Erstellt am 31. Oktober 2015, 21:56

von APA/Red

Rund 1.700 Flüchtlinge in Spielfeld. In der Sammelstelle am steirischen Grenzübergang Spielfeld haben sich am Samstag gegen 6.00 Uhr früh 1.722 Flüchtlinge aufgehalten, wie die Polizei mitteilte.

 |  NOEN, APA

In Bad Radkersburg waren es rund 210 Menschen. Für den späteren Nachmittag war ein Zug mit rund 1.500 Personen aus Slowenien angekündigt, weiter rechnet man mit 2.000 Flüchtlingen aus der Versorgungsstelle in Sentilj.

Nach wie vor werden Menschen in Bussen in die Notunterkünfte in Graz und Feldkirchen sowie in die Bundesländer gebracht. Gegen 14.00 fuhr ein Sonderzug mit etwa 480 Personen von Graz ab, eine weiterer Sonderzug sei geplant. Es gebe ausreihend Busse zum Weitertransport, allerdings sei die Entwicklung der Transportsituation abhängig von den freien Quartieren. Die Lage in den Sammelstellen sei ruhig, die Menschen können laut Polizeisprecher Christoph Grill vor Ort gut versorgt werden.

Insgesamt 4.258 Flüchtlinge aus Kroatien trafen am Samstag bis 18.00 Uhr in Slowenien ein, das berichtete die slowenische Nachrichtenagentur STA unter Berufung auf die Polizei. Insgesamt 5.441 Menschen reisten demnach bis Samstagabend von Slowenien nach Österreich weiter. 2.635 Menschen hielten sich in der größten Unterkunft Sentilj in der Nähe der Grenze zu Österreich auf, während die übrigen slowenischen Zentren am Samstagabend leer waren.

Protestkundgebung gegen die Asyl-Politik

Während in der Sammelstelle in Spielfeld ein stetes Kommen und gehen herrschte, ging am Samstagnachmittag in unmittelbarer Nähe eine Demonstration über die Bühne. Die Protestkundgebung richtete sich vor allem gegen die Asyl-Politik der Bundesregierung und ging kurz nach 15.00 Uhr ohne größere Zwischenfälle zu Ende. Im Vorfeld gab es den Versuch einer Gegenveranstaltung von 15 bis 20 Personen, die sich aber nach Aufforderung des Behördenleiters und der Polizei aufgelöst hat.

Dem Roten Kreuz zufolge werden in Spielfeld täglich rund 600 Menschen medizinisch versorgt: Vor allem Kindern, älteren Menschen und schwangeren Frauen würden die Strapazen der Flucht zusetzen. "Viele haben Verkühlungen oder Grippe, verknöcheln sich oder haben kleinere Blessuren", schilderte August Bäck vom Roten Kreuz gegenüber der APA. Die Ankommenden werden mit Lunchpaketen, die Toastbrot, Tee, Wasser, Bananen, Äpfel und Schokoriegel enthalten, versorgt.

Das österreichische Bundesheer schickt unterdessen weitere Soldaten an den Grenzübergang Spielfeld. Freitagabend wurde eine weitere Assistenzkompanie vom Burgenland in die Steiermark verlegt. "Die 79 Soldaten sind einsatzerfahrene Berufssoldaten der 3. Panzergrenadierbrigade aus Niederösterreich und dem Burgenland", teilte das Bundesheer mit.

Explosive Stimmung in Spielfeld

Damit sind bereits 880 der 1.500 Soldaten im sicherheitspolitischen Assistenzeinsatz in der Steiermark eingesetzt. Medien berichteten indes von einer explosiven Stimmung in Spielfeld - sowohl was den Migrantenansturm betrifft als auch zwischen Polizei und Bundesheer. So soll vergangenen Donnerstag ein Stein auf einen Polizist geworfen worden sein. Das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet in seiner Montag erscheinenden Ausgabe wiederum, dass es im Zuge des gemeinsamen Einsatzes zu Kontroversen zwischen Polizei und Bundesheer gekommen sein soll.

Auf der slowenischen Grenzseite soll außerhalb des Bahnhofs von Sentilj eine Eisenbahn-Zusatzhaltestelle mit provisorischem Bahnsteig eingerichtet werden. Die Arbeiten dazu begannen laut einer Mitteilung des dortigen Bürgermeisters Stefan Zvab bereits am Freitag. Der Bahnsteig soll noch im Laufe des Samstag fertiggestellt werden, damit es am Sonntag nicht zu Behinderungen beim Besuch des örtlichen Friedhofs kommt, wo zu Allerheiligen rund 2.000 Friedhofsbesucher erwartet werden.

Beschwerden über Verkehrsbehinderungen

Die provisorische Zusatzplattform hat einen doppelten Zweck: Einerseits sollen die per Zug aus dem Süden ankommenden Flüchtlinge künftig in unmittelbarer Nähe des Flüchtlingslagers aussteigen können. Andererseits kommt man damit den Wünschen der Ortsbevölkerung entgegen, die sich bei der Gemeinde über häufige Straßensperren und sonstige Verkehrsbehinderungen beschwert hatten.

Insgesamt 6.375 Flüchtlinge haben sich am Samstag in slowenischen Erstaufnahme- und Unterkunftszentren befunden, berichtete die slowenische Nachrichtenagentur STA unter Berfung auf die Polizei. Somit sei die Zahl der Menschen, die seit der Schließung der ungarischen Grenzen vor rund zwei Wochen in Slowenien eingetroffen sind, auf 111.354 angestiegen. Die Zahl der Flüchtlinge, deren Fälle in Slowenien bearbeitet worden und danach seit dem 20. Oktober den österreichischen Behörden übergeben worden sind, belaufe sich aktuell auf 92.666. Seit jenem Tag führt die slowenische Polizei laut STA Statistiken.

Nachdem in der Nacht auf Samstag erstmals über 1200 Flüchtlinge in Tirol angekommen sind, stellen sich die zuständigen Behörden auf eine neue Situation ein. Es wird damit gerechnet, dass auch in den kommenden Tagen jeweils 1.100 Flüchtlinge in Tirol eintreffen. Die vergangene Nacht sei "turbulent" gewesen, erklärte ein Polizeisprecher der APA gegenüber. Das Zeltlager Kufstein war mit rund 1000 Flüchtlingen überfüllt, weshalb Flüchtlingsbusse aus Kärnten und der Steiermark kurzfristig nach Innsbruck dirigiert wurden. Da auch dort nicht ausreichend Unterkünfte zu organisieren waren, strandeten rund 100 Flüchtlinge am Hauptbahnhof. Sie konnten dort verpflegt werden.