", sagte Haidvogl. Die Teilnahme ist nur ab dem Griesplatz möglich. Der Hauptplatz wird großräumig gesperrt. Pufferzonen und Fluchtwege gehören ebenfalls zum Konzept.

Haidvogl rechnet für die 1.640 Meter lange Strecke mit einer Gehzeit von 50 Minuten bei langsamem Tempo. Er bat aus Sicherheitsgründen, auf Kerzen zu verzichten. Nach dem Gedenkakt am Sonntag sollen auch auf den Straßen keine Kerzen mehr aufgestellt werden, sondern nur noch in der Stadtpfarrkirche. Für den Weg zum Startpunkt am Griesplatz empfiehlt Haidvogl, ausreichend Zeit einzuplanen und auf das eigene Auto zu verzichten.

Viele Helfer bei Organisation

Seitens der Kommunikationsabteilung des Landes Steiermark hieß es am Donnerstag, dass sich bisher rund 60 Journalisten, Fotografen und Kameraleute akkreditiert haben. In die Organisation sind Vertreter der Telekom (für die Medienübertragung, Anm.), des Stromversorgers, der Müllabfuhr, der Holding Graz-Linien oder etwa auch vom Bühnenaufbau und der Musik eingebunden.

Fünf Tage nach der Amokfahrt des 26-Jährigen war der Zustand von zwei Schwerverletzten weiterhin kritisch. Insgesamt befanden sich am Donnerstag noch rund 20 Menschen in ärztlicher Behandlung. Bei der Amokfahrt am Samstag waren drei Menschen getötet und 36 verletzt worden. Ein Opfer ist nach wie vor nicht identifiziert.

Video zeigt Teil der Amokfahrt

Von der Fahrt des 26-Jährigen aus dem Bezirk Graz-Umgebung sind Fotos und ein Video aufgetaucht. Dieses zeigt den Wagen in der Herrengasse, der mit hoher Geschwindigkeit in der Fußgängerzone unterwegs ist und sich den Weg zwischen Häusern und den Gastgärten mehrerer Lokale bahnt. Zu sehen ist, wie Passanten aufschrecken und sich mehrere von ihnen buchstäblich im letzten Moment in Sicherheit bringen. In den wenigen Sekunden der Video-Sequenz werden keine Menschen von dem Auto erfasst.

Während am Donnerstag im LKH Graz immer noch zwei Opfer in kritischem Zustand waren und neun weitere - darunter zwei Kinder - stationär behandelt wurden, meldete das UKH Graz noch sechs Patienten, die stationär in Betreuung sind. Davon werden zwei intensivmedizinisch betreut. Aus dem Krankenhaus Klagenfurt wurde eine Frau mittlerweile nach Graz überstellt, ein Deutscher bleibt noch über das Wochenende in stationärer Behandlung und soll dann in sein Heimatland gebracht werden.

Der 26-jährige Beschuldigte ist mittlerweile anwaltlich vertreten: Liane Hirschbrich teilte am Donnerstag in einer Aussendung mit, dass sie die Vertretung des Lenkers übernommen habe. In den kommenden Wochen würden medizinische Gutachten erstellt, in den kommenden Tagen werde sie Gespräche mit ihrem Mandanten führen, schrieb Hirschbrich. "Bis dahin ist es mir nicht möglich, eine Stellungnahme abzugeben", erklärte die Rechtsanwältin mit Kanzlei in Wien, die auf ihrer Website neben allgemeinem Strafrecht Kapitalmarktdelikte, Anlagebetrug und Marktmanipulationen, Geldwäscherei, Korruptionsstrafrecht und Wirtschaftssanktionen als ihre Fachgebiete nennt.